Pressemitteilungen

Es geht voran – gemeinsam stark!

Bericht über die Veranstaltung "München auf dem Weg zur Ernährungswende"

 

v.l.: Maurice Attenberger (Regionalleiter GLS Bank München), Valentin Thurn (Ernährungsrat Köln), Anja Salewski (Moderation), Jürgen Müller (Kartoffelkombinat e.V.), Michael Böhm (Ecozept), Angela Hartmann (Kinderleicht e.V.), Agnes Streber (Projektleitun

„Wo steht München auf dem Weg zur Ernährungswende? Darüber diskutierten rund 80 Teilnehmer/innen, darunter Vertreter/innen von über 20 lokalen Umwelt- und Ernährungsinitiativen bei der Veranstaltung „Lokal statt  global- gutes Essen als lokale Politik“, zu der das Institut für Welternährung (IWE) am Donnerstag (30.03.2017) in München in die Räume der GLS-Bank geladen hatte.

 

Vorräte für maximal drei Tage
Dass eine Ernährungswende unumgänglich sei, daran ließ der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert keinen Zweifel. Großstädte wie München besitzen kaum Ernährungssicherheit, ihre Vorräte reichen für maximal drei Tage. Hinzu kommt der Klimawandel, die Vernichtung von Boden, das Schrumpfen der Grundwasservorräte durch industrielle Landwirtschaft und weite Transporte der globalen Nahrungskette. Sein Fazit: „Unsere Ernährung ist nicht mehr sicher. Neue Ernährungskonzepte müssen her. Die Ernährung wird sich in Zukunft aus der Region speisen, bio und fair.“

 

München aus der Region ernähren – das wäre möglich
Dem stimmte auch der Michael Böhm von Ecozept zu. Der Agrarmarktforscher hat schon mal berechnet, wie viel Fläche es bedarf, um die Bevölkerung von München aus der Region zu ernähren: genau 342.600 Hektar, das entspräche der 12fachen Fläche des Münchener Stadtgebiets. Zur Zeit gehen allerdings durch Bebauung ca. 13 ha pro Tag verloren.  Dies müsse sich ändern. Die Voraussetzungen für ein regionales Ernährungskonzept stünden in München gar nicht so schlecht, befand Jürgen Müller vom Münchener Verein Kartoffelkombinat e.V. Schließlich habe die „Biostadt“ München schon einiges auf den Weg gebracht, etwa die weitgehende Umstellung  auf Bio in Kitas und städtischen Kantinen. Doch die bisherigen Bemühungen der Verwaltung allein reichen nicht aus. Erforderlich sei eine „Weitung der Perspektive“. Voraussetzung dafür sei ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis.


Einfluss auf lokale Politik verstärken
Tatsächlich gibt es in München bereits eine Vielzahl von Initiativen und Bündnissen in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit. Dies zeigte auch der Blick auf die Teilnehmer der Konferenz. Die Liste reichte von Uschi Glas mit ihrer Initiative brotZeit e.V. über Tollwood, Veranstalter des Tollwoodfestivals und Slowfood München bis zu Green City e.V. und der Schweisfurth Stiftung. Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, ihre Schwäche allerdings der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation. Doch genau darum gehe es, erklärte Jürgen Müller. Für ihn ist klar: Zur Bündelung der Kräfte braucht München einen „kommunalen Ernährungsrat“.

 

„Transmissionsriemen zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft“
Wie das konkret aussehen kann, erläuterte der Filmemacher Valentin Thurn, Mitbegründer des Kölner Ernährungsrates, der zeitgleich mit Berlin im Frühjahr 2016 als erster Ernährungsrat bundesweit ins Leben gerufen wurde. Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils setzen sich darin engagierte Bürger, Verwaltung und Politik zusammen, um gemeinsam ein „regionales Ernährungskonzept“ auf die Beine zu stellen.

 

Viele Stellschrauben in der lokalen Politik
Stellschrauben dafür gibt viele - auch in München, wie die anschließende Diskussion zeigte:  Das beginnt bei der Ernährung in Kitas, Schulen und öffentlichen Kantinen, geht weiter über Ernährungsbildung und Stadtplanung, z.B. die Ausweisung landwirtschaftlicher Flächen zugunsten eines ökologischen Anbaus und artgerechter Tierhaltung, bis hin zum Aufbau und Förderung von Stadt-Landpartnerschaften und regionalen Vermarktungsinitiativen.

 

Alle unter einen Hut
Alle Einzelinteressen zu bündeln ist nicht einfach, aber machbar, wie die Beispiele von Köln und Berlin zeigen. Auch die Münchener machen sich nun auf den Weg.  Auf der Agenda steht als nächstes die Gründung einer Lenkungsgruppe, die weitere Schritte in Richtung Ernährungsrat und Ernährungswende für München planen soll.

