Mehr Analysen und Fakten im Überblick

Martín Caparrós: Der Hunger

"Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?"

 

Alle zwölf Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung. Das sind drei Millionen Kinder im Jahr. Insgesamt knapp neun Millionen Menschen. Jedes Jahr. Wir wissen das, wir kennen die Zahlen. Der Hunger ist, so heißt es, das größte lösbare Problem der Welt. Es sieht aber nicht so aus, als würden wir es in absehbarer Zeit lösen. Und das ist eine Schande.

 

Fünf Jahre hat Martín Caparrós den ganzen Globus bereist, um diese Schande zu kartografieren: Er war in Niger, wo der Hunger so aussieht, wie wir ihn uns vorstellen; in Indien, wo mehr Menschen hungern als in jedem anderen Land; in den USA, wo jeder Sechste Probleme hat, sich ausreichend zu ernähren, während jeder Dritte unter Fettleibigkeit leidet; in Argentinien, wo Nahrungsmittel für 300 Millionen Menschen produziert werden, obwohl sich viele Bürger kein Fleisch mehr leisten können.  

 

Am Ende dieser Reise steht ein einzigartiges Buch: Großreportage, Geschichtsschreibung und wütendes Manifest. Der Hunger, so Caparrós, ist keine Naturkatastrophe, die schicksalhaft über die Menschen hereinbricht. Der Hunger ist der krasseste Ausdruck der gigantischen sozialen Ungleichheit in einer Welt, in der das reichste Prozent mehr besitzt als alle anderen zusammen.

 

IWE Berlin, 13.11.2015

 

Misereor: Gesunde Ernährungssysteme

Die Bekämpfung von Fehlernährung braucht einen ganzheitlichen Ansatz

 

Jeder dritte Mensch weltweit ist von einer Form der Fehlernährung betroffen und leidet entweder an Unterernährung, Übergewicht und/oder dem Versteckten Hunger. Dieser Mangel an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen wurde lange vernachlässigt, obwohl über zwei Milliarden Menschen weltweit daran leiden. Sie haben keinen Zugang zu der  ausgewogenen Ernährung, die ein gutes und gesundes Leben ermöglicht. Mit der Welternährungskonferenz im vergangenen Jahr ist der „Versteckte Hunger“ endgültig in den Fokus der internationalen Strategien zur Hungerbe-kämpfung gerückt. Das Politikfeld Ernährung wird dabei zum umkämpften Terrain, wo Akteure und Initiativen der Vereinten Nationen, von Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft mit unterschiedlichen Interessen und Lösungsansätzen aufeinander treffen. 

 

Die Beiträge dieses Dossiers stellen den aktuellen Diskussionsstand dar. Gezeigt wird zum Beispiel, wie sich das globale Ernährungssystem auf lokale Konsummuster auswirkt, sich mit dem Vormarsch der Lebensmittelindustrie auch ernährungsbedingte Krankheiten ausbreiten oder wie das Potential von ganzheitlichen Ansätzen genutzt werden kann, um lokale und nachhaltige Ernährungssysteme zu stärken. Dabei wird deutlich, dass – wenn wir tatsächlich das Ziel erreichen wollen, den Hunger weltweit zu beenden – eine Neuausrichtung unseres Ernährungssystems nötig ist.

 

IWE Berlin, 07.11.2015

 

FAO: Natural Capital Impacts in Agriculture

Supporting Better Business Decision-Making

 

From the executive summary: Global food production faces a challenging landscape of rising input costs, climate change, health concerns, ocial inequality, resource competition and ecosystem degradation. With a global population set to reach 9 billion by 2050, do we fully understand the true costs and benefits associated with crop and livestock production, their different management practices, or the options for increasing productivity?

 

In many countries, there is a worrying disconnect between the retail price of food and the true cost of its production. As a consequence, food produced at great environmental cost in the form of greenhouse gas emissions, water pollution, air pollution, and habitat destruction, can appear to be cheaper than more sustainably produced alternatives.
 
With decisions to expand and intensify farming operations, stakeholders require better information on the relationship between their activities, the subsequent natural capital impacts, as well as their dependencies on natural capital. This study provides stakeholders with better information to inform strategic decision-making, which reduces impacts on natural capital that is crucial to long-term food provisioning and improving human well-being.

