Food News

 

Klimawandel und Ernährung: "Der Druck im Kessel steigt"

Wilfried Bommert im Gespräch mit Friedhelm Mühleib

 

Das folgende Interview wurde am 21.11.2017 auf dem Blog tellerrand veröffentlicht:

 

Alle reden vom Wetter, kaum einer denkt an die Ernährung. Der Bonner Weltklimagipfel war für die Medien ein willkommener Anlass, wieder einmal über die Folgen des Klimawandels zu berichten.

 

In (zu Recht) finsteren Szenarien wurde in zahllosen Beiträgen dargestellt, was uns an Katastrophen bevorstehen könnte. Tatsächlich kündigen extreme Wetterlagen wie Überschwemmungen, Stürme, Dürren und Hitzekatastrophen weltweit den realen Klimawandel an. Dass die derzeitige globale Agrarwirtschaft erheblich zum Klimawandel beiträgt und andererseits die Gefährdung unserer Versorgung mit Nahrung zu den gravierendsten Folgen dieses Wandels gehören wird, spielte in den Diskussionen während des Klimagipfels kaum eine Rolle.

Der Agrarwissenschaftler Dr. Wilfried Bommert, während vieler Jahre Leiter der Umweltredaktion des WDR und Mitbegründer des Instituts für Welternährung in Berlin, sieht darin im Interview mit tellerrand ein fatales Versäumnis.

 

tellerrand: Hat der Fokus der Konferenz auf den Ausstieg aus Kohle und Verbrennungsmotor den Blick der Teilnehmer auf die Rolle der weltweiten Lebensmittelproduktion und die Folgen des Klimawandels für die Ernährungssicherheit verstellt?


Bommert:  Das Thema stand tatsächlich im Hintergrund, was wirklich fatal ist. Wir wissen, dass das Klima zu etwa einem Viertel vom Ernährungssystem beeinflusst wird. Konkret heißt das: Das Ernährungssystem trägt wesentlich zum Klimawandel bei, und ohne die Veränderung des Ernährungssystems ist das Klimasystem nicht zu retten. Wenn das Thema auf der Weltklimakonferenz nicht auf den Tisch kam, hat das natürlich seine Gründe. Die großen Industrienationen sabotieren diese Diskussion, weil sie ihre Landwirtschaften in der herkömmlichen Weise weiter betreiben wollen. Da steckt enorm viel Geld drin, und man möchte die Renditen nach Möglichkeit nicht gefährden.

Die Welt isst Bio oder gar nichts!

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Christina von Poser/Flickr

So drastisch wollen wir es nicht hören. Doch was Forscher im Fachmagazin "Nature Communications" veröffentlichen, stellt die Systemfrage: Wer ernährt die Welt im
21. Jahrhundert? Das System Bio oder das System Intensivlandwirtschaft?


Ich sag’s vorweg: Ja, es stimmt, die Biobauern ernten weniger. Aber mit dem Argument des Ertragsabstandes zwischen beiden Systemen lässt sich hier nichts entscheiden. Wenn schon Vergleich, dann Systemvergleich.
 
Wo Höchsterträge fließen, fließt auch die meiste Gülle, die größten Mengen an synthetischem Stickstoff, an Pestiziden jeder Art, an fossiler Energie, werden die Wasservorräte ebenso wie die Bodenfruchtbarkeit geplündert und die Hälfte der Weltbevölkerung sitzt vor leeren Schüssel oder klagt über Mangel- und Fehlernährung.
 
Mit diesem System lässt sich keine Zukunft bauen, schon gar nicht, wenn man weiß, dass es zu einem Viertel an der Aufheizung des Planeten beteiligt ist. Es geht hier nicht mehr um Reparaturen, es geht um einen Systemwechsel. Wir brauchen ein System, das die Grenzen unseres Planeten wieder ernst nimmt, das in den Kreisläufen der Natur denkt, die Kreatur – ob Pflanzen, Tiere oder Insekten – achtet und auch die Bauern, die in der Tretmühle des Wachsen und Weichens ihre Würde verloren haben.
 
Auch wir werden uns ändern. Es gibt kein Menschenrecht auf Fleischkonsum und auch keins darauf, Lebensmittel mutwillig in den Müll zu werfen. Und wir werden gern verzichten. Weil wir einen gutes Gewissen dafür haben werden, beim Essen, beim Trinken und beim Gang durch die Natur. Ein Ablasshandel zugegeben, aber doch eine Selbstbefreiung! Wissenschaftlich untermauert wissen wir nun, was uns die Zeichen an der Wand schon länger sagen: Die Welt isst Bio oder gar nichts!

 

IWE Berlin, 16.11.2017

 

Ernährungsdemokratie jetzt: Bundesweites Netzwerk von Ernährungsräten gegründet

Erster Kongress der Ernährungsräte will urbane Ernährungspolitik auf die kommunale Agenda bringen

 

Manuel/Flickr Commons

Unter dem Motto „Ernährungsdemokratie jetzt!“ wurde ein Netzwerk von mehr als 40 Ernährungsräten und Ernährungsrats-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum gegründet. Auf dem ersten Kongress der Ernährungsräte trafen sich am 12. November in Essen Engagierte aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Südtirol. Ihr Ziel: Sie wollen demokratische Ernährungssysteme in den Kommunen aufbauen.

 

Ernährungsräte sind meist aus der Zivilgesellschaft gegründete, beratende Gremien der Städte. Sie stellen den Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Landwirten, Händlern, Verbrauchern und Gastronomen her, um die Lebensmittelversorgung in den Städten zukunftsfähig und gerecht zu gestalten. Die ersten Ernährungsräte in Deutschland wurden 2016 in Berlin und Köln gegründet. Dieses Jahr kamen Frankfurt am Main, das Saarland, Dresden und Oldenburg dazu. Auch in Oberösterreich, Zürich und Südtirol gibt es Ernährungsräte, viele weitere stehen in Gründung.

 

„Über unsere Ernährung bestimmen heute vor allem große Lebensmittelkonzerne, die auf den Weltmarkt ausgerichtet sind. Doch immer mehr Menschen wollen mitentscheiden, wo ihr Essen herkommt und wie es produziert wurde", sagte der Gründer des Ernährungsrates in Köln und Filmemacher Valentin Thurn. "Die Ernährungsräte sind dafür ein perfektes Forum, das Konzept breitet sich in Deutschland rasend schnell aus. Mit dem neu gegründeten Netzwerk wollen wir diese Bewegung weiter stärken.“ Kommunen und Länder sollten das hohe Engagement der meist ehrenamtlichen Initiativen unterstützen. Die Ernährungswende von unten sei eine riesige Chance für Städte, sich klimafreundlicher und gesünder zu versorgen. „Essen kann eine Brücke zwischen sozialen und ethnischen Gruppen sein. Nicht zuletzt können wir so das Thema Nachhaltigkeit mit Spaß verbinden“, so Thurn weiter.

 

Fleisch und Milch: Lebensgefährlich?