 

Weitere Presseinformationen, darunter ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München zur Frage, warum die Biostadt München einen Ernährungsrat braucht, finden Sie in der unten stehenden Pressemitteilung "München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global - Gutes Essen als lokale Politik!"

 

IWE Berlin, 4.04.2017

 

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

 

München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global - Gutes Essen als lokale Politik!

Veranstaltung am 30. März 2017, 15 - 18 Uhr, GLS Bank Filiale München

Veranstaltung: München auf dem Weg zur Ernährungswende: Lokal statt Global - Gutes Essen als lokale Politik!


Wann: Donnerstag, 30.03.2017, 15 Uhr bis 18 Uhr

 

Wo: GLS Bank Filiale München, Bruderstr. 5a, 80538 München

 

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Berlin, Brüssel oder anderswo gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Das soll sich in Zukunft ändern. Der Trend zu Regional, Bio und Fair ist unübersehbar, vor allem in der “Biostadt“ München. Auch in der Bürgergesellschaft gibt es schon viele Initiativen, die sich eine nachhaltige Versorgung auf die Fahnen geschrieben haben. Doch eine gemeinsame Plattform gibt es noch nicht.


Die Vielfalt dieser Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können, das ist das Ziel des Projekts Ernährungswende, das vom Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt auf den Weg gebracht wurde.


- Was bedeutet für München eine Ernährungswende?
- Wer engagiert sich bereits für gutes Essen aus der Region?
- Wie kann ein zukunftsfähiges Ernährungskonzept für München aussehen?
- Wie lassen sich Brücken zwischen Bürgern und Politik schlagen?
- Braucht die „Biostadt“ München überhaupt einen Ernährungsrat?
- Wie kann ich mich persönlich einbringen?

 

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieser öffentlichen Veranstaltung, zu der Vertreter/innen von Verbänden, Handel, Landwirtschaft, Gastronomie, Politik und Forschung sowie alle an einer Ernährungswende Interessierten eingeladen sind.

 

Zu den Gästen zählt u.a. der Dokumentarfilmer („Taste the Waste“ und „10 Milliarden“) und Mitinitiator des Kölner Ernährungsrates Valentin Thurn, der über seine Erfahrungen berichten wird.  

 

Informationen zum genauen Programmablauf sowie das Anmeldeformular finden Sie nachstehend zum Download:

 

München auf dem Weg zur Ernährungswende - Programm & Anmeldung
München auf dem Weg zur Ernährungswend[...]
PDF-Dokument [281.1 KB]

Weitere Presse-Informationen - ein Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München, Hintergrundinformationen zum Projekt Ernährungswende sowie das IWE Metropolenprojekt Dossier - finden Sie nachstehend zum Download:

Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München
Interview mit Jürgen Müller vom Kartoffelkombinat e.V. München zur Frage, warum auch die Biostadt München einen Ernährungsrat braucht
Interview Jürgen Müller zu Ernährungs[...]
PDF-Dokument [377.2 KB]
Hintergrundinformationen zum Projekt Ernährungswende
Hintergrundinformationen Projekt Ernähr[...]
PDF-Dokument [169.7 KB]
IWE Metropolenprojekt Dossier
Potential-Analyse des IWE zum Projekt Ernährungswende in den Städten Berlin, München, Hamburg und Köln (2016).
Metropolen-Projekt- Dossier.pdf
PDF-Dokument [180.6 KB]

 

Die Teilnahme an der Veranstaltung "München auf dem Weg zur Ernährungswende" ist kostenfrei. Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung per Email an: ernaehrungswende@institut-fuer-welternaehung.org  

 

Kontakt:
Agnes Streber
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org
Telefon: 089716775030, Fax: 089716775031

 

Dieses Projekt wird gefördert durch das Umweltbundesamt und das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Die Mittelbereitstellung erfolgt auf Beschluss des Deutschen Bundestages.

Übergabe des "Memorandum" an Organisationen der Bundesregierung & der Deutschen Forschungsgemeinschaft

IWE Berlin, 23.01.2017


„Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ wird heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben
 
Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

 

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

 

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin.

 

Hier müssen die Weichen der Forschungsförderung neu gestellt werden, fordert das Memorandum, das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Naturfreunde Deutschland, Slow Food Deutschland und dem Institut für Welternährung - World Food Institute e.V. (IWE) getragen wird. Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen sei nur durch eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften zu gewährleisten.

 

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Hunger und Fluchtursachen bekämpfen will“, betont der Sprecher des Instituts für Welternährung - World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen.“
 
Das Memorandum wird neben der Bundesregierung auch der Deutschen Forschungsgemeinschaft und an die Bundesländer übergeben.

