Urbanes Zentrum Berlin

Ernährungsdemokratie jetzt! Erster Kongress zur Vernetzung der Ernährungsräte

10.-12. November 2017 in der Alten Lohnhalle, Essen

 

Quelle: Taste of Heimat e.V.

Aus der Ankündigung:

"Die bestehenden Ernährungssysteme sind kein Naturgesetz – wir können sie  ändern! In lokalen Ernährungsräten oder ähnlichen Initiativen können wir mitbestimmen, wie unser Essen produziert, verteilt und verwertet wird, und wir können auch die Ernährungspolitik aktiv beeinflussen.

 

Die ersten beiden Ernährungsräte im deutschsprachigen Raum sind 2016 in Köln und Berlin entstanden. In vielen weiteren Städten und Regionen im deutschsprachigen Raum gibt es Pläne für ähnliche Initiativen. Wir wollen uns gegenseitig inspirieren und voneinander lernen.

 

Als Auftakt für ein dauerhaft tragfähiges Lern- und Aktionsnetzwerk soll das Wochenende uns dabei unterstützen, selbständig Ernährungsräte zu gründen und weiter zu entwickeln. Lasst uns jetzt gemeinsam beginnen mit dem nötigen Wandel – denn Ernährungsdemokratie geht uns alle an!"

 

Das komplette Programm findet ihr demnächst hier, wer sich jetzt schon anmelden möchte, schreibt an anmeldung@tasteofheimat.de

 

Berlin könnte sich zu Dreiviertel aus der Region ernähren

Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

 

Luise V./Flickr

"Die zukünftige Welternährungssicherung wird häufig im Hinblick auf Bevölkerungswachstum und Klimawandel diskutiert. Dabei gelten die Länder des „Globalen Südens“ als besonders vulnerabel. Ernährungssicherheit ist jedoch auch für den „Globalen Norden“ aufgrund der zunehmenden Bevölkerungskonzentration in Städten von besonderer Aktualität.

 

Dabei steht nicht Nahrungsknappheit, sondern die „Delokalisation“ von Produktion und Ernährung im Vordergrund, die die Stadt stark von externen Faktoren abhängig macht. Vor diesem Hintergrund wurden in einer Flächenbilanzierung nach ISO 14040/44 die Flächen bilanziert, die die Stadt Berlin unter heutigen Ernährungsgewohnheiten verbraucht, diese regionalen Flächenkapazitäten (hier: Brandenburg) gegenübergestellt und Handlungsoptionen zur Verringerung des Flächenbedarfs untersucht. Von den benötigten Flächen liegen 28 % im Ausland. Diese Importe werden von Berlin-Brandenburg derzeit nicht durch entsprechende Exporte (gemessen an virtueller Fläche) ausgeglichen.

 

Zudem überschreitet die zu Ernährungszwecken beanspruchte Fläche pro Person deutlich das sozial-ökologisch verträgliche Niveau. Daraus ergeben sich Fragen nach der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) des städtischen Ernährungssystems und nach den regionalen Versorgungsmöglichkeiten. Dabei zeigt sich, dass neben einer Änderung der Konsummuster, die auch mit einem hohen Anteil an vermeidbaren Lebensmittelverlusten einhergehen, auch ein Umdenken in der inländischen (regionalen) Produktion nötig wäre, um die Selbstversorgungskapazität Berlins zu erhöhen." (Zusammenfassung)

 

Die Studie finden Sie hier. Zum Artikel "Regional essen: Funktioniert das?" von natur.de geht es hier.

 

IWE Berlin, 21.02.2017

 

Berlin nachhaltig und regional ernähren

Ernährungsrat Berlin trifft rot-rot-grünen Senat

 

Im August Bebel Haus im Berliner Wedding traf sich Ende Januar 2017 die Berliner Zivilbevölkerung mit dem rot-rot-grünen Senat. Auf der Tagesordnung stand die Zukunft der Stadternährung: Wie und woher wird sich Berlin im 21. Jahrhundert ernähren?


Wortführer auf der Bürgerseite war der Berliner Ernährungsrat mit Udo Tremmel. Ihm gegenüber Margit Gottstein, die frisch gebackene Staatssekretärin für Verbraucherschutz im neuen Senat, auch Sachverwalterin für Ernährung und Landwirtschaft. Sie hielt nicht lange damit hinter dem Berg, dass sie die Initiative der Zivilbevölkerung für eine nachhaltige Ernährung Berlins mit Sympathie begleitet.

 

Als Arbeiterkind mit Lebenserfahrung im Kleinbauernmilieu liegt ihr vor allem eins am Herzen: Dass beim Umbau des Berliner Ernährungssystems gerade für die „kleinen Leute“, besseres, gesünderes und vor allem preiswertes Essen herausspringt. Und, dass die mehr als 75 Prozent der Berliner, die sich nach den Erhebungen des Demoskopen aus der Region ernähren möchten, nicht enttäuscht werden.