Kommentar von IWE-Sprecher Wilfried Bommert

 

Jürgen Telkmann/Flickr

Die weltweit größten Fleisch- und Milchkonzerne verursachen mehr Emissionen als Deutschland. Diese Fakten, die die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit dem IATP und GRAIN zur Klimakonferenz in Bonn beisteuert, zeigen, welche Monster die Globalisierung mittlerweile geboren hat. Konzerne, die vor allem eins sind: lebensgefährlich.

Doch sie sind nur die Spitze des agroindustriellen Eisbergs, unter ihr wirkt ein gigantisches System, das uns Stück für Stück die Lebensgrundlagen entzieht. Es geht hier nicht nur um’s Klima.

Wo sind drei Viertel der Insekten, der Bienen, Hummeln, der Tag- und Nachtfalter geblieben? Wer hat die Hälfte der globalen Bodenfruchtbarkeit auf dem Gewissen,
wer vergeudet die endlichen Wasservorräte der Welt, die schon zu mehr als 50% ausgepumpt sind? Wer heizt mit immer mehr synthetischem Stickstoff das Klima an? 

Es geht hier nicht um Einzelne, es geht um ein System, das auf Zerstörung ausgerichtet ist. Wer da zuerst dran glauben muss, zeigen uns die Katastrophenbilder aus Afrika, wo eine Dürre die nächste ablöst, aus Asien, wo der Monsun entweder ausbleibt oder Flutwellen über die Felder schickt. So sieht es aus, wenn der Welt die Nahrungsgrundlage entzogen wird. So entstehen globale Fluchtursachen.

Es wird Zeit für eine ökologische Wende unseres Ernährungssystems. Die neue deutsche Koalition könnte den Vorreiter geben. Ob sie den Mut dazu hat?
Sie sollte wissen: die Uhr tickt, die Zeit läuft gegen uns.

 

IWE Berlin, 8.11.2017

 

Ausgetrocknete Brunnen, verdorrte Getreide-Felder - Der Klimawandel und die Folgen

SWR2 Kontext

 

Felix Meyer / Flickr CC BY-NC-ND 2.0

Aus der Ankündigung zur Sendung:

"Nach fast einem Jahrzehnt ist die Zahl der Hungernden zum ersten Mal wieder gestiegen. 815 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen. Krieg und Gewalt sind die Hauptursachen für Hunger."

 

Auch der Klimawandel gehört zu den Ursachen - über die Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft und damit für die Welternährung sprach SWR2 u.a. mit den Experten Martin Frick (FAO) und IWE-Sprecher Wilfried Bommert.

 

Die komplette Sendung zum Nachhören finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 27.10.2017

 

Insekten weg - keiner Schuld?

Kommentar von IWE-Sprecher Wilfried Bommert

 

Quelle: Flickr CC BY-NC-SA 2.0

Sie sind weg! Mücken, Fliegen, Käfer, wilde Bienen, bunte Falter. Die Zahl der Insekten in Deutschland ist in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75% zurückgegangen. Das bestätigt eine aktuelle Langzeitstudie. Was schon lange angekündigt, scheint nun wahr zu werden, der stumme Frühling kommt.

 

Wer ist schuld? Wir nicht, tönt die Lobby der Feldspritzen und Düngerstreuer. Wir nicht, echot es aus den Konzernen, die mit Insektiziden ihre Gewinne machen. Achselzucken bei den Verantwortlichen der Politik. So What? War’s nicht vielleicht der Klimawandel, das Extremwetter? Ausweichmanöver, wie wir sie kennen.


Bleiben wir hartnäckig. Könnte es sein, dass es die üblichen Verdächtigen sind, die nicht nur die Insekten auf dem Gewissen haben, sondern auch tatkräftig den Treibhauseffekt befeuern? Es sind die, die mit gutem Gewissen in den luftdicht verriegelten Kabinen ihrer Schlepper sitzen und auf endlosen Äckern den Spritzplan ihrer Chemiekonzerne abarbeiten. Mitläufer im großen Agromonopoly. Sie wollen dabei sein, wenn die großen Ernten eingefahren werden. Wissen Sie nicht, dass sie

die Grundlagen dafür selbst zerstören?

 

Insekten, dass sind die, die dafür sorgen, dass wir Äpfel und Birnen essen können, Honig ernten, dass Singvögel satt werden. Ohne sie droht Kettenbruch in der Nahrungskette, auch in der unseren. Was davon wissen die, die da oben in den Schleppern sitzen? Fehlanzeige, wer in die Lehrpläne deutscher Landwirte schaut, wundert sich nicht mehr. Soviel Unwissen. Aber das schützt vor Strafe nicht, wie wir wissen. Und Insekten erteilen keine Absolution! Wenn der stumme Frühling kommt, werden wir vergeblich

auf die Insekten, die Bienen und die Vögel warten, vor leeren Tellern.

 

IWE Berlin, 19.10.2017

 

Ist eine Ernährung ohne Fleisch möglich?

Deutschlandfunk Kultur: Diskussion mit IWE-Sprecher Wilfried Bommert und Regisseur Marc Pierschel

 

"The End of Meat", R: Marc Pierschel, Credit: Mindjazz Pictures

Pro Jahr verzehrt ein Deutscher im Schnitt 60 Kilo Fleisch. Bei 85 % kommen Fleisch und Wurst jeden Tag auf den Tisch. Die Folgen u.a. für Klima, Umwelt und Tierwohl sind immens.

Bei Deutschlandfunk Kultur diskutierten IWE-Sprecher Wilfried Bommert und Regisseur Marc Pierschel ("The End of Meat") über fleischlose Ernährung und nachhaltigen Fleischkonsum.

 

 

Die komplette Sendung zum Nachhören finden Sie hier.

 

Den Trailer zum Dokumentarfilm "The End of Meat" gibt es hier.

 

IWE Berlin, 04.10. 2017

 

Der Klimawandel und der Teller

WDR5 Interview mit IWE-Vorstand Wilfried Bommert

 

Anlässlich der Erscheinung seines neuen Buchs "Verbrannte Mandeln - Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht" war

IWE-Vorstand Wilfried Bommert am 11.9. zu Gast in der Sendung "Neugier genügt - Redezeit" bei WDR5. In seinem halbstündigen Interview erklärt er, wie sich die Folgen des Klimawandels auf unsere Nahrungsmittel auswirken und beantwortet die Frage, wie wir den veränderten Bedingungen begegnen können: Die Agrarwende steht an, nur Nachhaltigkeit kann unsere Ernährung sichern.

 

Die komplette Sendung zum Nachhören finden Sie hier.

 

Mehr Informationen zur Publikation "Verbrannte Mandeln - Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht" gibt es hier.

 

Endzeitstimmung im Land der Mastbarone?

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Kein Ei zum Frühstück? Kein Schinken, keine Wurst? Den Bürgern vergeht der Appetit auf die Produkte der Eier- und Fleischfabriken. Seit letzter Woche sinkt die Lust auf Ei dramatisch. Giftalarm.  Der Fleischkonsum rutscht gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent. Der Ekel der Mastställe hat die Teller erreicht. Der Pegel an gesundheitsschädlichem Nitrat im Grundwasser steigt.