 

Memorandum-122016 .pdf
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Breites Bündnis der Zivilgesellschaft fordert Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung

Berlin, 15.12.2016

 

Forschungswende zur Sicherung der Welternährung
 
Sind die öffentlichen Gelder, die in die Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung investiert werden, richtig investiert? Sie könnten sich als Fehlinvestitionen mit schwer wiegenden Konsequenzen erweisen. Darauf weist ein Bündnis von fünf zivilgesellschaftlichen Organisationen hin. Gemeinsam legen sie heute in Berlin ein „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ vor. Getragen wird das Memorandum vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Institut für Welternährung - World Food Institute (IWE), Naturfreunde Deutschland und Slow Food Deutschland.
 
Das Memorandum stellt fest: „Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen erfordert eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften.“
 
Die Bundesregierung habe im Rahmen der Agenda 2030 gemeinsam mit der Staatengemeinschaft beschlossen, den Hunger auf der Welt bis 2030 zu beenden, eine gesunde  Ernährung der Weltbevölkerung zu gewährleisten und dies durch Förderung einer nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft zu unterstützen. Bisher jedoch fließe der weitaus größte Teil der Forschungsmittel immer noch in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie, die dieses Ziel nicht erreichen können, es vielmehr gefährden. Hier müssten die Weichen neu gestellt werden.
 
„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Fluchtursachen bekämpfen will“, betont Dr. Wilfried Bommert, Sprecher des Institut für Welternährung - World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen. Nur so ist Hunger als Fluchtursache zu überwinden.“
 
Die Initiatoren verstehen das Memorandum als einen Anstoß zur notwendigen Veränderung von Förderungszielen und Auswahlprozessen. Sie erklären sich bereit, die Umorientierung in Forschung und Lehre zur Sicherung der Welternährung zu unterstützen.

 

Memorandum-122016 .pdf
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IWE-Dossier:

Zerstört die Landwirtschaft

das Klima?

Berlin, 15.11.2016

 

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren - Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

 

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

 

„Es ist zwingend notwendig, die synthetische Düngung grundlegend zu überdenken und an ihre Stelle organische Quellen der Stickstoffversorgung zu setzen,“ erklärt Bommert, der auch Mitautor des Dossiers ist. „Aus Klimasicht empfiehlt sich bis 2050 eine Doppelstrategie: Zum einen Ausstieg aus der mineralischen Stickstoffdüngung und zum anderen der zügige Einstieg in eine flächendeckende agrarökologische Bewirtschaftung.“

 

Wenn die Landwirtschaft nicht stärker in die Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgase einbezogen wird, sieht das Institut für Welternährung die Ziele der Bundesregierung bei Klimaschutz und Welternährung in Gefahr, In einem Brief an die Bundeskanzlerin fordert das IWE von der Bundesregierung, den gegenwärtig favorisierten Weg einer vom synthetischen Stickstoff getriebenen Landwirtschaft zu verlassen und durch Gesetzgebung wie auch durch Forschungsförderung die Agrarökologie ins Zentrum ihrer Bemühungen zu rücken.

 

Berlin, Köln, München und Hamburg gehen voran beim

Projekt Ernährungswende:

 

Gutes Essen als lokale Politik

Berlin, 5.10.2016

 

Institut für Welternährung fordert kommunalen Masterplan für nachhaltige Ernährung
Umweltbundesamt fördert das außergewöhnliche bundesweite Projekt

 

Wer bestimmt eigentlich, was auf unsere Teller kommt? Bislang werden die Weichen dafür in Brüssel gestellt. Unter den Argusaugen globaler Konzerne und im Spannungsfeld der internationalen Agrarpolitik. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Die Frage, wie wir uns ernähren, woher unser Essen kommt und wie es erzeugt wird, soll künftig Bestandteil kommunaler Politik werden. Regionale Ernährungskreisläufe sollen den ökologischen Rucksack unserer Ernährung verringern und helfen, die Last an Klimagasen, die von Land- und Ernährungswirtschaft ausgehen, zu reduzieren. Das ist das Ziel des „Projektes Ernährungswende“, das das Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit dem Umweltbundesamt jetzt auf den Weg gebracht hat.
 
Bislang sind Lokalpolitiker hierzulande noch weit davon entfernt, sich Gedanken über die Ernährung ihrer Bürger zu machen. Es gibt regionale Bebauungspläne, Sozialpläne, Finanzpläne - regionale Ernährungspläne gibt es bislang noch nicht.
 