 

 

IWE Berlin, 04.11.2015

 

Global Food Security 2030

Assessing trends with a view to guiding future EU policies

 

Executive summary: By 2030 and beyond, food security will increasingly be considered as securing food supply in response to changing and growing global demand. Food security is not only a global and systemic challenge, but also an opportunity for the EU to play a role in innovation, trade, health, wealth generation and geopolitics. Better coordination and coherence at EU level are necessary in order to move from a food-security to a food-systems approach.

 

IWE Berlin, 30.10.2015

 

Sondergutachten: Umweltprobleme der Landwirtschaft

Bilanz nach 30 Jahren: besseres Wasser, Rückgang der Artenvielfalt

 

30 Jahre nach dem ersten Gutachten zu Umweltproblemen der Landwirtschaft hat der Umweltrat Bilanz gezogen und ein umfassendes Sondergutachten erstellt: Obwohl es sichtbare Fortschritte im Bereich Wasser- und Luftqualität gibt, ist der Rückgang der Biodiversität alarmierend.

 

Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA, im Interview mit dem Rat für nachhaltige Entwicklung: "Bei 63 Prozent des Grundwassers ist die chemische Zusammensetzung gut. In den übrigen Vorkommen wird der Grenzwert für Nitrat einfach noch zu häufig überschritten. Oberflächengewässer erreichen den guten chemischen Zustand immerhin bereits zu 88 Prozent, den guten ökologischen Zustand allerdings weniger häufig."

 

"Im Agrarland ist die Bestandssituation vieler Vogelarten kritisch. Der Zielwert für 2015 wurde gerade einmal zu zwei Dritteln erreicht. Der statistische Trend geht leider weg vom Zielwert. Das ist übrigens kein deutsches Problem, sondern gilt weltweit. Eine schwedische Forschergruppe sieht in den Biodiversitätsverlusten die mit Abstand größte Überschreitung der planetaren Grenzen - noch vor dem überhitzten globalen Stickstoff-Kreislauf und dem Klimawandel."

 

Als Ursachen nennt sie u. a. die Ausrichtung auf maschinengerechte Landnutzung und flächendeckenden Pestizideinsatz, der ackerbegleitende Flora und Fauna vernichtet. "Und wir dürfen nicht vergessen: In den vergangenen Jahren sind eine Vielzahl artenreicher Grünlandflächen verloren gegangen."

 

Sie schlägt vor: "Als allererstes sollten Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf ökologischen Vorrangflächen verboten werden. Und diese sollten in wenigen Jahren auf sieben Prozent ausgeweitet werden. Zusätzlich brauchen wir mehr Geld für die Förderung freiwilliger Agrar-Umweltmaßnahmen durch Umschichtung im Agrarhaushalt. Davon würde nicht zuletzt die Biodiversität profitieren. Aber auch der ökologische Landbau könnte hier helfen. Die Bundesregierung hat sich bereits einen Flächenanteil von 20 Prozent als Ziel vorgenommen. Wir kommen bei dieser Umstellung derzeit allerdings zu langsam voran."

 

 

IWE Berlin, 27.10.2015

 

Down to earth – Der Boden, von dem wir leben

Vorstellung der Studie: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft

 

Etwa 970 Millionen Tonnen fruchtbarer Boden gehen der EU jedes Jahr durch Erosion unwiederbringlich verloren. Immer mehr Böden erleiden einen regelrechten „Burn-out“ ihrer Bodenfruchtbarkeit. Besorgniserregende Fakten, die die Agrarwissenschaftlerin und Co-Autorin des Bodenatlas, Dr. Andrea Beste, aus einer Vielzahl von Forschungsprojekten zum Zustand der Böden in Europa zusammen getragen hat.

 

In der vorliegenden Publikation zeigt sie die Ursachen dieser Entwicklung auf. Zugleich erläutert sie, welche Therapie Europas Böden dringend benötigen, um sich wieder zu erholen und fit für die Extremwetterereignisse zu werden, die im Zuge des Klimawandels drohen.