 

Den Wasserwerken reißt der Geduldsfaden gegenüber der Agrarlobby, die seit Jahren „freiwillig“ für sauberes Wasser sorgen will, aber von Jahr zu Jahr mehr Gülle und Stickstoff auf ihre Felder kippt.
 
Es geht hier nicht um schwarze Schafe, um Einzelne. Es geht um ein System, dessen Wesen immer deutlicher zutage tritt: Er geht um den Kern der industriellen Land- und Ernährungswirtschaft. Sie hat sich über 50 Jahre daran gewöhnt, dass ihre Sünden verziehen, ihre Kollateralschäden durch die Bürger gezahlt werden. Ihr ist es egal, wer unter ihr den Landwirtschaftsminister gibt. Sie sitzt fest in den Entscheidungszentralen von Bund und Ländern. Sie schreibt geräuschlos Gesetze, Verordnungen und Regierungserklärungen mit. Und sorgt dafür, dass auch die nächste Mastfabrik genehmigt, dass auch das nächste Pestizid seinen Freifahrschein bekommt. Wer glaubt, der Dieselbetrug sei der einzige im Land, der sollte vielleicht einmal die Zulassungsverfahren von Agrargiften auf den Prüfstand stellen.
 
Um was handelt es sich bei dem Gift in den Eierfabriken, beim Elend in den Mastställen, beim steigenden Nitratpegel in unserem Lebensmittel Nummer Eins, dem Wasser? Ist das Systemversagen, das noch zu reparieren wäre? Oder ist es  die Unbeherrschbarkeit des agrarindustriellen Systems, die da zu Tage tritt? Die zwangsläufig zu dem führen muss, was die ölgetriebene Autoindustrie nun erleben wird, das Aus?
 
Die Bürgergesellschaft jedenfalls bereitet sich vor auf den Gau an der grünen Front. Sie arbeitet daran, ihre Ernährung wieder in die Regionen zurück zu holen. Ihre „Ernährungswende“ hat bereits mehr als 20 Städte erreicht, mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung steht hinter ihr. Sie entwirft die Zukunft der Ernährung.  Ein bürgerliches System der Selbstversorgung:  Regional, ökologisch und fair.  Und das sorgt für eine neue Stimmung im Lande: für Aufbruch. Im Gegensatz zur Endzeitstimmung bei den Mastbaronen!

 

IWE Berlin, 09.08.2017

 

Köln geht voran: Ernährung wird Teil lokaler Politik

Stadt unterstützt Ernährungsrat mit jährlich 50.000 Euro

 

Als erste Stadt in der Bundesrepublik hat sich Köln entschlossen seine Ernährung wieder zum Teil der lokalen Politik zu machen. Der Rat beschloss am 11. Juli 2017 den „Ernährungsrat Köln und Umgebung“ mit 50.000 Euro jährlich zu unterstützen.


Den Zuschuss erhält der Gemeinnützige Verein „Taste of Heimat“, der die Entwicklung eines regionalen Ernährungskonzepts für die Domstadt seit 2015 vorantreibt. Das Institut für Welternährung (IWE) gratuliert dem Initiator und IWE-Mitglied Valentin Thurn herzlich zu diesem Erfolg.


„Köln setzt damit Maßstäbe für die Zusammenarbeit von Bürgern, Wirtschaft, Verwaltung und Politik bei der Entwicklung einer neuen und nachhaltigen Ernährungsstrategie“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des IWE. Die Domstadt profiliere sich mit diesem Beschluss als Vorreiter für die Regionalisierung der Ernährung in Deutschland. Sie ist damit Ansporn für einen neue deutsche Ernährungsbewegung, die „Regional, Bio und Fair“ zum Maßstab zukünftiger Ernährungskonzepte macht.

 

Auch in Berlin, Hamburg und München sammelt sich die Zivilgesellschaft, um ihre Ernährung zurück in ihre Region zu holen. Mittlerweile verfolgen Initiativen in mehr als 20 weiteren Städten in der Bundesrepublik ähnliche Konzepte.

Das Institut für Welternährung unterstützt diese Entwicklung im Rahmen seines Projekts „Deutschland auf dem Weg zur Ernährungswende“, das von Umweltbundesamt und dem Umweltministerium in Berlin gefördert wird.

 

Weitere Informationen zum Ernährungsrat Köln und Umgebung finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 23.07.2017

 

 

IWE spokesman Wilfried Bommert at MACS-G20 workshop

Focus: Food loss & waste reduction

 

Finally 41 participants from 17 countries (among them 13 G20-States), from FAO, OECD and EU-Commission and as stockholder of the civil society IWE World Food Institute, Berlin were welcomed, to the initial MACS-G20 workshop related to food loss & waste reduction in Berlin.

 

MACS is organised by leading sciensts of G20 – States to coordinate scientific programs on G20-level. Wilfried Bommert presented aspects of „Future Food Systems towards Zero Waste“. He showed how civil society builds an new food system in Germany and in other places around the world.


Embedded into inspiring keynote presentations the conference worked out information related to success stories, considerable barriers, upcoming challenges as well as transferability to other countries. This comprehensive stocktaking will provide the basis for further systematic steps within the MACS-G20 initiative. Beside further cooperation within G20 member states they also included considerations about responsibility of G20 for food loss & waste reduction in third countries and options for respective support and interaction.


More information here.

 

IWE Berlin, 20.07.2017

 

The Uninhabitable Earth

What climate change could wreak - by David Wallace-Wells for New York Magazine

 

"It is, I promise, worse than you think. If your anxiety about global warming is dominated by fears of sea-level rise, you are barely scratching the surface of what terrors are possible, even within the lifetime of a teenager today. And yet the swelling seas — and the cities they will drown — have so dominated the picture of global warming, and so overwhelmed our capacity for climate panic, that they have occluded our perception of other threats, many much closer at hand. Rising oceans are bad, in fact very bad; but fleeing the coastline will not be enough.

 

Indeed, absent a significant adjustment to how billions of humans conduct their lives, parts of the Earth will likely become close to uninhabitable, and other parts horrifically inhospitable, as soon as the end of this century."

 

Eine Welt ohne Hunger - Ist das möglich?

IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert zu Gast bei Bayern 2 und ARD-alpha

 

IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert war als Gast bei Moderator Christoph Peerenboom zum Tagesgespräch "Eine Welt ohne Hunger - Ist das möglich?" auf Bayern 2 und ARD-alpha eingeladen.

 

Anlass der Sendung war eine G20-Konferenz in Berlin, zu der das deutsche Entwicklungsministerium vor dem Hintergrund der aktuellen Hungerkrise in Teilen Afrikas und Asiens eingeladen hatte.

