Mindestens 75 % der Deutschen mit Glyphosat belastet

EU entscheidet heute über Zulassung

Am Tag der gesunden Ernährung entscheiden Vertreter der EU-Kommission und der 28 Mitgliedsländer über die weitere Zulassung des umstrittenen Herbizids Glyphosat, das von der IARC als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wurde. Am Freitag wurde eine Datenerhebung zu Glyphosatrückständen im Urin vorgestellt. Demnach liegt bei 75 Prozent der BürgerInnen die Belastung mit mindestens 0,5 ng/ml fünfach höher als der Grenzwert für Trinkwasser mit 0,1 ng/ml. Ein Drittel der Bevölkerung hat sogar eine 10-fache bis zu 42-fache Menge der für Trinkwasser zulässigen Grenzwerte im Urin. 

 

Die höchsten Belastungen ließen sich nach Altersgruppen aufgeschlüsselt bei Kindern von 0-9 und Kindern/Jugendlichen von 10-19 Jahren nachweisen, nach Berufsgruppen vor allem bei Landwirten. Fleischessende Studienteilnehmer, sogenannte Mischköstler, wiesen höhere Belastungen als Vegetarier und Veganer auf. Bio-Esser sind weniger belastet als Menschen, die sich konventionell ernähren. 

 

Insgesamt ließen sich bei 99,6 Prozent von insgesamt 2009 Probanden eindeutig verifizierbare Glyphosatrückstände nachweisen. An der Erhebung nahmen Freiwillige aus allen Postleitzahlenbereichen der Republik im Rahmen der Urinale 2015 teil, einer Aktion der Bürgerinitiative Landwende und der Bio-Supermarktkette Basic

 

Die von der Veterinärmedizinerin Prof. Monika Krüger betreute und vom akkreditierten Labor BioCheck-Holzhausen durchgeführte Untersuchung ist die weltweit größte bisher durchgeführte Felduntersuchung zum Nachweis von Glyphosat in Urinen.

 

Der Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik der grünen Bundestagsfraktion und Agrarexperte Harald Ebner MdB sagte: "Bei Glyphosat darf es kein Weiter-So geben. Dass fast jeder von uns das Pflanzengift im Körper hat, heißt für mich ganz klar, dass es jetzt keine überstürzte Neuzulassung bis 2031 geben darf. Denn die gesundheitlichen Folgen von Glyphosat sind umstrittener denn je."  Laut Ebner sei der Expertenstreit noch in vollem Gange, denn die Glyphosat-Bewertungen der Europäischen Chemikalien-Agentur (ECHA) und der gemeinsamen Pestizid-Komission (JMPR) der UN-Weltgesundheits- und Ernährungsorganisationen WHO und FAO stünden noch aus.

 

Die Einschätzungen von EFSA und BfR waren in die Kritik geraten. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt beruft sich auf die Wissenschaftlichkeit der Ergebnisse, deren Unabhängigkeit von KritikerInnen allerdings in Frage gestellt wird. EU-Agebordneter Martin Häusling dazu: "Wir haben in diesem ganzen Zulassungsverfahren so gut wie keine unabhängigen Prüfer. die verlassen sich in der Masse und in der Mehrheit auf Studien, die die Industrie selber vorlegt."

 

Das Ergebnis der Abstimmung, das heute oder morgen bekannt gegeben werden soll, steht für viele aber schon fest. Bereits im Februar hatte die EU-Kommission ihre Empfehlung für eine Verlängerung um 15 Jahre bekannt gegeben. Bisher kündigten nur Frankreich, Schweden und Holland an, sich von der umstrittenen EFSA-Bewertung zu distanzieren und daher gegen die Wiederzulassung zu stimmen.

 

IWE Berlin, 07.03.2016

 

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