Christiane Grefe: Global Gardening

Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?

Buchbesprechung von Wilfried Bommert

 

Es gibt wirkmächtige wie amorphe Plastikwörter. Bioökonomie gehört sicher dazu. Das jedenfalls lehrt uns Christiane Grefes Analyse, die unter den Titel „GLOBAL GARDENING. Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?“ veröffentlicht wurde. Was sollen wir von diesem so biegsamen Begriff halten, der für die Bundesregierung schon längst zum Programm geworden ist. Aber worum geht es dabei?


Geht es um den nachhaltigen Umgang mit unserer Biosphäre, um zum Ende des Jahrhunderts 12 Milliarden Menschen satt zu machen und ihren täglichen Bedarf an Rohstoffen zu stillen? Oder geht es um die Unterwerfung der Biosphäre unter die Knute einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die am Ende nur eins in Sinne hat: ohne Rücksicht auf die Schäden den höchst möglichen Profit aus der Natur zu schlagen? 

 

Wer sich eine Festlegung in diesem Buch zwischen A oder B erhofft, wird enttäuscht sein. So einfach macht es sich die Autorin nicht. Sie erklärt, wie der Begriff zum wirkmächtigen wie amorphen Plastikwort geworden ist. Dabei geht sie zurück bis an die historischen Wurzeln der Bioökonomie, die in der forstlichen Nachhaltigkeitsdebatte des 19. Jahrhunderts wurzeln. Und sie zeigt, wie der Begriff der Bioökonomie am Ende des fossilen Zeitalters dazu genutzt werden soll, die kommenden Knappheiten des industriellen Systems mit Hilfe und auf Kosten der Biosphäre auszugleichen. 

 

Diese stille Umdeutung des Begriffs vernebelt die Konflikte, die die industrielle Bioökonomie mit sich bringen wird. Christiane Grefe macht sich die Mühe diesen Schleier zu lüften. Sie zeigt uns, wohin diese industrielle Deutung führen könnte. Sie schildert, wie gewaltig das technische Arsenal von Bio- Gentechnik ganz unbeachtet von der Öffentlichkeit mittlerweile gewachsen ist. Sie führt uns den wissenschaftlichen Wettlauf um die Vorherrschaft über die Biosphäre vor Augen und beschreibt die Kraft des spekulativen Finanzkapitals, das mit Bioökonomie ein neues Kapitel in der kapitalistischen Wirtschaftsgeschichte schreiben will. 

 

Mit der Analyse will sie sich jedoch nicht abfinden. Christiane Grefe fordert Schranken, Leitplanken für diesen Technologieentwurf, nicht nur national, sondern auch global. Und sie hofft auf die Kraft öffentlicher Diskussion, in der Grenzen und Möglichkeiten ausgelotet und politisch gezogen werden müssten. Das ist ehrenhaft und notwendig. Aber ist es auch vor dem Hintergrund der ökonomischen Interessen realistisch?

Das wird die Zeit klären. Christiane Grefe legt mit ihrem Buch „GLOBAL GARDENING. Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?“  die Grundlage für eine notwendige gesellschaftliche Debatte über Bioökonomie, die längst überfällig ist. 

 

Christiane Grefe: GLOBAL GARDENING. Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?
erschienen Februar 2016 bei Kunstmann 2016, 19,99€

 

IWE Berlin, 09.03.2016

 

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