 

Das Tagesgespräch ging den Fragen nach: Wie könnte sie aussehen, eine Welt ohne Hunger? Was müsste sich in der Landwirtschaft, in der Forschung, in der globalen wie lokalen Politik ändern, um ein solches Ziel zu erreichen?

 

Die Sendung zum Nachhören finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 03.05.2017

 

Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen

Radio-Feature-Reihe von Tanja Busse

 

Thomas Kohler/Flickr

Am Sonntag, den 23.4. startet die vierteilige Radio-Feature-Reihe „Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen“ von Tanja Busse bei WDR5. Sie untersucht, wie konventionelle Landwirtschaft die Ressourcen gefährdet, die Grundlage unserer Nahrung sind und welche Spielräume Landwirte haben, die entgegen des Marktdrucks Ressourcen schonend produzieren wollen.

 

Jede Folge widmet sich einem thematischen Schwerpunkt - von "Von der Trübung des Wassers", das die Reihe eröffnet, über "Vom Sterben des Bodens" bis zu "Vom Schwinden der Arten" und "Von der Schärfe der Luft". Die jeweils 30-minütige Feature-Reihe wird an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen morgens um 8.05 Uhr gesendet und abends um 22.30 Uhr wiederholt.

 

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 22.04.2017

 

Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern

Angela Schmid für Süddeutsche Zeitung

 

W***/Flickr

In Ihrem Beitrag "Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern" für die Süddeutsche Zeitung schreibt Angela Schmid über die Vorteile der Hydroponik: Das Verfahren spare Wasser, Dünger und Pestizide und steigere die Erträge. 70 Prozent des globalen Trinkwassers werden in der Landwirtschaft verbraucht.

 

Wissenschaftler des Projekts HypoWave in der Nähe von Wolfsburg untersuchen nun, ob sich Gemüse statt in Trinkwasser auch in gereinigtem Abwasser ziehen ließe. Dies würde die Effizienz der Hydroponik noch einmal steigern und vor allem die weltweit zunehmend knappe Ressource Wasser schonen.

IWE Berlin, 21.3.2017

 

Lebensmittelverschwendung: Falsche Zahlen

Ernährungsminister Christian Schmidt schiebt Verbrauchern schwarzen Peter zu

 

Foodsharing unterstützt den Vorstoß der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Bundesrat, und fordert die Bundesregierung auf, ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg zu bringen. Das haben bereits die EU-Länder Frankreich, Italien und Finnland erfolgreich getan.

 

87 % aller Deutschen wollen solch ein Gesetz, wie eine Umfrage von Abgeordnetenwatch zeigt. In diesem Sinne hat Foodsharing mit der Aktion “Leere Tonne” 50.000 Unterschriften gesammelt und dem Ernährungsministerium in Berlin übergeben.

 

Doch das will nichts tun und schiebt jetzt mit gezinkten Zahlen den schwarzen Peter dem Verbraucher zu: "Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen", sagte Bundesernährungsminister Christian Schmidt der "Saarbrücker Zeitung". Sein Ministerium verweist darauf, dass eine Studie der Universität Stuttgart herausgefunden habe, der Müll stamme zu 61 Prozent vom Verbraucher.

 

Doch diese Zahl ist irreführend. Das Ministerium hatte diese Studie 2012 in Auftrag gegeben, mit der Auflage, dass die Forscher die Landwirtschaft nicht untersuchen sollten. “Wenn ein solch großer Bereich ausgeklammert wird, ist eine Prozentzahl unzulässig”, kritisiert Foodsharing-Vorstandsmitglied Valentin Thurn. “Jeder, der die Zahl liest, geht doch davon aus, dass der Anteil vom Gesamt-Müllberg gemeint ist.”

 

Der WWF geht in seiner Studie “Das große Wegschmeissen” von einem Verbraucher-Anteil von 39 % aus, Studien aus Nachbarländern liegen um 40 - 42 %. Valentin Thurn: “Immer noch viel, aber das heißt auch, dass der Anteil von Handel und Industrie vom Bundesernährungsminister bewusst kleingerechnet wird.” Unter dem Einfluss der Lobby sollen keine gesetzlichen Maßnahmen unternommen werden.

 

Das ist besonders schlimm, weil Gegenmaßnahmen hier besonders wirksam wären: Laut WWF-Studie sind bei Handel und Industrie 90 % der Abfälle vermeidbar. Beim Verbraucher hingegen liegt der vermeidbare Anteil bei vergleichsweise niedrigen 70%. Ein Gesetz sollte deshalb zuvorderst in der Wirtschaft ansetzen, sonst kann die Regierung in Berlin ihr Ziel, den Lebensmittelmüll bis 2030 zu halbieren, nie erreichen.

 

Mehr dazu hier.

 

IWE Berlin, 2.03.2017

 

Studie: Viele Pestizide sind überflüssig

Kathrin Zinkant, Süddeutsche Zeitung

 

eLKayPics/Flickr

"Mehr als 46 000 Tonnen Ackergift wurden in Deutschland im Jahr 2014 abgesetzt, gut 10 000 Tonnen mehr als 2006. Schon lange fordern Umweltverbände und grüne Politiker, die Entwicklung umzukehren. Im Fokus stand zuletzt der Unkrautvernichter Glyphosat. Aber auch andere Herbizide sowie Insektengifte und Antipilzmittel werden kritisiert, weil sie sehr häufig auch Nützlinge töten und das ökologische Gleichgewicht zerstören. Flüchten konnte sich die Agrarwirtschaft da eigentlich nur noch in die Behauptung, ohne Pestizide ließen sich die Erträge nicht halten.

 

Bloß, ist das wirklich so? Aus der Wissenschaft ist jetzt ein ganz anderer Befund zu vernehmen. Wie französische Agrarökologen im Fachblatt Nature Plants schreiben, hat ein teilweiser Verzicht auf Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichter nur selten negative Folgen für die Ernte.

 

Das Team um Nicolas Munier-Jolain vom Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) in Dijon hatte Daten aus den Jahren 2009 bis 2011 analysiert. Fast 1000 französische Bauernhöfe wurden berücksichtigt. Das Fazit: Knapp 60 Prozent der Betriebe könnten ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken - ohne Abstriche im Ertrag. Es ist die erste Analyse dieser Art. Und die erste, die in solcher Deutlichkeit dafür spricht, den Einsatz von Ackergiften drastisch zu reduzieren."

 

Zum vollständigen Artikel der Süddeutschen Zeitung geht es hier.

 

IWE Berlin, 1.03.2017

 

Time to put a Common Food Policy on the menu

Olivier De Schutter & Carlo Petrini, Politico

 

Hans Splinter/Flickr

The EU faces an employment, an environmental and a public health crisis, write Olivier De Schutter and Carlo Petrini in their article for Politico. In order to address these pressing problems "Europe doesn’t need an agricultural policy; it needs a food policy. Rather than focusing on what subsidies go to which farmers, the EU should be thinking much bigger." They argue that an ambitious reform of food and farming systems could provide the starting point to solve Europe’s multiple crises.

