Der stille Hunger – Nachhaltig gegen Mangelernährung

FAARM evaluiert komplexe Interventionen gegen Mangelernährung

Zusammenfassung des Textes von Sabine Gabrysch: Der stille Hunger – Nachhaltig gegen Mangelernährung. 

 

Drei Millionen Kinder sterben jährich an den Folgen von Mangelernährung. Während akut unterernährte Kinder deutlich abgemagert aussehen, ist chronische Unterernährung weniger sichtbar, bekommt weniger mediale Aufmerksamkeit und wird deswegen der "stille Hunger" genannt.

 

Eines der Länder ist Bangladesch, wo über 40% der Kinder unter stillem Hunger leiden. Die Ursachen sind vielfältig und beginnen oft schon mit nährstoffarmer Muttermilch. Die einseitige Ernährung mit Reis führt ebenfalls zwangsläufig zu Mangelernährung. Dies wird durch die traditionell schwache soziale Position und die geringe Bildung der Frauen verschärft: Sie essen oft nur, was die Männer übrig lassen – auch während der Schwangerschaft.

 

Um die Mangelernährung nachhaltig erfolgreich zu bekämpfen, müssen nicht nur unmittelbare Symptome, sondern die Ursachen des stillen Hungers nachhaltig bekämpft werden. Die NGO „Helen Keller International“ nimmt in Bangladesch seit den 1990er-Jahren eine führende Rolle in der Bekämpfung der  Mangelernährung ein und setzt dabei auf nachhaltige Interventionen. Im Rahmen ihres „Homestead Food Production“-Programms werden Frauen in den Dörfern darin geschult, in ihren Gärten Lebensmittel und Hühner zu halten.Die Frauen werden zudem intensiv in Kleinkind-Ernährung und Hygiene unterrichtet. 

 

Diese Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch nicht ausreichend. Um Politiker und Geldgeber zu überzeugen, ist es wichtig nachzuweisen, dass die Programme auch die Mangelernährung deutlich reduzieren können. Dafür allerdings gibt es bislang kaum wissenschaftliche Hinweise, denn es fehlt an belastbaren Studien, die die Auswirkungen landwirtschaftlicher Programme auf den Ernährungsstatus von Kindern untersuchen. Die meisten bisherigen Studien sind zu klein und zu kurzfristig angelegt, oder sie verwendeten keine soliden Methoden. 

 

Die Wirksamkeit komplexer Interventionen zu evaluieren erfordert allerdings einen großen wissenschaftlichen Aufwand – ein Aufwand, der weit größer ist, als die Effektivität von Vitaminpräparaten zu prüfen.

 

Das Forschungsprojekt FAARM (Food and Agricultural Approaches to Reducing Malnutrition) stellt sich der Herausforderung, die Wirksamkeit komplexer Interventionen zu evaluieren. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen eines Förderprogramms für Epidemiologie finanziert (von 2013 bis 2019). Gemeinsam mit der Entwicklungsorganisation „Helen Keller International“ führt es in Bangladesch eine Interventionsstudie durch, an der knapp 3.000 junge Frauen und ihre Kleinkinder teilnehmen. Ziel der Studie ist es, herauszufinden, inwieweit in Kleingruppen organisierte Frauen durch den Betrieb von Hausgärten und Hühnerzucht sowie durch Schulungen zu Ernährung, Hygiene und Kinderpflege befähigt werden können, ihren eigenen und den Ernährungszustand ihrer Kinder zu verbessern.

 

 

IWE Berlin, 02.07.2015

 

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