Hamburg auf dem Weg zur Ernährungswende

Gutes Essen als lokale Politik

 

v.l.: Ingrid Meichelböck (GLS-Bank), Dr. Wilfried Bommert (Sprecher IWE), Agnes Streber (Projektleiterin IWE) Prof. Harald Lemke (Mitbegründer Hamburger Ernährungsrat), Dr.Tanja Busse (Moderatorin), Ulf Schönheim (Vorstand Regionalwert-AG Hamburg)

TeilnehmerInnen der Veranstaltung „Hamburg auf dem Weg zur Ernährungswende“ fordern kommunale Unterstützung für einen Hamburger Ernährungsrat


Von Sabine Jacobs

Hamburg 2. Dezember 2016. Ein konkreter Aufruf an den Hamburger Senat war das Ergebnis der Veranstaltung „Hamburg auf dem Weg zu Ernährungswende – gutes Essen als lokale Politik“, zu dem das Berliner Institut für Welternährung (IWE) gemeinsam mit der GLS-Bank Hamburg am Montag, den 28.11. eingeladen hatte.

 

Gekommen waren über 80 interessierte BürgerInnen und AktivistInnen  aus den unterschiedlichsten Hamburger Initiativen und Organisationen, darunter VertreterInnen von Slow-Food Hamburg, der Initiative Ernährungsrat Hamburg, dem Ökomarkt Hamburg e.V., der Reginalwert AG Hamburg und dem Netzwerk Öko-Landbau Schleswig-Holstein. Sie alle waren sich einig:  Die Frage, was wir essen, woher unser Essen kommt und wie es erzeugt wird, wird für immer mehr Menschen immer wichtiger.

 

Dass eine Ernährungswende unumgänglich sei, daran ließ Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung (IWE) in seinem Einführungsvortrag keinen Zweifel. Die zentrale Erkenntnis: Durch den Klimawandel werden die Ernten weltweit unsicher. Weite Transportwege können wir uns wegen der damit verbundenen Klimabelastung nicht mehr leisten. Hinzu kommt, dass die Fundamente unserer Ernährung, Boden Wasser und Artenvielfalt schrumpfen und dies bei gleichzeitig wachsender Weltbevölkerung. Unsere scheinbar so selbstverständliche Versorgung ist längst nicht mehr so sicher, wie wir glauben. Der Lebensmittel-Vorrat in unseren Städten reicht heute gerade noch für 3 Tage. Sein Fazit: „Wir brauchen neue Ernährungskonzepte, die Zukunft der Ernährung ist regional, öko und fair.“

 

Dem stimmte auch Harald Lemke zu. Für den Hamburger Gastrosophen steht fest: „Unser Essen ist politisch“. Ernährung ist längst keine Privatsache mehr, sie muss als „gesellschaftliches Megathema“ behandelt werden.

Erste Ansätze dazu gibt es bereits. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher beginnen sich selbst zu organisieren, sei es in Urban-Gardining Projekten, Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüssen wie der solidarischen Landwirtschaft, grüne Kisten, dem Ökomarkt Hamburg, aber auch in Kitas und  ökologischen Bildungs-Initiativen. Wie eine Studie des IWE zeigt,  sind in Hamburg mehr als 90 Organisationen aktiv.

Ihre Stärke, so das Ergebnis der Studie,  ist ihre Vielfalt, ihre Schwäche ist die Unübersichtlichkeit und der Mangel an gemeinschaftlicher Organisation. Doch genau das ist wichtig, wenn die Bewegung politische Durchschlagkraft entfalten soll.

 

Wie engagierte BürgerInnen  und bereits bestehende Initiativen ihre Energien bündeln, Synergien entdecken und eine gemeinsame Schlagkraft entwickeln können, darum ging es in der anschließenden Diskussion. „Wie kriegen wir die Vielfalt unter einen Hut, und wie kriegen wir Zugang zur kommunalen Politik?“ lautete die zentrale Frage.

Als eine mögliche Plattform hierfür bot sich die Initiative „Ernährungsrat Hamburg“ an, die ursprünglich aus der Urban-Gardining Bewegung hervorgegangen ist. Die Initiative hat sich die „politische Strukturierung der lokalen Ernährungswende“ auf die Fahnen geschrieben und versteht sich als „offenes Forum zum regelmäßigen Austausch und zur gesellschaftliche Vernetzung der Akteure“, wie Mitbegründer Harald Lemke erläuterte. Pläne und Ideen gäbe es bereits viele, zum Beispiel die Formulierung eines Manifestes für die Hamburger Küche, ein einheitliches Gütezeichen für Lebensmittel und Gerichte aus der Region oder die Implementierung einer Taskforce Food-Policy, die in den einzelnen Fachbehörden die Umsetzung eines regionalen Ernährungskonzeptes unterstützen könne.

 

Von der konkreten Umsetzung solcher Ideen ist die Initiative allerdings bislang noch weit entfernt. Noch fehlt es an Man-Power und finanziellen Mitteln. Diskutiert wurde daher auch, ob ein lockerer Zusammenschluss von Privatpersonen tatsächlich ernsthaften Einfluss auf die Politik entwickeln kann. Möglicherweise mache es auch Sinn, zur Stärkung der politischen Wirkkraft auf bereits vorhandene Strukturen eines starken bestehenden Vereins zurückzugreifen, wie beispielsweise die Organisation Ökomarkt Hamburg e.V. oder aber einen Förderverein zu bilden, der als juristische Person greifbar ist und finanzielle Mittel in Empfang nehmen kann. Welche Form das bürgerliche Engagement annehmen wird, werden die Hamburger BürgerInnen selbst entscheiden. Eines war jedenfalls allen TeilnehmerInnen klar: Um echte Wirkkraft zu entfalten, bedarf es auch vor allem einer deutlichen Unterstützung und Kooperation mit der kommunalen Politik.

 

Genau daran mangelt es derzeit aber noch, wie sich schon an der Zusammensetzung des Publikums ablesen ließ. Nur eine einzige Vertreterin der Stadtverwaltung hatte sich angemeldet. Und die war zum allseitigen Bedauern nicht einmal erschienen.

Dabei stünde es doch eigentlich der frisch ernannten „Bio-Stadt“ Hamburg gut an, den Schulterschluss mit der Zivilgesellschaft zu suchen, wie eine Teilnehmerin befand: „Die Stadt könnte doch durch Unterstützung eines Ernährungsrates dokumentieren, dass es sich bei dem Etikett „Bio-Stadt“ um mehr als nur ein Aushängeschild handelt!“  

Eine Feststellung, die beim Publikum auf breite Zustimmung stieß. Eine entsprechende Erklärung war zum Ende der Veranstaltung schnell formuliert. Darin fordern die TeilnehmerInnen den Hamburger Senat auf, „einen offiziellen Ansprechpartner bei der Hamburger Verwaltung zu benennen, der die Arbeit eines Hamburger Ernährungsrates unterstützt und finanzielle Mittel für die Koordination und Entwicklung der Arbeit bereitstellt.“

 

Mit dieser  Forderung liegen die UnterzeichnerInnen ganz auf der Linie der Internationalen Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, die den Städten weltweit die  Einrichtung von kommunalen Ernährungsräten empfiehlt.

 

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

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IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

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