 

"Sustainable food systems can underpin a new economic vision, one in which creative solutions are provided to long-term problems, in which a circular economy and green jobs are more than just rhetoric, and in which the costs of supporting decent jobs and public health are weighed up against the price of inaction. European democracy can be re-energized by giving people a say in the things they most care about. We can start with what they put on their plates."

 

Read the full article here.

 

IWE 21.02.2017

 

Übergabe des "Memorandum" an Organisationen der Bundesregierung & der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Berlin, 23.01.2017

 

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

 

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

 

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin.

Memorandum-122016 .pdf
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Hamburg könnte sich regional und ökologisch ernähren

Nicolai Kwasniewski, Der Spiegel

 

André Hofmeister/Flickr

"Wenn es um unsere Lebensmittelversorgung geht, sind wir durchglobalisiert: Brasilianisches Soja wird an Schweine in Deutschland verfüttert. Lkw kutschieren Tomaten von Sizilien nach Dänemark, ägyptische Kartoffeln landen in deutschen Supermärkten. Mit dem Idealbild kleinbäuerlicher Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun - dabei wächst die Sehnsucht der Verbraucher nach regionaler Versorgung. Aber geht das überhaupt?

 

Eine Studie der Hamburger HafenCity Universität (HCU) hat das am Beispiel der Hansestadt jetzt untersucht. Das Ergebnis: Bauern aus einem Umkreis von 100 Kilometern können die Bewohner Hamburgs und seines Umlands vollständig versorgen - allerdings nur unter einer ganzen Reihe optimistischer Annahmen."

 

Lesen Sie den kompletten Artikel von Nicolai Kwasniewski für den Spiegel hier.

 

IWE Berlin, 12.12.2016

 

„Bloß keinen Marshallplan für Afrika!“

Kölner Memorandum für eine andere Entwicklungspolitik

 

Andrea Moroni/Flickr

Über den Stand der deutschen Entwicklungspolitik und die daraus zu ziehenden Konsequenzen  haben auf einer Tagung des „Bonner Aufrufs“ in Köln Wissenschaftler, Praktiker aus der Entwicklungszusammenarbeit, afrikaerfahrene Diplomaten und weitere Fachleute beraten.
 
Sie haben ein „Kölner Memorandum“ beschlossen, das aus einem knappen Katalog von Feststellungen und Forderungen besteht (Memorandum) sowie aus ausführlicheren Erläuterungen.
 
Zu den Autoren des Memorandums gehören unter anderen: Prof. Dr. Hans F. Illy, Prof. Dr. Peter Molt, Prof. Dr. Franz Nuscheler, Prof. Dr. Rainer Tetzlaff, Dr. Karl Addicks, ehem. entwicklungspolit. Sprecher der FDP im Bundestag, Klaus Thüsing, ehem. SPD-MdB, 15 Jahre DED-Landesdirektor in Afrika, Volker Seitz, 17 Jahre Diplomat in Afrika, Autor („Afrika wird armregiert“), Kurt Gerhardt, Bonner Aufruf, sowie Dr. Wilfried Bommert (IWE).

 

IWE Berlin, 07.12.2016

 

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Cities increasingly seen as key to strong food systems

Gregory Scruggs, Citiscope

 

Christopher Porter/Flickr

"To paraphrase a famous saying by Napoleon Bonaparte, a city marches on its stomach. That, at least, is the thinking of the United Nations’ food specialists, who argue that urban development is the new locus of action to solve hunger and nutrition.

 

They made their case in the run-up to last month’s Habitat III summit on urbanization, where nation states adopted a 20-year sustainability strategy known as the New Urban Agenda. The once-in-a-generation event caused some rethinking of long-held orthodoxies in the food-security community — namely, a belief that to tackle hunger, one must go back to the land."

 

Read full article here.

 

IWE Berlin, 28.11.2016

 

Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

IWE-Dossier: 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt

 

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren - Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

 

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

 

Mehr Informationen sowie das Dossier "Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt" zum Download finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 15.11.2016

 

Demokratisierung des Saatgutmarkts

Open Source Lizenzen

 

Public Domain/US Departement of Agriculture

Im Rahmen ihres Dossiers zum Thema Welternährung interviewte die Redaktion der Bundeszentrale für politische Bildung Lisa Minkmar zu dem Ansatz mehrerer Initiativen, den Saatgutmarkt mittels Open Source zu demokratisieren.

 

Über die Idee von "Open Source Saatgut" sagte Lisa Minkmar der bpb: "Zum einen ist es die Vorstellung, dass Pflanzenzüchtung und das dazugehörige Saatgut Gemeingut sind und nicht mit Eigentumsrechten belegt sein sollten. Und es geht darum, die Pflanzenvielfalt zu erhalten. Vor allem in der Landwirtschaft ist diese schon stark zurückgegangen. Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger ist die Privatisierung der Züchtung durch geistige Eigentumsrechte. Um die Vielfalt zu erhalten, gibt es also jetzt die Überlegung, das Saatgut, zumindest teilweise, wieder von Eigentumsrechten zu befreien.

 

International könnte es kleinbäuerliche Strukturen schützen, wenn man die Bauern von den Rechteinhabern unabhängig macht. Denn der Zugang zu Saatgut und das, was man damit machen darf, sind oft durch strenge Eigentumsrechte geregelt. Wenn man diese rechtlichen Strukturen aufweicht, könnte man vielen Kleinbauern die Arbeit erheblich erleichtern. Zudem ließen sich so die genetischen Ressourcen indigener Gruppen z.B. in Süd- und Mittelamerika, wo die Biodiversität besonders hoch ist, anerkennen und schützen. Das Saatgut und das zugehörige Wissen könnte nicht mehr von Unternehmen übernommen, für kommerzielle Sorten verwendet und dann mit Schutzrechten belegt werden, wenn ein Open Source System ähnlich dem bei Software bestehen würde."

 

Das vollständige Interview mit Lisa Minkmar finden Sie hier.
Zum bpb-Dossier zum Thema Welternährung geht es hier.

 

IWE Berlin, 26.09.2016

 

Versteckte Kosten in der industriellen Landwirtschaft

Studie der Uni Augsburg

 

Marcus Meissner/Flickr

Die vom Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ bei der Universität Augsburg in Auftrag gegebene Studie „Monetarisierung externer Effekte in der Landwirtschaft“ präsentiert deutliche Ergebnisse.

 

Viele Praktiken der industriellen Landwirtschaft verursachen immense „verdeckte Kosten“ aufgrund ihrer negativen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt, die aber in den Preisen, die wir für unsere Lebensmittel bezahlen, nicht oder nur ungenügend abgebildet werden.

 

In der Augsburger Studie wurden zwei von mindestens einem Dutzend Folgekosten-Faktoren der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft – Antibiotikaresistenzen und Nitrat-/Stickstoffbelastung – sowie ihre Auswirkung auf die Preisentwicklung von Lebensmitteln berechnet.