Dabei ist der Trend zu Regional, Bio und Fair unübersehbar. Immer mehr Menschen möchten wissen, woher ihr Essen kommt. Verbraucher beginnen, sich selbst zu organisieren. In den vergangenen Jahren sind so viele Initiativen entstanden. Urban-Gardening-Projekte zählen dazu, ebenso wie Lebensmittelretter, Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüsse, die Solidarische Landwirtschaft oder die Grünen Kisten.
 
„Die Stärke dieser Bewegung ist ihre Vielfalt, die Schwäche ihre Unübersichtlichkeit und der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation“, sagt Wilfried Bommert, Sprecher des IWE.
 
Doch genau das ist wichtig, wenn die Bewegung politische Durchschlagskraft entfalten soll. Ziel des Projektes ist es deshalb, „die Vielfalt der Initiativen sichtbar zu machen und regionale Netzwerke zu fördern, damit diese ihren Einfluss auf die lokale Politik verstärken können“. 
 
Wie das aussehen kann, haben die Städte Köln und Berlin schon vorgemacht. Hier gibt es seit Frühjahr 2016 die ersten „Kommunalen Ernährungsräte“ bundesweit.

 

Nach dem Vorbild der amerikanischen Food Policy Councils haben sich darin Vertreter aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik zusammengetan, um gemeinsam ein regionales Ernährungskonzept auf die Beine zu stellen. Ein solcher „Kommunaler Masterplan“ sichert nicht nur die urbane Ernährung, sondern trägt darüber hinaus auch zur Klimaentlastung bei.  
 
Tatsächlich gibt es viele kommunale Stellschrauben, wie eine nachhaltige Ernährung vor Ort gefördert werden kann. Das beginnt bei der Ernährung in Kitas und Schulen, geht über die Großküchen von Verwaltungen, Heimen, Krankenhäusern und Hochschulen, bis hin zum Abschluss von Lieferverträgen mit regionalen Landwirten. Dabei geht es auch um politisch höchst brisante Themen wie die Ausweisung von neuen Standorten für lokales Ernährungsgewerbe oder die kommunale Flächenplanung, in der in Zukunft neben lukrativen Wohn-  und Gewerbeimmobilien auch neue Anbauflächen für das Obst, Gemüse und Getreide ihren Platz finden sollen.
 
Im Rahmen des „Projektes Ernährungswende“ fördert und dokumentiert das Institut für Welternährung solche Bestrebungen in insgesamt vier Städten. Neben Köln und Berlin stehen Hamburg und München auf der Agenda. Für Projektleiterin Agnes Streber, Ernährungsinstitut KinderLeicht, haben diese Städte aufgrund ihrer Größe eine besondere Vorreiterfunktion. „Was hier auf die Beine gestellt wird, soll ausstrahlen auf andere Städte und Gemeinden. Nachhaltige Ernährung mithilfe regionaler Ernährungskonzepte in der lokalen Politik verankern, das ist unser erklärtes Ziel!“
 
Vorgestellt werden die Ergebnisse dann im Oktober 2017 anlässlich des Welternährungstages im Rahmen einer nationalen Tagung, auf der alle Stakeholder Gelegenheit haben werden, über ihre Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen.
 
Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und läuft bis Dezember 2017.
 
Kontakt:
Agnes Streber, Projektleitung 
Ernährungsinstitut KinderLeicht   
Pasinger Bahnhofsplatz 3
81241 München
Tel. 089 / 716 77 50 – 30
Email: agnes.streber@institut-fuer-welternaehrung.org

 

IWE fordert Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“

Ernährungsräte in Köln und bald auch Berlin

Die Zivilgesellschaft holt ihre Ernährung zurück in ihre Kommunen. Sie will lokale Ernährungskreisläufe statt globaler Rohstoffautobahnen. Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung, Berlin: „Die globalen Nahrungsketten bedeuten wachsende Abhängigkeiten und Risiken, weltweit. Klimawandel und internationale Konflikte gefährden zunehmend die Ernährungssicherheit.“

Große Städte wie Berlin und London verfügen heute nur über Nahrungsmittel-Reserven für 3 Tage. Deshalb sei der Aufbau einer lokalen Versorgungsstruktur in der Region, von so großer Bedeutung. 


Hier handele es sich um eine essentielle Vorsorgeaufgabe des Staates, so Bommert, die auch durch öffentliche Mittel gestützt werden müsse. Das IWE empfahl deshalb beim Kongress der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen „Stadt und Land – Hand in Hand“ ein Bundesprogramm „Regionale Ernährungskreisläufe“ einzurichten, in dem diese Mittel für die zivilgesellschaftlichen Initiativen zeitnah bereitgestellt werden.

 

IWE Berlin, 15.03.2016

 

Gefährdet Stickstoffdünger Klimawende?