Aber sie machte auch keinen Hehl daraus, dass bis dahin ein steiniger Weg vor ihr liegt. Der dickste Brocken ist der Nachbar Brandenburg. Das Land schwebt weiter auf der Wolke industrieller und globalisierter Landwirtschaft, Großmastanlagen und Export, auch wenn die Bevölkerung sich im Vorjahr mit 100.000 Unterschriften gegen diesen Weg ausgesprochen hat. Mit diesem Nachbarn über die Ernährung der Berliner Bevölkerung zu sprechen, über regionale Kreisläufe, über Bio und Fair, wird kein Spaziergang für die Neue im Amt und für die Zivilbevölkerung eine Abenteuertour.


Aber sie will das Projekt angehen, noch vor der Mitte der Legislatur soll das Eis zwischen Berlin und Potsdam gebrochen sein. In der zweiten Hälfte ihrer Regierung will Margit Gottstein dann Ergebnisse präsentieren. Das will sie nicht im Alleingang meistern  sondern mit der Zivilgesellschaft Berlins, mit dem Ernährungsrat. Denn der hat es schließlich, auch zu ihrer Überraschung, politisch schon weit gebracht – bis in den Koalitionsvertrag von Rot-Rot-Grün. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie die Ernährungslandschaft Berlins mit den Bürgern auf ein neues Fundament stellen will: Regional, transparent, wahlfrei, bio. Und sie sagt es ohne zu zögern: Die Vision des Berliner Ernährungsrates, die Stadt wieder aus der Region zu ernähren, wird dabei eine wichtige Rolle spielen.


Die Zukunft des Essens der Berliner scheint nach diesem Treffen eine feste Ansprechpartnerin im neuen Senat gefunden zuhaben. Der Ernährungsrat Berlin ist zum Partner einer neuen Ernährungspolitik geworden. Gelungene Anbahnung einer politischen Ehe. Die Stimmung im August Bebel Haus im Berliner Wedding versprach am Abend des 26. Januars viel. Wie sich die Hoffnungen nun in regionale Politik ummünzen lassen, muss der Alltag zeigen. Vorschusslorbeeren gab es schon, aber mit Berliner Understatement. „Hätte schlechter kommen können“, so das Resümee einer Teilnehmerin.
 

IWE Berlin, 09.02.2017

 

Ernährungsrat Berlin schafft den Sprung ins Politische

Wie viel zukunftsfähige urbane Ernährungspolitik steht in Berlin zur Wahl ?

 

Christian Kadluba/Flickr

Selbstverständlich ist das nicht, dass Vertreter von allen vier Parteien im Berliner Stadtrat gemeinsam auf einer Euro-Palette Platz nehmen um sich auf den Zahn fühlen lassen. Doch am vergangenen Freitagnachmittag hat es geklappt. In der Markthalle Neun in Berlin fand die erste ernährungspolitische Fühlungnahme der Zivilgesellschaft mit den Parteien Berlins statt.

 

Gekommen waren Turgut Altug (Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Natur- und Verbraucherschutz), Sabine Toepfer-Kataw (CDU, Staatssekretärin für Verbraucherschutz), Marion Platta (Die Linke, Sprecherin für Umwelt), Irene Köhne (SPD, Sprecherin für Verbraucherschutz) und für den Ernährungsrat Berlin Christine Pohl.


Die Frage war: Schafft das Thema Ernährung den Sprung in die Berliner Lokalpolitik? Werden die Parteien nach den Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September 2016 der Ernährung aus der Region Priorität einräumen? Das Fazit von zwei Stunden intensiver Befragung durch den Ernährungsrat Berlin lautet: Im Prinzip ja, aber...

Der Ernährungsrat Berlin ist mehr als nur die zivilgesellschaftliche Antwort auf den Rat für gutes Essen. Er ist – in eigenen Worten – ein breites Bündnis von BürgerInnen, dessen Ziel es ist, den zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in der Region aktiv voranzutreibe. Es bildet eine Plattform aller lokal und regional tätigen Akteure dieses angestrebten Wandels und dient beteiligten VerbraucherInnen, bäuerlichen ErzeugerInnen, StadtgärtnerInnen, LebensmittelretterInnen, VertreterInnen der lokalen Lebensmittelwirtschaft und Gastronomie, WissenschaftlerInnen, VertreterInnen von Verbänden, Vereinen und Bildungseinrichtungen u. a. m. zur Entwicklung gemeinsamer Ziele und Strategien und deren Umsetzung in politischen Aktivitäten und Aktionen.


Der Ernährungsrat versteht Ernährungssouveränität als Grundlage für ein gerechtes, zukunftsfähiges Ernährungssystem und engagiert sich für regionale Landwirtschaft, Umweltschutz, Vielfalt auf allen Ebenen (also um die natürliche Biodiversität ebenso wie um Berlins vielfältige Esskulturen) sowie für faire Marktstrukturen und vieles mehr.

 

Am 22. April 2016 hat sich der Ernährungsrat Berlin offiziell und feierlich gegründet und zu diesem Anlass über Gegenwart und Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft in der Region diskutiert und den SprecherInnenkreis des Ernährungsrats Berlin gewählt. 

 

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Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

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