 

Über die gesellschaftlichen Folgekosten von Antibiotikaresistenzen aus der industriellen Intensivtierhaltung können die Wissenschaftler keine Aussage treffen - die Informationslage ist aufgrund fehlender Meldepflicht und Transparenz völlig unzureichend.

 

Durch die Nitrat-/Stickstoffbelastung ergeben sich den Berechnungen zufolge allein für Deutschland externe Folgekosten von über 10 Milliarden Euro jährlich. Darunter fallen zum Beispiel die Kosten für die Reinigung des Trinkwassers oder Kosten des Gesundheitssystems durch Folgeerkrankungen. Auf die Lebensmittelpreise umgelegt, entspräche das einem Preisaufschlag von fast zehn Prozent für konventionell-tierische Lebensmittel; für biologisch-tierische Nahrungsmittel lägen die Mehrkosten bei nur vier Prozent.

 

Zur vollständigen Pressemitteilung des Aktionsbündnisses Artgerechtes München geht es hier.

 

IWE Berlin, 22.09.2016

 

"Bayer kauft sich mit Monsanto einen schlechten Ruf"

Interview mit Wilfried Bommert im WDR 5 Morgenecho

 

WDR 5/Twitter Screenshot

Monsanto hat wegen seiner Saatgutstrategie und dem Fokus Genfood nicht unbedingt den besten Ruf. Daher glaubt Wilfried Bommert, Leiter des Instituts für Welternährung, an eine Strategieänderung der Bayer AG "Bayer wird Bayer über Monsanto kleben", um den schlechten Ruf zu verwischen.

 

 

Hören Sie das komplette Interview hier.

 

IWE Berlin, 16.09.2016

 

Bayer und Monsanto: Eine Ehe, zum Scheitern verurteilt

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Stephen Melkisethian/Flickr

Sie haben es also doch geschafft. Bayer heiratet Monsanto. Kosten: 66 Milliarden. Das Geld will verdient sein. Die Frage ist nur, wie. Denn das Geschäftsmodell, das dem Brautkauf zu Grunde liegt, ist brüchig.

Die industrielle Landwirtschaft mit Gentech-Hochleistungspflanzen und Pestiziden von Bayer und Monsanto könnte schon bald an ihre Grenzen kommen.

 

Nicht weil die Welt aufhört zu essen. Nein, die Weltbevölkerung wird wachsen und sie wird auch jeden Tag satt werden wollen. Sondern weil der Treibstoff dieser Form der Landwirtschaft, der synthetische Stickstoffdünger, ein massives Problem hat, ein Treibhausgasproblem.

 

Synthetischer Stickstoff ist einer der größten Treiber im Treibhaus Erde. Und wer die Welt vor dem Klimakollaps retten will, kommt nicht daran vorbei hier Grenzen zu setzen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird der Klimagasausstoß gegen Null gehen müssen, sonst ist das Klimaziel der Weltgemeinschaft von 2 Grad nicht zu halten. Und das wäre das Ende des synthetischen Stickstoffs.

 

Wenn aber der synthetische Stickstoff aus Klimagründen aus dem Verkehr gezogen werden muss, dann können sich auch die Gentech-Hochleistungspflanzen nicht mehr halten, denn sie sind auf ihn angewiesen. Was dann die Welt ernähren wird, ist eine Landwirtschaft, die ohne synthetischen Stickstoff auskommen muss. Es wird eine Ökologische sein. Und die verträgt sich überhaupt nicht mit dem zweiten Geschäftsfeld dieser Ehe, den Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden.

 

Was dann? Dann ist die Ehe gescheitert. Und die 66 Milliarden, die sie gekostet hat, in den Wind gesetzt? Auch wenn der Jubel über die Eheschließung laut ist, er wird nicht von Dauer sein.

 

IWE Berlin, 15.09.2016

 

Agrarexperten fordern strengere Düngegesetze für Klimaschutz

Bisher kaum Sanktionsmechanismen

 

Barockschloss/Flickr

Wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will, müsse sie strengere Gesetze gegen Überdüngung erlassen, so Agrarexperten. Seit 2004 sei der jährliche Stickstoff-Überschuss hierzulande kaum zurückgegangen, sagte der  Kieler Agrarwissenschaftler Friedhelm Taube der dpa. Er entspreche 250 000 LKW-Ladungen Stickstoff-Dünger.

 

Für Landwirte gebe es bisher kaum Sanktionsmechanismen. Deutschland sei "spät dran", sagte Taube und verwies auf Nachbarländer wie Dänemark, die ähnlich intensiv landwirtschaftlich genutzt würden, aber strengere Düngegesetze hätten und dadurch ihre Nitratbelastung senken konnten.

 

Die vollständige dpa-Mitteilung finden Sie u.a. hier.

 

IWE Berlin, 08.09.2016

 

Nachfolgestudie zum ökologischen Fußabdruck des Menschen

Landwirtschaft spielt dramatische Rolle

 

Roy Luck/Flickr

Die Studie "The Human Footprint and the last of the Wild" wurde erstmals 2002 veröffentlicht. Für die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks des Menschen griff sie auf Daten aus den frühen 1990er Jahren zurück. Jetzt liegt eine Nachfolgestudie vor, die die Jahre von 1993 bis 2009 abdeckt.

 

In einem Beitrag für den Deutschlandfunk fasst Volker Mrasek die Resultate zusammen: "Um mit dem positiven Ergebnis zu beginnen: Die Weltbevölkerung nahm in den 16 Jahren viel stärker zu als ihr ökologischer Fußabdruck, und zwar um fast 25 Prozent. Die menschlichen Eingriffe in die Natur dagegen nur um neun." Wo es einen starken Trend zur Urbanisierung gebe, sei der Fußabdruck des Menschen sogar schwächer geworden, entlastet würde die Natur zudem durch wirkungsvolle Umweltschutz-Gesetze.

 

Dem gegenüber stehe die Fortsetzung des Raubbaus an der Natur in besonders schätzenswerten und artenreichen Ökosystemen. Während die erste Studie zu dem Ergebnis kam, dass 15 Prozent der Biodiversitäts-Hot-Spots noch unberührt seien, zeige die neue Studie, dass diese Zahl inzwischen auf 3 Prozent geschrumpft sei. In den Tropen würden immer noch große Waldflächen gerodet und in Äcker und Weiden verwandelt. "Die Landwirtschaft spielt eine dramatische Rolle bei der Vergrößerung unseres ökologischen Fußabdrucks", zitiert Mrasek den wissenschaftlichen Direktor der Wildlife Conservation Society James Watson.

 

"Diese verbleibenden drei Prozent unberührter Naturgebiete sind die letzten auf der Erde mit einer extrem hohen Biodiversität. Wir müssen sie unbedingt schützen. Sie zu verlieren wäre eine Katastrophe", so die Autoren der Studie.

 

Lesen Sie den kompletten Beitrag von Volker Mrasek im Deutschlandfunk hier.