 

An die Politik appelliert sie, dem Boden als unsere Lebensgrundlage endlich besseren Schutz zu gewähren, z. B. durch die Umsetzung der von Deutschland ausgebremsten EU-Bodenschutzrichtlinie, eine deutlich ressourcenschonendere Agrarpolitik sowie die Förderung von Ausbildungs- und Beratungsprogrammen.

 

Bei allem Verständnis für die Nöte der Landwirte, die in Produktions- und Produktivitätssteigerungen oft ihre einzige Chance zur eigenen Existenzsicherung sehen, stünden aber auch sie in der Pflicht, Böden nicht weiter zu übernutzen und zu lange bekannten nachhaltigeren Anbautechniken zurückzukehren.

 

 

IWE Berlin, 13.10.2015

 

FAO, WFP and IFAD: Achieving Zero Hunger

The critical role of investments in social protection and agriculture

 

Die Welt blickt nach Addis Abeba: Vom 13. bis 16. Juli 2015 findet dort die 3. Internationale Konferenz für Entwicklungsfinanzierung (Third International Conference on Financing for Development) statt.

 

Im Vorfeld haben die FAO, der IFAD (International Fund for Agriculture) und das WFP (World Food Programme) einen Bericht veröffentlicht mit Kalkulationen über notwendige Investitionen, um die Zero Hunger Challenge zu bewältigen. Um bis 2030 den weltweiten Hunger und die Mangelernährung effektiv zu bekämpfen, kann nicht auf dem bestehenden Level weitergearbeitet werden. Es bedarf gezielter, nachhaltiger Investitionen. Notwendig sind dazu jährlich 267 Milliarden US$ bis 2030. Zusammengerechnet entspricht dies dem BIP von Berlin und Rom.

 

Dazu ein Kommentar von Oxfam:

"Wenn Regierungen weiter machen so wie bisher, werden im Jahr 2030 noch 650 Millionen Menschen unter Hunger leiden. Jedes untätige Jahr erhöht die Kosten und verlängert das Leid von Hunderten von Millionen Menschen. Die Bundesregierung muss bei der "Financing for Development" Konferenz in Addis Abeba sicherstellen, dass der Schwerpunkt auf den dringend erforderlichen öffentlichen Investitionen gelegt wird, um die Lebenssituation der Ärmsten zu verbessern. Das Ansinnen vom BMZ, einen stärkeren Fokus auf private Investitionen zu legen, ist sehr besorgniserregend. Private Investitionen führen häufig nicht zu guten Ergebnissen."

 

Die vollständige Studie Achieving Zero Hunger als PDF (bitte einen Moment Geduld, bis die Datei geladen ist) oder hier.

 

IWE Berlin, 14.07.2015

 

FAO: Climate Change and Food Systems

Global assessments and implications for food security and trade

 

Während die letzten Verdränger kaum noch der Tatsache trotzen können, dass sich das Klima verändert, werten andere die längst sichtbaren Daten zu den Folgen aus: 

 

Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) publiziert nun ein Buch, indem sich Studien zum Zusammenhang von Klimawandel und (zukünftiger) Ernährung versammeln.

 

Forschungsergebnisse aus zwei Jahrzehnten veranschaulichen die Auswirkungen des Klimawandels auf Ernährung und Landwirtschaft sowohl auf globaler als auch auf regionaler Ebene. Es wird aufgezeigt, welche Folgen die Erderwärmung hinsichtlich Lebensmittelproduktion, Ernährungssicherung, Nährstoffversorgung und Gesundheit, Wasserknappheit und Klimaadaption hat.


Auch die Implikationen für den weltweiten Lebensmittelmarkt werden herausgearbeitet.

 

Die Analysen und Auswertungen geben nicht nur einen verständlichen Überblick über komplexe Zusammenhänge, sondern liefern zudem konkrete Vorschläge politischen Handelns.

 

 

IWE Berlin, 19.06.2015

 

Christian Hiß: Richtig rechnen!

Durch die Reform der Finanzbuchhaltung zur ökologisch-ökonomischen Wende

 

In seinem neuen Buch Richtig rechnen! zeigt Christian Hiß auf, dass unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem einem betriebswirtschaftlichen Irrtum erliegt, wenn es Teile des Gesamtvermögens aller Werte – also auch Naturräume, Ressourcen, Nachhaltigkeit – vernachlässigt und allein unmittelbare Geldwerte kalkuliert.

