Die Bauern und das Öl

Ist der Ölpreisverfall der wahre Grund für die "Crise Agricole"?

Am Montag, 27. Juli, hatten französische Bauern Straßen zwischen Frankreich und Deutschland blockiert, um Lebensmitteltransporte zu stoppen und so gegen "Wettbewerbsverzerrung" zu prostestieren. Zu der Aktion hatten die Föderation der Bauerngewerkschaften (FDSEA) und die Gewerkschaft Jeunes Agriculteurs (JA) aufgerufen. 

 

Die französischen Bauern sehen sich im europäischen Vergleich benachteiligt. So wären beispielsweise die Produktionskosten in Deutschland niedriger und folglich auch die Lebensmittelpreise, da ArbeitnehmerInnen aus Osteuropa zu einem geringeren Lohn arbeiteten. Als weiterer Grund für den Preisverfall wurde die zurückgehende Nachfrage aus China angegeben sowie das russische Embargo auf europäische Produkte. Zudem habe aber auch die veränderte Ernährungsweise der Franzosen Einfluss auf die Preisentwicklung.

 

In der letzten Woche, am 22. Juli, hatte die französische Regierung ihren Bauern bereits 600 Millionen Euro in Form von Steuererleichterungen und Lohngarantien zugesichert, Nach Auskunft von Franck Sander, Vorsitzender der FDSEA, reicht dies jedoch nicht. Jeder 10. landwirtschaftliche Betrieb sei vom Ruin bedroht.

 

Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group (EWG), sieht jedoch im Ölpreisverfall einen weitaus bedeuteren Faktor für die Crise Agricole und den einhergehenden Lebensmittel-Preisverfall. 

 

Die weltweiten Lebensmittelpreise folgen demnach sehr exakt den Ölpreisen (vgl. Robert Pašičko, UNDP Zagreb, siehe Grafik unten). Die „moderne“ Agrarwirtschaft habe sich mit ihren intensiven, industriellen Methoden in eine fundamentale Abhängigkeit der Erdölwirtschaft begeben. So steckt massenhaft Erdöl in der Erzeugung der Düngemittel, die teuren Pestizide werden aus dem Grundstoff Erdöl produziert, die Landmaschinen vom Traktor bis zum Mähdrescher fahren mit Erdöl, der Lebensmitteltransport erfolgt mit Erdöl für Lkw, Schiffe, Flugzeuge. Dies alles werde mit Mineralölsteuerbefreiungen hochsubventioniert.

 

"Als die Ölpreise Ende des letzten Jahrzehnts stiegen, haben französische und spanische Bauern und Fischer protestiert, Blockaden organisiert und so weitere Subventionen erwirkt, um billiges Erdöl zu bekommen. Die drohenden Staatsbankrotte in Frankreich und Spanien haben auch hier eine ihrer Ursachen. [...] Aufklärung darüber würde aber dazu führen, dass immer mehr Landwirte sich von der Erdölabhängigkeit abwenden, was vor allem mit biologischer Landwirtschaft gelingt."

 

Stattdessen würden massive Subventionen in eine erdölabhängige Landwirtschaft beschlossen – auch in Deutschland, z.B. durch Erhöhung der Agrardieselsubvention. Damit werden aber nicht Ursachen bekämpft, sondern lediglich Symptome kurzzeitig gelindert. 

 

 

IWE Berlin, 29.07.2015

 

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