 

Die Studie "Sixteen years of change in the global terrestrial human footprint and implications for biodiversity conservation" finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 30.08.2016

 

The $1 Trillion Mountain

The Actual Cost Of Food Waste

 

Eli Duke/Flickr

"Imagine receiving just 60 percent of your pay. Or when you send email, 40 percent are never delivered. We don’t tolerate 40 percent inefficiency in anything, yet we’ve come to accept it with the major resource that sustains the human race: our food", schreibt John Mandyck, Chief Sustainability Officer der United Technologies Corporation in seinem Gastbeitrag "The $1 Trillion Mountain: The Actual Cost of Food Waste" für die Huffington Post.

 

Während ein Drittel unserer Lebensmittel nie auf den Tellern landen würde, gingen mehr als eine Milliarde Menschen täglich hungrig zu Bett, so Mandyck. Die direkten ökonomischen Kosten der Lebensmittelverschwendung seien ein stetig wachsender Berg, der dem Gegenwert von 1 Billion US-Dollar entspräche. Mandyck verweist in seinem Beitrag auf die aktuelle Studie "A Roadmap to Reduce Food Waste" von ReFED. Laut dieser gibt die USA jährlich 218 Milliarden Dollar – oder 1,3 Prozent des BIP – für die Verarbeitung und den Transport von Lebensmitteln aus, die nie gegessen werden.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel von John Mandyck in der Huffington Post hier.

 

IWE Berlin, 29.08.2016

 

Gentechnik: Weniger effizient als erhofft?

Klaus Bachmann für GEO Magazin

 

Secretaria de Agricultura e Abastecimento/Flickr

"Bringt die Manipulation am Erbgut weniger als bisher erhofft?", fragt Klaus Bachmann im aktuellen GEO Magazin. Der Boom der „grünen Gentechnik“ habe der Forschung nur noch wenig Platz und Geld für die klassischen Methoden gelassen, der mühevollen Kreuzung und Selektion von Gewächsen mit gewünschten Eigenschaften.

 

Die Versuche mit manipuliertem Erbgut würden jedoch auch nach Jahren noch nicht die gewünschten Resultate liefern, da die Eigenschaften eines Organismus oft durch ein komplexes Netz aus Genen reguliert würden und das simplifizierende Ein-Gen-Konzept daher nur in seltenen Fällen funktioniere.


Die konventionellen Züchter hätten die Gentechnik inzwischen überholt, schreibt Bachmann und verweist auf neue Versuche. Mit den alten Zuchtmethoden konnte etwa das Wurzelwerk der Gartenbohne so optimiert werden, dass die Pflanzen Phosphor besser aufnehmen können. "Studien in Mosambik zufolge ernteten die Bauern dort dadurch dreimal so viele Bohnen wie bei herkömmlichen Sorten – 1500 Kilogramm pro Hektar statt 500." Es sei "immer eine gute Idee, vielfältige Ansätze zu verfolgen" statt in der Forschungsförderung zu sehr auf eine einzige Richtung zu setzen, folgert Bachmann.


Den vollständigen Artikel "Bringt die Manipulation am Erbgut weniger als bisher erhofft?" von Klaus Bachmann im GEO Magazin finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 26.08.2016

 

Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Kommentar von Wilfried Bommert zum Gesetzesentwurf von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung

 

Martin Abegglen/Flickr

Über den Umweg des Baurechts will die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Massentierhaltung in Deutschland eindämmen. Künftig sollen Kommunen selbst entscheiden können, ob sie den Bau von Megaställen zustimmen oder nicht. Zu den weiteren Plänen des Ministeriums gehört die Beseitigung eines Schlupflochs, das es Investoren ermöglicht, einen Megastall auf dem Papier in viele kleine Ställe aufzuteilen. Verschärft werden sollen für die Großbetriebe außerdem die Anforderungen an die Luftreinigung.  

 

Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Kommentar von Wilfried Bommert

 

"Barbara Hendricks will dem weiteren Ausbau der Massentierhaltung nicht mehr tatenlos zusehen. Die Bundesumweltministerin zieht die Notbremse. Das ehrt sie. Doch auf dem Weg in eine klimaverträgliche, nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft ist das nur ein erster Schritt. Eine Notbremse verhindert. In Zukunft aber geht es um Gestalten.

 

Es geht um ein neues Modell für eine Land- und Ernährungswirtschaft im 21. Jahrhundert, die wieder innerhalb der planetüren Grenzen operiert. Die weder den Klimawandel weiter anheizt, noch die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserreserven vernichtet. Die zur Stabilität der Welternährung durch Vielfalt und regionale Kreisläufe beiträgt. Die Bauern und Bäuerinnen wieder stolz sein lässt auf die Produkte ihrer Hände Arbeit. Die Anerkennung genießt, wegen ihrer Leistungen für das Wohl der Tiere und die Erhaltung unserer Landschaften.

 

Die Umweltministerin versucht mit ihrem Pfiff, die Politik ihres Kabinettskollegen publikumswirksam auszubremsen. Doch wenn sie die Landwirtschaft für das 21. Jahrhundert fit machen will, dann kommt sie an einer Agrar- und Ernährungswende nicht vorbei. Der Wahlkampf hat begonnen. Das wäre ein Thema, um das es sich zu kämpfen lohnte."

 

Das Video-Statement von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung und die "Informationspapiere zur Intensivtierhaltung" des BMUB finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 25.08.2016

 

Wer ernährt uns eigentlich?

Beitrag von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung 

 

Alan Levine, Flickr

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) widmet sich aktuell mit einem Dossier dem Thema Welternährung. Der Themenschwerpunkt startete mit einem Beitrag von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert unter dem Titel "Wer ernährt uns eigentlich?". Derzeit leben sieben Milliarden Menschen auf der Welt, im Jahr 2050 könnten es bereits 10 Milliarden sein. In seinem Beitrag gibt Wilfried Bommert einen Überblick darüber, woher unsere Nahrungsmittel kommen, wie sie gehandelt werden und wer die Regeln macht.

 

"Zwischen Köln und Kapstadt, New York und New Delhi leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen. Ihre Mehrzahl wird heute noch von Kleinbauern, genauer gesagt von Kleinbäuerinnen ernährt. Sie leben auf Höfen von weniger als zwei Hektar Größe (in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 60 Hektar), aber sie produzieren über 70 Prozent der Nahrung weltweit. Das meiste Farmland bewirtschaften jedoch große Betriebe mit mehr als 50 Hektar. Obwohl diese nur ein Prozent der Farmer ausmachen, bearbeiten sie 65 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Welt. Die industrielle Landwirtschaft, die das Agrarsystem in den Industrie- und Schwellenländern prägt, trägt bisher noch deutlich weniger zur Welternährung bei. Sie sorgt jedoch mit hohem Einsatz von Energie, Wasser, Dünger und Hochleistungspflanzen für Überschüsse, die exportiert werden können."

 

Den vollständigen Artikel von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie hier, das bpb-Dossier "Welternährung" hier.

 

IWE Berlin, 15.08.2016

 

Wie wirkungsvoll ist klimasmarte Landwirtschaft?