 

Die ökonomische Wirklichkeit wird damit unvollständig abgebildet, Sozial- und Naturkapital nicht berücksichtigt. Der Rechenfehler wird zu einem erheblichen Risiko für ein zukunftsfähiges Wirtschaften.

 

Ein Buch, das also auch zeigt, dass die Einberechnung sozialer und ökologischer Faktoren kein Luxus sondern neben politischer auch kapitale Notwendigkeit ist.

 

 

IWE Berlin, 15.06.2015

 

Broschüre: Nachhaltige Ernährung - Was unser Essen mit Klimaschutz und Welternährung zu tun hat

Gemeinsam mit den Ernährungswissenschaftlern Dr. Karl von Koerber (München) und Dr. Markus Keller (Gießen) hat die rheinland-pfälzische Umwelt- und Ernährungsministerin Ulrike Höfken eine Broschüre zur nachhaltigen Ernährung entwickelt und kostenlos zur Verfügung gestellt. 

 

„Was wir täglich essen, wirkt sich nicht nur auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden aus, sondern auch auf die Umwelt, das Klima und die Welternährung“, so Höfken: „Dass  jeder Einzelne durch sein Ernährungsverhalten zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Überwindung des Hungers auf der Erde beitragen kann, zeigt die neue Broschüre. Gleichzeitig schafft sie ein wissenschaftliches Fundament für unsere Ernährungspolitik und belegt, dass wir mit der Initiative ‚Rheinland-Pfalz isst besser‘ für mehr Ernährungsbildung im Land auf dem richtigen Weg sind.“

 

Die anschauliche Broschüre mit vielen Hintergrundinformationen, aber auch praktischen Tipps gibt es hier:

 

 

IWE Berlin, 15.05.2015

 

BMEL-Gutachten: Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung

Nach dreijähriger Arbeit hat der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sein Gutachten: "Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung"  vorgestellt.

Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtungen steht die Frage, wie die Nutztierhaltung in Deutschland weiterentwickelt werden kann. Die Mehrkosten für tiergerechte Haltung würden ein Plus  drei bis sechs Prozent auf die Verbraucherpreise bedeuten, stellt Harald Grethe, der Vorsitzender des Beirats fest.

 

 

IWE Berlin, 31.3.2015

 

Tanja Busse: DIE WEGWERFKUH

Sie nennen es Effizienz – doch in Wahrheit ist es ein System gigantischer Verschwendung: Die deutsche Landwirtschaft produziert immer mehr Milch, Fleisch und Eier in immer kürzerer Zeit. Die Effizienz scheint ihr bestes Argument zu sein. Nur mit den Methoden der Agrarindustrie könne man neun Milliarden Menschen ernähren, behaupten deren Anhänger.

Doch diese Hochleistungslandwirtschaft ist eine Verschwendungs- und Vernichtungslandwirtschaft . Sie erzeugt Milchkühe, die – bei einer natürlichen Lebenserwartung von zwanzig Jahren – schon nach drei Jahren im Melkstand geschlachtet werden. Sie werden zu einer so hohen Milchproduktion getrieben, dass sie krank und unfruchtbar werden.

Gleichzeitig können die meisten Bauern nicht mehr autonom handeln, weil sie abhängig und hoch verschuldet sind. In der Geflügelmast verkaufen wenige große Konzerne Küken, Futter und Medikamente an die Landwirte und nehmen ihnen nach der Mast die schlachtreifen Hühner ab. Die Preise bestimmen die Unternehmen – die Stallkosten und das Risiko für die Aufzucht tragen die Bauern, die sich trotzdem der Logik der Industrie beugen.

In ihrem neuen Buch Die Wegwerfkuh belässt Tanja Busse es nicht bei der schonungslosen Kritik der Missstände und Abhängigkeiten, sondern zeigt auch Wege zu einer nachhaltigen Landwirtschaft auf.

 

Was essen 10 Milliarden?

Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf fast zehn Milliarden Menschen anwachsen. Um sie zu ernähren, müssen wir 70 Prozent mehr Lebensmittel produzieren, prophezeien die Agrarkonzerne. Und das gehe nur mit mehr Chemie, mit Gentechnik und Massentierhaltung. Aber ist das wirklich der einzig gangbare Weg?


