Mickrige Erträge im Ökolandbau?

Der Industrieverband Agrar und das Argument der Ertragseffizienz

Die Mitteilung des Industrieverbands Agrar IVA, Erträge im Ökolandbau fallen weiter zurück, sorgt für einen argumentatives Tauziehen zwischen den VertreterInnen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. Die IVA-Studie zeige demnach, dass das Ertragsniveau des ökologischen Landbaus in Deutschland im Vergleich zum konventionellen Anbau weiter zurückgegangen sei.

 

Stephan Börnecke (Frankfurter Rundschau) reagierte mit seinem Artikel Das Märchen von der mageren Bio-Ernte auf die Diskussion: "Die hinter dieser Meldung unausgesprochene Botschaft soll offenbar lauten: Mit Bio lasse sich nun mal nicht die Welt ernähren. Das könnten nur die 'modernen' Landwirte, jene, die auf Spitzen- und Spritzentechnik setzen." so Börnecke. Zudem seien Ergebnisse verzerrt worden, indem schlechtere Standortbe-dingungen unberücksichtigt blieben und nur vereinzelte Werte herausgegriffen wurden.

 

Andere (Langzeit-)Studien kommen zu optimistischeren Ergebnissen als der IVA, der u. a. Monsanto, Syngenta und Bayer hinter sich vereint. Beispielsweise die TU München und seit über 30 Jahren das Rodale-Institut in Pennsylvania. ForscherInnen der Universität Berkley trugen 2014 die Daten von 115 Studien zusammen, die 52 Feldfrüchte in 38 Ländern beleuchteten. Demnach lagen Bioerträge 20 bis 25 Prozent unter denen der konventionellen Bauern.

 

Auch der BÖLW- Vorsitzende Felix Löwenstein reagiert auf die besagte Mitteilung des IVA:

 

Völlig außen vor lässt der IVA die Tatsache, dass die intensive konventionelle Landwirtschaft erhebliche Zusatzkosten verursacht, weil Gewässer verschmutzt und dem Klimawandel mit schädlichen Emissionen eingeheizt wird, Artenvielfalt und fruchtbare Böden zerstört werden. Ökolandbau schützt Ressourcen und belebt den ländlichen Raum. Wenn man über Flächeneffizienz redet, darf man diese wesentlichen Aspekte der Wertschöpfung nicht vernachlässigen.

 

Das Problem beginnt also dort, wo die ökologische Landwirtschaft allein an ihrer unmittelbaren Ertragseffizienz gemessen wird, statt langfristige Faktoren (z. B. Humusgewinnung, CO2-Bindung, Artenschutz, saubere Gewässer) hinzuzuziehen. Dabei scheint gerade der IVA in diesem Tauziehen darum bemüht, nachzuweisen, dass der Öko-Landbau einen kritischen Wert von 50% weniger Erträgen unterschreitet. Ein Wert, der punktuell vorzufinden ist, der jedoch nichts über hinreichende Nachteile aussagt, die die industrielle Landwirtschaft mit sich bringt.

 

Womöglich sagen solche Unkenrufe auch einiges darüber aus, inwiefern sich die zunehmend kritische Haltung von KonsumentInnen gegenüber Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft deutlich bemerkbar macht.

 

IWE Berlin, 20.01.2016

 

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