Das kümmert kein Schwein! 

Kommentar von Wilfried Bommert

Wer über Land fährt, sieht in Natura, was der Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung uns mit Zahl und Bild vor Augen führt. Die deutsche Landwirtschaft ist auf dem Weg zum Fließband, an dem nur noch Agrarkonzerne ihre Freude haben und von dem immer mehr Bürger sich angeekelt abwenden. 


Doch politisch wird das Elend der Fleischmast in Schweine- und Geflügelfabriken, die ohne Antibiotika-Tropf undenkbar wäre, hingenommen. Die stetig steigende Zahl der Keime, die gegen die letzten Reserveantibiotika widerstandsfähig sind, und das damit verbundene Risiko für Leib und Leben, wird politisch herunter geredet. Die Klimabelastung durch Mastfutter und Transporte wird ignoriert. Der steigende Pegel der Gülleseen und die sinkende Qualität des Grundwassers bleiben ohne politische Folgen. Die Spekulation um Pacht und Boden werden vermessen, aber zu den Akten gelegt. Die Exporte der Mastketten zerstören wissentlich die Existenzen von Millionen von Kleinbauern in Afrika und wirken als Brandbeschleuniger für die Flüchtlingsströme. 

 

Das alles wissen wir und auch unsere Agrarpolitiker. Trotzdem werden sie nicht müde uns zu erzählen, dass ihr ganzes Mühen und Sorgen der Bäuerlichen Landwirtschaft gilt. Hinter dieser Kleinbauernsülze wird nach Gutsherrenart regiert. Das ist der Grund für die Erosion in den Bauernschaften der Republik, für die Empörung die sich jährlich zur Grünen Woche in der großen Demo „Wir haben es satt“ entlädt, aber bisher ohne politische Folgen bleibt. 

 

Das kümmert kein Schwein! – so scheint es. Aber die Resignation übersieht, dass die Gesellschaft nicht ungerührt bleibt. Sie beginnt sich abzuwenden, von der globalen Mastfabrik Deutschland. Sie erwarte nichts mehr von den Agrarpolitikern, die sich in diesen Tagen wieder vollmundig um das Wohl des Kleinbauern sorgen. Sie nimmt ihre Ernährung wieder selbst in die Hand. Regional, bio und fair. Berlin und Köln gründen Ernährungsräte, die für gutes Essen aus der Region sorgen. Ernährungswende heißt ihre Parole. Ohne Bedeutung? Wer sich an die Energiewende erinnert, kann erahnen, wie viel politische Kraft aus einer Bürgerbewegung entstehen kann. Denn die kümmert das Schwein!

 

IWE Berlin, 14.01.2016

 

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

GLS Bank

IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

Ihre Spende kann steuerlich geltend gemacht werden

Empfehlungen

Wie Suffizienzpolitiken gelingen - eine Handreichung von Manfred Linz
Wuppertal Spezial Nr 52, Wuppertal Institut

Regional, innovativ und gesund

Nachhaltige Ernährung als Teil der Großen Transformation

Steven Engler, Oliver Stengel, Wilfried Bommert (Hg.)

1. Auflage 2016
Vandenhoeck & Ruprecht

 

 

 

 

 

 

 

Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt

Vorreiter einer globalen Ernährungswende - Ein Projekt des IWE

Forschung für die Ernährungwende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?
Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-wissenschaften im 21. Jahrhundert?

Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden?
 
Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© World Food Institute - Institut für Welternährung e.V.
Impressum