Journalist Stefan Kreutzberger und Filmemacher Valentin Thurn begeben sich auf eine weltweite Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für eine Nahrungsmittelproduktion, die Mensch und Tier respektiert und die knappen Ressourcen schont. Sie besuchen Visionäre aus den zwei gegnerischen Lagern der industriellen und der bäuerlichen Landwirtschaft, treffen Biobauern und Nahrungsmittelspekulanten, besuchen urbane Gärten und Industrieschlachthöfe, Insekten- und Genlachsfarmen. Die Geschichten, die hinter unseren Lebensmitteln stehen und die die Autoren auch in einem Film präsentieren, sind oft so unfassbar, dass man den Glauben an das Gute im Menschen verlieren möchte – doch die Fülle an Gegenvorschlägen zeigt deutlich: Wir haben einen enormen Handlungsspielraum, wir können etwas verändern. Wenn wir es wollen.

 

Das Buch "Harte Kost" von Valentin Thurn und Stefan Kreutzberger erscheint im Verlag Ludwig.
Es ist das Buch zum Film "10 Milliarden" (Kinostart Frühjahr 2015).
Parallel dazu geht das Portal für regionale Lebensmittel online: TasteOfHeimat.de

 

 

IWE, Berlin 01.12.2014

 

Suffizienz als politische Praxis. Ein Katalog

von Manfred Linz

 

Die hier vorgelegte Arbeit begibt sich auf ein noch selten bestelltes, eher gemiedenes Feld: die politische Verwirklichung der Suffizienz. Dieses Ausweichen hat Gründe. Für Nachhaltigkeit sind alle. Fast alle erwarten aber auch, dieses Ziel lasse sich mit innovativen Techniken und erneuerbaren Energien erreichen, ohne dass die Bewohner der hoch entwickelten Länder ihr Leben und Wirtschaften verändern müssen. Dieser Erwartung wird hier widersprochen.Suffizienz, also ein sparsamer Gebrauch von Energie, Rohstoffen und Fläche, wird sich nur als eine verpflichtende Politik durchsetzen.
 
Manfred Linz hat in dem neuen Wuppertal Spezial einen Katalog von 30 Suffizienzpolitiken zusammengestellt, der nicht nach Sachgebieten aufgebaut ist, sondern nach Eingriffstiefe und vermutlicher Akzeptanz der Maßnahmen. Mit einer Einführung versehen, sind die Beispiele in einem 56-seitigen Band zusammengefasst, der als Wuppertal Spezial 49 zum kostenfreien Download auf dem Publikationsserver des Wuppertal Instituts zur Verfügung steht. 

 

IPCC-Report 2014: A Quarter of Net GHG

The AFOLU sector accounts for about a quarter of net anthropogenic GHG emissions mainly from deforestation, agricultural emissions from soil and nutrient management and livestock.

 

Most recent estimates indicate a decline in AFOLU CO fluxes, largely due to decreasing deforestation rates and increased afforestation. However, the uncertainty in historical net AFOLU emissions is larger than for other sectors, and additional uncertainties in projected baseline net AFOLU emissions exist.

 

Nonetheless, in the future, net annual baseline CO emissions from AFOLU are projected to decline, with net emissions potentially less than half the 2010 level by 2050 and the possibility of the AFOLU sectors becoming a net CO sink before the end of century of net anthropogenic GHG emissions mainly from deforestation, agricultural emissions from so rom soil and nutrient management and livestock.

 

Global Climate Risk Index 2015

Who suffers most from extreme weather events? Weather-related loss events in 2013 and 1994 to 2013

The Global Climate Risk Index 2015 analyses to what extent countries have been affected by the impacts of weather-related loss events (storms, floods, heat waves etc.). The most recent data available – from 2013 and 1994–2013 – were taken into account. The countries affected most in 2013 were the Philippines, Cambodia and India. For the period from 1994 to 2013 Honduras, Myanmar and Haiti rank highest.

 

This year's 10th edition of the analysis reconfirms that, according to the Climate Risk Index, less developed countries are generally more affected than industrialised countries.