IWE-Sprecher Wilfried Bommert: "Keine Klimawende ohne Agrarwende"

Mit dem Weltklimaabkommen von Paris bremst die Welt kurz vor dem Abgrund ab, jedenfalls auf dem Papier. Doch der Rohölpreis droht diesen Erfolg schon heute zu untergraben.

 

„Jeder Cent Preisnachlass beim Rohöl wirft uns beim Weltklima ein Stück zurück“ kommentiert Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. Berlin. Sinkende Rohölpreise setzen ein falsches Signal, insbesondere beim Turbo der industriellen Landwirtschaft, dem synthetischen Stickstoffdünger. 

 

Sein Preis und seine Existenz hängen direkt vom Rohöl ab. Für ein Kilo synthetischen Stickstoff muss die Energie von einem Liter Rohöl verbrannt werden. Doch seine Klimafolgen sind 300 Mal gefährlicher als die des Klimakillers CO2. 

 

Hier muss die Politik nach Paris nachsteuern. Die Schwemme am Ölmarkt sei politisch bestimmt und könne auch nur politisch eingedämmt werden, folgert das  Institut für Welternährung aus seinen Studien. Und fordert eine massive Klimaabgabe auf Stickstoffdünger. Dies in Ergänzung zu einer Stickstoffüberschussabgabe wie sie schon vom Sachverständigenrat für Umweltfragen in seinem Sondergutachten „STICKSTOFF: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem“ 2015 dringend empfohlen wurde. 

 

„Wer die Klimaverhandlungen von Paris Ernst nimmt, kommt an einer Einschränkung des künstlichen Stickstoffdüngers wohl nicht vorbei“, folgert Bommert und stellt fest, dass es eine Klimawende ohne Agrarwende nicht geben werde. 

 

Siehe auch Kommentar Wilfried Bommert hier (PDF) bzw. hier (html).

 

IWE Berlin, 14.12.2015

 

Bioökonomie schafft neue Fluchtursachen

IWE-Studie: Welternährung kann nicht nachhaltig durch Bioökonomie gesichert werden

Anlässlich des „Global Bioeconomy Summit“, der vom 24. bis 26. November unter der Schirmherrschaft der Bundesregierung in Berlin stattfindet, stellt das Institut für Welternährung – World Food Institute (IWE) die Versprechen und Folgen der Bioökonomie auf den Prüfstand. Die Studie, die mit Unterstützung der Schweisfurth-Stiftung erstellt wurde, trägt den Titel „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss: Bioökonomie leistet keinen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung. Im Gegenteil, sie droht weltweit den Kampf um biologische Rohstoffe und Ackerflächen anzutreiben, die Lebensmittelpreise zu erhöhen, und damit das Risiko von Hunger, Armut und Flucht zu vergrößern. 

 

Im Konzept der Bioökonomie wird die Natur, egal ob wild oder kultiviert, egal ob Getreide, Öl-, Eiweiß-, Faserpflanzen, Holz oder Zucker, zum Rohstofflager einer globalen Industrie erklärt. Biotechnologische Verfahren, von der Gentechnik bis zur synthetischen Biologie, mit deren Hilfe die Schöpfung neu programmiert werden soll, gehören zu ihren Werkzeugen. Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Mitautor der IWE Studie, sieht darin Hochrisikotechnologien ohne Rückfahrkarte. Und er stellt fest: „Die Wunderwaffen der Bioökonomie können nach hinten losgehen“.  


Hinzu kommt: Bioökonomie setzt auf Großtechnik. Auf Bioraffinerien, die nur von kapitalkräftigen Unternehmen betrieben werden können. Mittel- und Kleinbetriebe haben in dieser Wirtschaftsform keine Chance. Dies auch, weil Bioökonomie nur großflächig funktioniert. Als Folge zeichnet sich eine wachsende Konkurrenz um Land ab, wie heute schon in Afrika und Asien zu beobachten ist. Landgrabbing, das Aneignen von Bauernland durch Großkonzerne, ist in vielen Ländern Afrikas und Asiens bereits zerstörerische Praxis. Kleinbauern und Bäuerinnen, die mehr als zwei Drittel der Arbeitsplätze in Afrika stellen, werden verdrängt. Nach Schätzungen des IWE läuft das Modell der Bioökonomie darauf hinaus, dass in den kommenden Jahren mehrere 100 Millionen Kleinbauern in Afrika und Asien entwurzelt und in die Slums der großen Städte abgedrängt werden. 


