Es grünt so grün: Monsanto, Glyphosat und der Kampf ums Image

Während der Herbizid-Wirkstoff Glyphosat soeben als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wird, bemüht sich das Unternehmen Monsanto um ein nachhaltiges Image. Dessen bekannteste Produkt-Serie Roundup basiert auf Glyphosat.

Das Großunternehmen Monsanto weiß um seinen schlechten Ruf: seit seiner Gründung 1907 hat es eine Reihe an gerichtlichen Klagen über sich ergehen lassen müssen. Zu den berühmtesten zählen die Prozesse der Opfer von Agent Orange, jenem krebserregenden Entlaubungsmittel, das im Vietnam-Krieg zur strategischen chemischen Waffe wurde.

 

Nach Jahren der Expansion mit Gentechnisch veränderten Nutzpflanzen und mit einer Welle des Widerstandes besonders in Europa, scheint der Konzern eine strategische Wende einzuleiten. Neuerdings wirbt er mit High-Tech- und Präszisionslandwirtschaft (precision farming) und biologischen Pflanzenschutzstrategien. Heute sammelt Monsanto Daten über Erträge bis in den Quadratzentimeterbereich der Ackerfläche, Boden-, Saatgut-, Klimadaten, bis zu 60 Parameter – alles, um u. a. das Beratungspaket „Climate Pro“ anbieten zu können und z. B. teilflächenspezifische Düngung zu ermöglichen. Dies heißt nach Angaben des Unternehmens, dass Erträge weiter maximiert werden können – von 7% Steigerung ist die Rede - aber auch, dass sich Monokulturen weiter ausbreiten.

 

Die Übernahme der Climate Corporation für 930 Millionen Dollar, der Landmaschinenenfirma Precision Planting für 210 Millionen Dollar und des kleinen BioTech-Unternehmens Agradis werden als Investitionen in eine nachhaltige Zukunft präsentiert. Letzteres widmet sich u. a. der Züchtung von Mikroorganismen, die Schädlinge verschrecken sollen. Der biologische Pflanzenschutz soll den chemischen ergänzen – ein ökologisches Unternehmen wird Monsanto auch weiterhin nicht. Das aufgegrünte Image hat vor allen ein Ziel: den sowieso großen Marktanteil in Zeiten ökologischer Konzepte noch weiter auszubauen. Zu Monsantos erfolgreicheren Maßnahmen, das Image des Unternehmens aufzugrünen, gehört die Übernahme von Beeologics, die das Völkersterben von Bienen (Colony Collapse Disorder) erforschen und ein Mittel gegen das Israel Acute Paralysis Virus (IAPV) entwickelt haben. Allerdings handelt es sich dabei um eine geschickte Variante der Schadensbegrenzung, denn neben dem Virus werden insbesondere Herbizide und transgene Pflanzen als Ursache für das Bienensterben in Betracht gezogen.

 

Die Basis des Geschäftserfolges von Monsanto bildet weiterhin Roundup. Die Glyphosat-basierte Herbizid-Serie wird heute in den Industriestaaten nahezu flächendeckend eingesetzt. (Seit 1974 wurde es in über 130 Ländern vertrieben – oft im Doppelpack mit entsprechend genetisch veränderten Nutzpflanzen, vor allem Soja und Mais.) Andererseits ist das Pflanzenschutzmittel selbst über die Jahre zunehmend in die Kritik geraten und wirft gerade jetzt wieder einen langen Schatten auf die Image-Pläne des Konzerns. Nicht nur Monsterunkräuter, die Resistenzen entwickelt haben, machen Schlagzeilen besonders in den USA, sondern Glyphosat selbst gerät immer schärfer in die Kritik: Erst kürzlich hat die WHO den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft und eine Debatte unter WissenschaftlerInnen und LobbyistInnen ausgelöst. 
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) konnte zwar bisher nicht mit Sicherheit sagen, dass Glyphosat Krebs verursacht, da aber Tumore bei Mäusen und Ratten auf den Wirkstoff zurückzuführen sind und überdies die Anwendung in der Landwirtschaft mit über 750 verschiedenen Produkten flächendeckende Ausmaße hat, sei die Einstufung als „wahrscheinlich karzinogen“ notwendig. Wie Meta-Studie am Chulabhorn Graduate Institute, Laksi in Bangkok feststellte, ist 
eine östrogene Wirkung, d. h. Glyphosat bildet einen Risikofaktor für hormonabhängigem Brustkrebs, mittlerweile unbestritten.
Da nützt auch die teure PR Monsantos und der missglückte Zuspruch des streitbaren Lobbyisten Patrick Moores wenig.

 

Dokumentarfilm: Monsanto – Mit Gift und Genen (2008)
Artikel in der Zeit vom 08. April 2015: Soll man ihm glauben?

 

IWE Berlin, 16.04.2015

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