 

Regarding future climate change, the Climate Risk Index may serve as a red flag for already existing vulnerability that may further increase in regions where extreme events will become more frequent or more severe due to climate change. While some vulnerable developing countries are frequently hit by extreme events, there are also some others where such disasters are a rare occurrence.


Lima is a stepping-stone in the preparation of the Paris Agreement. It will provide the framing for the pivotal Paris Conference in 2015, and it will have to issue decisive guidance – national and international for the Paris preparation. Furthermore, in Lima countries must make concrete decisions to advance the implementation of National Adaptation Plans, and to develop the work plan for the Warsaw International Mechanism to support countries in addressing climatic loss and damage.

 

Palmöl – „Treibhausgasbombe“

Aus WiWo Green vom 04.11.2014

"Wer Auto fährt, kennt die Debatte um E10, jenen Kraftstoff, der bis zu 10 Prozent Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen enthält, und der bei älteren Motoren zu technischen Problemen führen kann. Für E10 gibt es deshalb extra Zapfsäulen.

 

Während Bioethanol meist aus stärkehaltigen Pflanzen wie Mais und Zuckerrohr erzeugt wird, stellen die Unternehmen Biodiesel aus ölhaltigen Früchten her, in Deutschland aus Raps, weltweit hauptsächlich aus Palmöl.

 

Die wachsende Nachfrage hat insbesondere in Südostasien zu einer massiven Ausdehnung von Ölpalmplantagen geführt. Für die Plantagen roden die Unternehmen häufig tropischen Regenwald, ein Viertel dieser Flächen muss trockengelegt werden, wodurch die Torfböden plötzlich durchlüften und Mikroben sie abbauen.

 

Durch das Verbrennen der Vegetation und die Mobilisierung des Kohlenstoffs aus den Torfböden verursacht der aus dem Palmöl gewonnene Biodiesel bis zu zwanzigmal mehr Treibhausgasemissionen als sein konventionelles Pendant. Dadurch genügt es, wenn nur Bruchteile solcher Fraktionen in die Tanklastzüge für Biodiesel gelangen, um die ganze Charge indirekt zur „Treibhausgasbombe“ zu machen."
 
Autor: Stefan Bringezu leitet die Forschungsgruppe Stoffströme und Ressourcenmanagement am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Seit 2011 ist er außerdem Professor für Nachhaltiges Ressourcenmanagement beim Center for Environmental Systems Research (CESR) an der Universität Kassel.

 

The Real Story of Palm Oil

From rainforest to your cupboard: the real story of palm oil - interactive
 
"The story of palm oil starts in the rainforest, home to more than half of the world's estimated 10m species of plants, animals and insects and seen as a potential source of cures for a range of diseases.

 

Known as the ‘lungs of the planet’, rainforests recycle carbon dioxide into oxygen. They also store water, prevent soil erosion and protect biodiversity. But they're under serious threat."
 
IWE: Great interactive story, absolutely recomendable!

 

Hungry for Land

GRAIN Report draw six major conclusions:

 

  1. The vast majority of farms in the world today are small and getting smaller.
  2. Small farms are currently squeezed onto less than a quarter of the world's farmland.
  3. We are fast losing farms and farmers in many places, while big farms are getting bigger.
  4. Small farms continue to be the major food producers in the world.
  5. Small farms are overall more productive than big farms.
  6. Most small farmers are women.


Many of these conclusions might seem obvious, but two things shocked us.
One was to see the extent of land concentration today, a problem that agrarian reform programmes of the 20th century were supposed to have solved. What we see happening in many countries right now is a kind of reverse agrarian reform, whether it's through corporate land grabbing in Africa, the recent agribusiness-driven coup d'état in Paraguay, the massive expansion of soybean plantations in Latin America, the opening up of Burma to foreign investors, or the extension of the European Union and its agricultural model eastward. In all of these processes, control over land is being usurped from small producers and their families, with elites and corporate powers pushing people onto smaller and smaller land holdings, or off the land entirely into camps or cities.


The other shock was to learn that, today, small farms have less than a quarter of the world's agricultural land – or less than a fifth if one excludes China and India from the calculation. Such farms are getting smaller all the time, and if this trend persists they might not be able to continue to feed the world.

