Food News

 

Feeding 9 billion – how can we have enough for all?

Tagesspiegel World Food Convention 2017

 

Neun Milliarden Menschen leben bald auf der Erde – und wollen satt werden. Die Ressourcen und Nahrung sind bereits jetzt ungleich verteilt. Anlässlich der ersten „World Food Convention“ am 22. Juni 2017 bringt der Tagesspiegel verschiedene Akteure in Berlin an einen Tisch, um zentrale Fragen zu diskutieren:


Soll die Landwirtschaft ökologischer oder effizienter werden? Soll sie ihre Märkte regional oder global definieren? Wie soll sie mit neuen Züchtungsmethoden und Technologien umgehen? Von wo darf das Futter für Nutztiere kommen? Müssen wir alle auf Fleisch verzichten? Wo muss der Staat eingreifen? Müssen die Preise für Lebensmittel in den Industrienationen steigen, damit wir ihren Wert erkennen?

 

Der eintägige Kongress richtet sich an Entscheidungsträger aus Wissenschaft, Politik, Diplomatie, Industrie und Verbänden in den Bereichen Nahrung, Umwelt und Landwirtschaft, darüber hinaus an Produzenten, Start-ups und interessierte Verbraucher. Die Teilnahme ist kostenlos.

 

Datum:     Donnerstag, 22. Juni 2017

Uhrzeit:      9 bis 18 Uhr, Einlass ab 8 Uhr

Ort:            BOLLE Säle, Alt-Moabit 98, 10559 Berlin

 

Weitere Informationen finden Sie hier. Zur Anmeldung geht es hier.

 

IWE Berlin, 13.06.2017

 

Ackern für die Zukunft – Lokale Landwirtschaft und globale Ernährungssouveränität

Seminar 5.-11. August 2017 in Sehlis bei Leipzig

 

Christian Weidinger/Flickr

Die globale Landwirtschaft ist weder gerecht noch nachhaltig. Die Folgekosten der weltweit vorherrschenden Produktions- und Konsumweisen von Nahrungsmitteln werden externalisiert und auf andere abgewälzt: In ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, Landraub, Tierquälerei oder dem Verlust von Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Besonders betroffen sind Millionen KleinbäuerInnen im Globalen Süden, deren Existenzen durch Marktschwankungen, Billigimporte oder den Klimawandel bedroht werden.

 

Doch es gibt Alternativen und immer mehr Menschen setzen sich aktiv für eine Ernährungswende ein. Im Seminar "Ackern für die Zukunft – Lokale Landwirtschaft und globale Ernährungssouveränität", das vom 5.-11. August 2017 in Sehlis bei Leipzig stattfindet und vom Konzeptwerk Neue Ökonomie organisiert wird, soll diesen Entwicklungen nachgegangen werden. Die TeilnehmerInnen lernen einen Hof solidarischer Landwirtschaft kennen, kommen mit den beteiligten Menschen ins Gespräch und beschäftigen sich mit den dahinter liegenden Ideen. Durch Praxisworkshops und Mitarbeit wird ein intensiver Einblick in die alltäglichen Abläufe ermöglicht. Darüber hinaus beschäftigt sich das Seminar mit den politischen Fragen rund um eine sozial-ökologische Transformation in der Landwirtschaft:

 

– Wie sind die globalen Machtverhältnisse im Ernährungsbereich?
– Wer bestimmt darüber, was wir essen?
– Welche Vorstellungen einer zukunftsfähigen Landwirtschaft bestehen im politischen

   Diskurs?
– Was macht Bio anders?
– Was bedeutet Ernährungssouveränität ganz konkret und vor Ort?
– Welche Landwirtschaft wünschen wir uns und was können wir persönlich zu einer

   Ernährungswende beitragen?

 

Die TeilnehmerInnen sind herzlich eingeladen, ihre Zelte auf der Apfelwiese der Roten Beete aufschlagen. Neben dem Inhaltlichen besteht Zeit zum Ausspannen, Spielen und den Sommer genießen an einem schönen Ort im Grünen. Das Seminar bietet viele Gelegenheiten eigene Bezüge zum Thema einzubringen, kann aber auch von Menschen ohne viel Vorwissen besucht werden.