Die Absicht, Bioökonomie weltweit zur industriellen Leitkultur zu machen, droht auch die Nahrungsmittelmärkte zu erfassen. Die Konkurrenz um Ackerland und damit die Konkurrenz zwischen Tank und Teller wird massive Preissteigerungen zur Folge haben. Zu fürchten ist, dass sich dieses Wirtschaftsmodell auf mittlere Sicht als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme nach Europa erweisen wird und nicht als Hilfe gegen Hunger und Armut, wie es selbst verspricht, warnt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung. Angesichts der Flucht von 100 Tausenden sei es höchste Zeit, die Versprechen der Bioökonomie und ihre Risiken erneut kritisch zu prüfen. Milliarden, die heute in die Förderung der Bioökonomie gesteckt werden, wären in der Entwicklung nachhaltiger Ernährungskonzepte besser angelegt, so die Studie, insbesondere, wenn es darum geht, Armut und Hunger als Fluchtursachen wirkungsvoll zu bekämpfen. 

 

Die Studie „Mit Bioökonomie die Welt ernähren?“ von Franz-Theo Gottwald und Joachim Budde wurde mit Unterstützung der Schweisfurth- Stiftung erstellt. 

 

 

IWE Berlin, 25.11.2015

 

Gefälscht und betrogen: Was, wenn das Prinzip Unverantwortung nicht nur für Autos gilt?

Was VW, Glyphosat und Co. gemeinsam haben. Ein Kommentar von Wilfried Bommert

Glyphosat bleibt weitere zehn Jahre auf dem Acker, die Entscheidung der Behörden ist vorerst gefallen. Doch die Diskussion um seine weitere Zulassung ist nicht beendet.

Wie aussagekräftig sind die Modelle, mit  denen die Risiken geprüft werden?

Wie wie praxisnah sind die Tests, die zum Freispruch des Wirkstoffs führen?

Der Skandal um VW wirft neue Fragen auf.

 

Über Jahre ist es nicht an die Öffentlichkeit gedrungen, nun hat die amerikanische Umweltbehörde den Schleier beiseite geschoben und es offenbart sich ein denkwürdiges Geschäftsmodell:
Einhalten von Umwelt-und Gesundheitsnormen nur mit Fälschung und Betrug? 

 

Was, wenn das nicht nur für VW oder die Autoindustrie gilt? 
Wie steht es mit den Banken, der „Deutschen" allen voran? 
Wie mit der Industrie, die vom Verkauf von Pestiziden lebt. Alle getestet und für unbedenklich befunden. 
Doch wie sieht dieser Testlauf aus? 
Auch hier regiert das Testlabor, der "agrochemische Rollenstand". Mit der Wirklichkeit auf den Feldern hat dieser Versuchsaufbau nichts gemein. Mit der Wirklichkeit auf unseren Tellern ebenfalls nicht. 

 

Der Chemie-Cocktail, der über die Felder versprüht wird –  bei uns, aber erst recht in Ländern, in denen die Futtermittel für unsere Fleischmast und Milchproduktion wachsen, ist noch nie lebensnah von den Zulassungsbehörden getestet worden. 
Das übernehmen gegen ihren Willen die Bauern und Anwohner. Und wenn die über Gesundheitsfolgen klagen, dann doch nur, weil sie oder ihre Nachbarn das Mittel nicht nach den Vorschriften oder Beipackzettel anrührten und versprühten. 

 

Was, wenn dieser Nebel der Agrarchemie dort auf seine Unbedenklichkeit getestet werden müsste, wo die Menschen damit umgehen und darunter leben müssen, an den Soja- und Maisfeldern Brasiliens oder in den Bananenplantagen Mittelamerikas? Käme dann vielleicht auch heraus, was die amerikanische Umweltbehörde bei VW moniert, dass im realen Leben die Grenzwerte gar nicht eingehalten werden können
Und in der Kombination mit anderen Chemikalien des Alltags unerwartete Gesundheitsrisiken nach sich ziehen? 

 

Wir wissen es nicht, weil die Wirklichkeit in der Zulassungen nicht abgefragt wird. Und wir wissen es auch nicht, weil viele der Studien, die dabei zu Rate gezogen werden, von den Herstellern selbst kommen.  
Was, wenn in den Vorstandsetagen dieser Konzerne das gleiche Klima herrscht, wie bei VW? Prinzip Unverantwortung?
Wir wissen es nicht, aber die Causa VW wirft Fragen auf, die weit über Wolfsburg hinaus reichen. 

 

Können wir bei solchen Geschäftsmodellen noch Vertrauen haben? Kann ernsthaft angenommen werden, dass ein Konzernchef seine teuren Entwicklungen am Ende selbst in Frage stellt, wenn er es nicht zwingend muss? 
Ist dieses Ausmaß an Selbstverantwortung nicht realitätsfern, wenn nicht gar -fremd, wie uns die neuere VW-Geschichte lehrt?
Was ist die Konsequenz? Für die Autoindustrie Abgastests unter Realbedingungen!