 

Speiseräume: Die Ernährungswende beginnt in der Stadt

Die Ernährungswende beginnt in der Stadt. Buch von Philipp Stierand

“Die Berliner verzehren in der Woche geschätzte 34 000 Tonnen feste Nahrungsmittel, im Ruhrgebiet sind es 49 000 Tonnen. Bildlich kaum vorstellbare Mengen – man fragt sich, wo kommt das alles her und wie kommt es in die Stadt? Und man fragt sich, wieso wir es für so selbstverständlich halten, dass es da ist: Alles – quasi 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Stadt macht sich keine Gedanken über ihre Ernährung. Doch egal ob Metropole oder Kleinstadt, jede Stadt hängt in ihrem Bestehen von Lebensmittel, den Produkten der Landwirtschaft ab. Welche Probleme das erzeugt, welche Chancen das hat und wie wir es für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt einsetzen können, davon soll dieses Buch berichten.”

 

The Food Crisis Implications for Labor

From the introduction: The Neglected Labour Dimension

 

In recent years, food prices have gone up to prohibitive levels for many of the world’s poor. They have remained high and volatile (World Bank 2012).

 

While many poor city dwellers have had to switch their diets to include only very basic foods, the vast majority of those who are hungry in the world today (over half a billion) are working in agriculture, either as small landholders or as waged agricultural workers (UN 2008).

 

Increased food prices may in principle provide an opportunity for agricultural labour; the majority of the food producers, however, seem not to have benefited from rising prices (FAO 2012). Apparently, the bargaining power of many producers, just as that of the end consumers, has been weakened vis-à-vis the buyers and retailers of agricultural produce (De Schutter 2009). In other words, workers as producers and consumers suffer from high food prices.

 

While the world’s overall food production could feed every human being on earth (FAO 2009), the harsh reality is that because of power asymmetries, hundreds of millions of people suffer from hunger and many die of it. As a number of contributions to this book will show, this powerlessness may not only be in the face of agribusiness but also of governments that fail to provide an appropriate infrastructure for smallholders and social protection for the poor among citizens.

 

Christoph Scherrer, Debdulal Saha (Eds.): The Food Crisis Implications for Labor, München, Mering 2013 (Rainer Hampp Verlag)

 

 

Neue Broschüre zum Weltagrarbericht

„Weiter wie bisher ist keine Option“ – Was ist aus diesem Weckruf des Weltagrarberichts geworden?

 

Die überarbeitete Neuauflage der Broschüre „Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen" berücksichtigt neue Fakten, Zahlen, Veröffentlichungen und Diskussionen zu Hunger und Übergewicht, Fleischverbrauch und Agrarsprit, Landgrabbing und Lebensmittelspekulation, Bodenfruchtbarkeit, Saatgutvielfalt, Gentechnik und vielen weiteren Themen sowie ein Gespräch mit dem Co-Präsidenten des Weltagrarberichts und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans Herren.

 

Dazwischen gestreute Leuchttürme berichten von Beispielen aus der Praxis. Die Broschüre steht hier zum Download bereit oder kann bestellt werden. Wir wünschen eine angeregte Lektüre der 52 Seiten.

 

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

GLS Bank

IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

Ihre Spende kann steuerlich geltend gemacht werden

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Klimawandel ist die Sache der anderen? Falsch: Er wird uns schneller erreichen, als uns lieb ist und er trifft uns in unserer Komfortzone.  Die Saatgut-Monopole der Welt-Landwirtschaft haben auf die falschen Pflanzen gesetzt. Ihre Hochleistung lässt sich nicht durchhalten. Der Klimawandel zeigt der industriellen Landwirtschaft ihre Grenzen auf.

Wie Suffizienzpolitiken gelingen - eine Handreichung von Manfred Linz
Wuppertal Spezial Nr 52, Wuppertal Institut

Regional, innovativ und gesund

Nachhaltige Ernährung als Teil der Großen Transformation

Steven Engler, Oliver Stengel, Wilfried Bommert (Hg.)

1. Auflage 2016
Vandenhoeck & Ruprecht

 

 

 

 

 

 

 

Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt

Vorreiter einer globalen Ernährungswende - Ein Projekt des IWE

Forschung für die Ernährungwende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?
Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-wissenschaften im 21. Jahrhundert?

Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden?
 
Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

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