Helfen agrartechnologische Innovationen gegen Auswirkungen des Klimawandels?

 

aene gespinst/Flickr

Wie wirkungsvoll und wie sinnvoll ist klimasmarte Landwirtschaft wirklich? Also jene Landwirtschaft, die "smart" mit technologischen Innovationen die Landwirtschaft gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen will. "Gegen ausgelaugte Böden, Wassermangel und Extremwetter versuchen Agrarexperten weltweit mit neuen Technologien anzukommen." schreibt Susanne Schwarz in der Frankfurter Rundschau und erklärt am Beispiel Äthiopiens die Idee der CSA (Climate Smart Agriculture).

 

Doch: "Der Anbau der Super-Samen funktioniere oft nur mit teuren chemischen Düngern," spätestens nach drei Jahren sei es dann aus mit der guten Ernte und man müsse neue Samen kaufen. "Eine Falle für eine Agrarwirtschaft wie die afrikanische, die zu 85 Prozent von Kleinbauern betrieben wird." Zudem werden die vermeintlich klimasmarten Samen von Agrarkonzernen patentiert, während dagegen "Pflanzensorten, die für die global agierenden Konzerne keine Gewinne versprechen, vom Markt verschwinden." Sorten, die es braucht für Biodiversität, die wiederum Ökosysteme anpassungsfähiger gegenüber Wetterextreme macht.

 

Inkota und andere NGOs formulierten bereits im Juni das Postionspapier Klimasmarte Landwirtchaft - nein Danke! Darin heißt es u. a. "CSA fungiert als trojanisches Pferd für die Fortführung der Grünen Revolution, da es vielfach auf input-basierte, technische „Lösungen“ und mehr Ressourceneffizienz reduziert wird."

 

Doch in Afrika regt sich Widerstand und Organisationen wie die Alliance for Food Sovereignty in Africa oder regionale Bündnisse wie das kenianische African Biodiversity Network schließen sich zusammen, um ein nachhaltiges Gegenkonzept mit traditionellen Methoden zu stärken.

 

IWE Berlin, 22.07.216

 

Über Saat und Macht

DLF-Buchbesprechung "Saatgut" von Anja Banzhaf

 

Mit einer Buchbesprechung rekonstruiert der Deutschlandfunk den Kontext von Anja Banzhafs Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen. Das im Oekom-Verlag erschienene Buch gibt einen verständlichen und gründlichen Einblick, wie die Agrarindustrie versucht weltweit die Kontrolle über die Saat zu übernehmen. Gerade vor dem Hintergund von Kaufverhandlungen zwischen Monsanto und Bayer sowie der Glyphosat-Zulassungsdebatte bekommt das Buch neue Brisanz.

 

"Konzerne kaufen sich in verschiedene Bereiche entlang der Saatgut-Wertschöpfungskette ein. Insbesondere die Verquickung zwischen Chemie- und Saatgutkonzernen hat sich für diese als äußerst fruchtbar erwiesen: Fünf der sechs größten Pestizidhersteller gehören heute zugleich zu den zehn größten Saatgutkonzernen." so Banzhaf in ihrem Buch. 

 

"Die globale Vereinheitlichung in der Landwirtschaft hat aus komplexen Anbausystemen Monokulturen gemacht. Hierbei gingen nicht nur verschiedenste bäuerliche Anbaumethoden und kleinteilige Strukturen verloren, sondern auch die Sorten, die in diesen Systemen genutzt wurden. Schätzungen zufolge sind in den letzten 100 Jahren etwa 75 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt (...) vernichtet worden."

 

Britta Fecke, Deutschlandfunk, urteilt: "Diese wissenschaftlichen Exkurse sind allgemeinverständlich und dennoch präzise formuliert. Gelingt viel zu selten, hier aber sehr gut. Und was noch schöner ist: wer keine Zeit für einen Fachexkurs hat, versteht das nächste Kapitel trotzdem."

 

IWE Berlin, 10.07.2016

 

Klimaschutz: Geht es den Deutschen ans Fleisch?

Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 empfiehlt Halbierung des Fleischkonsums

 

Der Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 sorgt für Irritationen: Der Kohleausstieg ist auf eine hülsenhafte Andeutung reduziert. Immerhin wird indirekt eine Halbierung des Fleischkonsums vorgeschlagen (S. 50). Auch das stößt auf wenig Gegenliebe.

 

1,1 kg Fleisch pro Woche essen die Deutschen im Durchschnitt. Im Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 wurde nun die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DEG) als Richtlinie eingefügt: Demnach sollten nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche gegessen werden – auch aus gesundheitlichen Gründen. Wie dies umgesetzt werden würde, bleibt unklar – von einer Fleischsteuer ist im Entwurf jedenfalls nicht die Rede.

 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt lehnt die Pläne ab und kontert mit einer Milchjungenrechnung: „Die Landwirtschaft mag zwar acht Prozent der Emissionen erzeugen, sie ernährt aber auch 100 Prozent der Bevölkerung." Vielleicht sollte Schmidt den einzigen verfügbaren Planeten, die Temperaturdifferenz von 1,5°C und die zukünftig 10 Milliarden zu ernährenden Menschen in seine Berechnungen einbeziehen. Weitere relevante Zahlen zu Emissionen durch Landwirtschaft bzw- Nutztierhaltung: Methan ist 25-fach, Lachgas 298-fach klimaschädlicher als Kohlendioxid, so das Umweltbundesamt.

 

Das Ziel des Klimaschutzplans 2050 des BMUB ist es, mit konkreten Maßnahmen an die international vereinbarten Ziele der Klimakonferenz 2015 in Paris anzuknüpfen, darunter in erster Linie die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 °C v. a. durch die Reduktion von Treibhausgasen, die zu einem gewichtigen Teil auch durch Nutztierhaltung entstehen. 

 

IWE Berlin, 02.07.2016

 

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

GLS Bank

IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

Ihre Spende kann steuerlich geltend gemacht werden

Empfehlungen

Klimawandel ist die Sache der anderen? Falsch: Er wird uns schneller erreichen, als uns lieb ist und er trifft uns in unserer Komfortzone.  Die Saatgut-Monopole der Welt-Landwirtschaft haben auf die falschen Pflanzen gesetzt. Ihre Hochleistung lässt sich nicht durchhalten. Der Klimawandel zeigt der industriellen Landwirtschaft ihre Grenzen auf.

Wie Suffizienzpolitiken gelingen - eine Handreichung von Manfred Linz
Wuppertal Spezial Nr 52, Wuppertal Institut

Regional, innovativ und gesund

Nachhaltige Ernährung als Teil der Großen Transformation

Steven Engler, Oliver Stengel, Wilfried Bommert (Hg.)

1. Auflage 2016
Vandenhoeck & Ruprecht

 

 

 

 

 

 

 

Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt

Vorreiter einer globalen Ernährungswende - Ein Projekt des IWE

Forschung für die Ernährungwende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?
Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-wissenschaften im 21. Jahrhundert?

Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden?
 
Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

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