Tests nur noch unter Realbedingungen! 
Was, wenn dies auch bei Agrarchemikalien gelten sollte? 
Was, wenn das Standard würde? 

Was würde dann aus Glyphosat und Co?

 

IWE Berlin, 16.11.2015

 

Unter falscher Flagge?

G7 „New Alliance for Food Security and Nutrition“ verstärkt Flüchtlingsstrom aus Afrika

Die Entwicklungspolitik der G7, die unter der „New Alliance for Food Security and Nutrition“ firmiert, droht  die Flüchtlingsströme aus Afrika massiv zu verstärken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. 2012 schlossen sich die damaligen G7-Staaten plus Russland unter dem Namen „New Alliance for Food Security and Nutrition“ mit führenden Weltkonzernen zusammen, um Hunger und Armut in Afrika zu bekämpfen. Doch bei genauerer Betrachtung könnte sie das genaue Gegenteil bewirken. Nach Schätzungen des Instituts läuft die G7 Politik darauf hinaus, in den kommenden Jahren mehr als 100 Millionen Kleinbauern in Afrika zu entwurzelt und in die 

Slums der großen Städte abzudrängen. „Das Programm der New Alliance kann sich auf mittlere Sicht als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme nach Europa erweisen und nicht als Hilfe gegen Hunger und Armut in Afrika“, warnt der Sprecher des Instituts für Welternährung Dr. Wilfried Bommert.  
 
 
Die New Alliance for Food Security and Nutrition wurde 2012 in Washington auf der Tagung der G8-Staaten gegründet als Bündnis der führenden Industriestaaten mit den multinationalen Konzernen der Agrar-, Chemie- und Lebensmittelindustrie, u.a. Cargill, Dupont, Danone, Monsanto, Nestle, Swiss Re, Syngenta, Unilever, Yara. Ziel sollte die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft nach dem Muster der Industrieländer sein. Bisher haben sich 10 Länder Afrikas (Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, 
Äthiopien, Ghana, Malawi, Mozambique, Nigeria, Senegal und Tansania) dem Programm angeschlossen. Sie haben Verträge unterzeichnet, nach denen die Produktivität ihrer Landwirtschaft mit Hilfe von Hochleistungssaatgut (Hybrid- oder Gentechnik), künstlichem Dünger, Pestiziden und Maschinen erhöht werden soll.  
Die genauere Betrachtung der Konsequenzen dieser Strategie zeigt jedoch, dass sie nur von Wenigen mit Erfolg umgesetzt werden kann. Denn sie erfordert viel Kapital, biotechnisches Know How, Wasser, Energie und sicheren Landbesitz. Doch diese Voraussetzungen sind bei der großen Mehrheit der afrikanischen Bauern, und das sind zumeist Kleinbauern und - bäuerinnen, nicht vorhanden. 

 

Der von den G7 favorisierte Agrar-Strukturwandel wird für die Mehrheit der afrikanischen Kleinbauern (rund 400 Millionen Existenzen) den Ausstieg aus der Landwirtschaft bedeuten. Doch anders als in Industriestaaten, die diesen Weg schon gegangen sind, kann der Verlust der landwirtschaftlichen Existenz in Afrika nicht durch industrielle Arbeitplätze ausgeglichen werden, weil das dazu notwendige industrielle Wachstum fehlt. Der landwirtschaftliche Strukturwandel, der durch die Pläne der New 
Alliance for Food Security and Nutrition beschleunigt werden soll, droht so für die Mehrheit der afrikanischen Kleinbauern in wachsendem Elend zu enden und die Flüchtlingswelle nach Europa zu verstärken. Diese Folgen stehen in offenem Gegensatz zu den Zielen und Werten der deutschen Entwicklungspolitik. Die Studie des Instituts für Welternährung – World Food Institute e.V. Berlin, empfiehlt der Bundesregierung, ihre Präsidentschaft beim  G7-Gipfel zu nutzen, um den Kurs der New Alliance for Food Security and Nutrition zu korrigieren oder ihre Mitwirkung in der Alliance zu beenden.  

 

 

IWE Berlin, 01.06.2015

 

IWE fordert Forschungswende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?

Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-Wissenschaften im 21. Jahrhundert?
Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden? Das sind die zentralen Fragen, denen sich das Positionspapier des Instituts für Welternährung IWE widmet.

In seiner Analyse kommt das IWE zu dem Schluß, dass die Mittel der Forschungsförderung, auch der öffentlichen, zurzeit überwiegend in den weiteren Ausbau der industriellen Landwirtschaft und der hoch verarbeitenden Ernährungsindustrie mit ihren High-Input-Systemen fließen. Sie gilt bei Politik und Wirtschaft nach wie vor als Modell für die Zukunft.

