Glyphosat: "Panikmache" vs. Verharmlosung

Am Freitag verhandelt die EU-Kommission erneut über Glyphosat-Zulassung

Nachdem am 07. März keine Einigung erlangt werden konnte, wurde die Abstimmung über die Glyphosat-Zulassung verschoben. Diesen Freitag trifft der zuständige Ausschuss nun wieder zusammen. Bis dahin können die Mitgliedstaaten neue Vorschläge einreichen. Eine Entscheidung ist für Mitte Mai vorgesehen. 

 

 

Der Schlagabtausch in der Debatte zum umstrittenen Herbizid geht derweil weiter: Das BfR wirft Umweltverbänden und Grünen-Politikern "Panikmache" bis hin zur Verbreitung von Falschinformationen vor. Es gebe laut Andreas Hensel, Präsident des BfR, keine "ernst zu nehmenden Hinweise" auf gefährliche Nebenwirkungen. Das BfR war mehrfach in die Kritik geraten, seine Ergebnisse nur ungenau und nicht hinreichend unabhängig gewonnen zu haben.

 

Auch die Nachweise in Urin-Proben, die immerhin eine Belastung von 99,6 Prozent der rund 2000 getesteten Probanden ergaben, sowie der Glyphosat-Nachweis in 14 von 14 getesteten deutschen Bieren wäre demnach nicht besorgniserregend.

 

Das BfR hält mit Verharmlosung dagegen und veranschaulicht eindrücklich, dass es 1.000 Liter Bier bräuchte, damit die gefundenen Glyphosatmengen im Bier schadhaft wirksam würden. Oder dass die tödliche Dosis von Glyphosat in der gleichen Dimension wie der von Kochsalz liege. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Glyphosat nicht allein über Bier in den menschlichen Organismus gelangt, sondern höchst wahrscheinlich auch über viele alltägliche Lebensmittel. Zudem ist das Zusammenwirken mit anderen Stoffen bisher nicht ausreichend erforscht.

 

Der Bremer Epidemiologe Eberhard Greiser wirft dem BfR sogar Fälschung der Ergebnisse seiner Glyphosat-Studie vor und legt dafür gewichtige Argumente vor. In einem achtseitigen offenen Brief hatten er und 95 weitere Wissenschaftler sich an den EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, gerichtet, um nachzuweisen, wie das BfR recht unausgewogen darüber entscheidet, welchen Studien es Relevanz zuspricht und welchen nicht.

 

BfR und EFSA hielten den IARC-Ergebnissen wiederum entgegen, sie seien unter "vorbeugenden“ Gesichtspunkten interpretiert worden. Angesichts einer Vorsorgepflicht gegenüber VerbraucherInnen wirkt dieser Vorwurf deplatziert: Viele unabhängige Studien haben die Karzinogenität von Glyphosat untersucht und Risiken festgestellt. Ist es dem Begriff des (Schadens-)Risiko nicht eingeschrieben, dass es vermieden werden sollte, bevor es sich unleugbar und irreversibel realisiert?

 

 

IWE Berlin, 14.03.2016

 

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