Dadurch entstehen jedoch schwerwiegende Leerstellen. Die Chancen und Möglichkeiten der bäuerlichen Landwirtschaft, die mit Low-Input- Systemen wirtschaftet, sind kaum erforscht.Die zunehmende Verstädterung der Welt erfährt so gut wie keine Beachtung. Die wachsenden Unsicherheiten durch Klimawandel und zunehmende Ressourcenknappheit spiegeln sich in den Forschungsprioritäten nicht wider.
Darüber hinaus ist die Forschung zum Ernährungsverhalten und seiner Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit und Gesundheit in Deutschland unterentwickelt.
 
Die Pfadblindheit in großen Teilen der gegenwärtigen Agrar- und Ernährungsforschung verschlechtere die Perspektive für die Ernährung der zukünftig 9-10 Milliarden Menschen auf der Welt. Deshalb fordert das IWE eine Neuausrichtung, eine Ernährungswende, die durch eine Wende in der Forschung begleitet werden muss.

 

 

IWE, Berlin 15.08.2014

 

Unsicherheit städtischer Lebensmittelversorgung wächst

„Es ist höchste Zeit“ Teilnehmer von UNESCO-Kongress fordern Ernährungswende

Wilfried Bommert IWE vor UNESCO Forum Paris

Die Nahrungsmittel-Vorräte der Städte reichen maximal 3 Tagen. Dieses Risiko sei bisher von den Politikern und Verwaltungen weitgehend unbeachtet. Schon aus Sicherheitsgründen müsse sich das ändern, fordern die Teilnehme des UNESCO-Workshops LAND for FOOD, der am 24./25. April im Paris stattfand. Veranstaltet wurde der Kongress vom International Urban Food Network (IUFN), einer französischen Organisation, die sich für eine nahhaltige Ernährung der Städte einsetzt.

Die Städte der Zukunft werden ihre Ernährung wieder selbst in die Hand nehmen. Wie so etwas gehen kann, darüber berichtete beispielsweise Lauren Baker vom Toronto Food Policy Council. Toronto gilt als Vorreiter in Sachen Urban Gardining. Aber auch weltweit beginnt die Zivilgesellschaft bereits sich auf den Wandel einzustellen. Das zeigt die jüngst im Rahmen des IWE erarbeitete Studie "Brot und Backstein, wer ernährt die Städte der Zukunft“. "Das Ziel einer stärkeren Selbstversorgung muss in die Entwicklungspläne aller Städte aufgenommen werden, um die Ernährungssicherheit der Bevölkerung zu erhöhen", erklärte Wilfried Bommert, der das IWE auf dem UNESCO-Kongress Land for Food vertrat. Die Politik habe dieser Risiko jedoch bisher so gut wie gar nicht auf dem "Bildschirm". Deshalb sei es dringend notwendig zivilgesellschaftliche Strukturen wie die Food Policy Councils in den USA und Canada zu schaffen, die die Botschaft in die lokale Politik tragen.

 

Die Ergebnisse des Workshops werden als Broschüre zur Weltausstellung 2015 in Mailand zusammengefasst.


Zur weiteren Arbeit am Thema wurde eine Kooperation des IWE mit dem französischen Institut „International Urban Food Network“ IUFN vereinbart."

 

IWE, Berlin 29.04.2014

 

Wir essen unser Klima – Institut für Welternährung fordert Ernährungswende

Im Schatten des Weltklimaberichts, der ein Ende des fossilen Zeitalters fordert, bleibt ein Sektor fast unbeachtet: die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft. Wie das Institut für Welternährung in Berlin erklärt, trägt sie mit einem Viertel besonders stark zur Klimagasbelastung bei. Und ihre Emissionen seien in den letzten 50 Jahren um das Doppelte gewachsen. Vor allem die Produktion von Rindfleisch und Viehfutter und der damit verbundene Einsatz von Stickstoffdünger sei dafür verantwortlich. „Wir essen unser Klima auf und schauen weg“, erklärt der Sprechen des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert. Der Klimawandel könne ohne eine radikale Veränderung der Land- und Ernährungswirtschaft nicht gestoppt werden. Hier werde es ebenso wie in der Energiewirtschaft eine radikale Wende, eine Ernährungswende, geben müssen. Sonst, so bestätigen jüngste Hochrechnungen der Welternährungsorganisation FAO, drohe der Ausstoß an Klimagasen des Ernährungsbereichs bis zur Mitte des Jahrhunderts um weitere 30 Prozent zu steigen.

 

IWE, Berlin 10.04.2014

 

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Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

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