 

Das Seminar findet vom 5.-11. August 2017 in Sehlis bei Leipzig statt und steht allen interessierten Menschen offen. Plätze: max. 25, TeilnehmerInnenbeitrag nach Selbsteinschätzung: 70-130 Euro. Mehr Informationen hier. Anmeldung bis 30. Juni 2017 an seminare@knoe.org

 

IWE Berlin, 6.06.2017

 

Online-Video-Kurs „Nachhaltigkeit in der Ernährung“

Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung

 

Der Online-Video-Kurs „Nachhaltigkeit in der Ernährung“ der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung ist ab sofort auf YouTube verfügbar. In 18 Lerneinheiten von jeweils 30-60 Minuten Laufzeit behandelt der Kurs auf regionaler, nationaler und globaler Ebene die Auswirkungen von Ernährungsverhalten & Ernährungssystemen auf Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit und Kultur.

 

Ausgangspunkt der Reihe sind globale Herausforderungen wie Klimawandel, Armut/Welthunger, Wassermangel, Existenzsicherung kleiner und mittlerer Betriebe sowie ernährungsmitbedingte Krankheiten. Zentral ist die Vermittlung praktischer Lösungsmöglichkeiten anhand von sieben „Grundsätzen für eine Nachhaltige Ernährung“.

 

Teilnehmende des Online-Kurses werden befähigt, die Auswirkungen des persönlichen Ernährungsverhaltens und der globalen Ernährungssysteme kritisch zu hinterfragen sowie Lösungsmöglichkeiten zu identifizieren und umzusetzen. Sie bilden sich über ganzheitliche Zusammenhänge von „Nachhaltigkeit in der Ernährung“ intensiv fort und werden angeregt, das erworbene Wissen in ihre Berufspraxis zu integrieren und professionell weiterzugeben.

 

Den Online-Video-Kurs "Nachhaltigkeit in der Ernährung" finden Sie hier.

 

Ergänzend gibt es alle Foliensätze mit der Literatur-Dokumentation sowie eine ausführliche Projektbeschreibung zum Download. 

 

IWE Berlin, 1.06.2017

 

Food Revolution 5.0 - Gestaltung für die Gesellschaft von morgen

Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG)

 

Austin Stewart, Second Livestock, 2014, digital bearbeitetes Bild, ausgestopftes Huhn mit VR-Headset, ©Austin Stewart

Essen ist ein Sinnbild für das Leben, stiftet Identität, Heimat und kulturelle Regeln. Für den Ethnologen Claude Levi-Strauss markiert das Kochen von Nahrung die erste kulturelle Handlung des Menschen und damit den Beginn von Zivilisation und Handwerk. In der heutigen Überflussgesellschaft hat sich Essen zum kreativen Selbstdarstellungsmittel und zur Ersatzreligion entwickelt.

 

Auf der anderen Seite machen explosionsartig steigende Bevölkerungszahlen, der Klimawandel, Ressourcenknappheit, Hunger und Armut, wachsende Anforderungen an Gesundheit und Hygiene sowie geopolitische Krisen ein Umdenken bezüglich Produktion, Verpackung, Vertrieb, Konsum und Entsorgung dringend notwendig.

 

In der Ausstellung "Food Revolution 5.0" beschäftigt sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) mit einer der dringlichsten Fragen des 21. Jahrhunderts: Wie sieht die Zukunft unserer Ernährung aus? "Food Revolution" stellt über 30 internationale Designer mit ihren zukunftsweisenden Vorstellungen, Ideen und Entwürfen vor. Es sind Statements, die als Best Practise Vorschläge für das Hier und Jetzt funktionieren. Andere stellen spekulative Projekte dar, die mögliche Zukunftsszenarien aufzeigen vor derm Hintergrund der Frage: Was wäre wenn...?

 

Die Ausstellung "Food Revolution 5.0" ist vom 19. Mai bis zum 29. Oktober 2017 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 18.05.2017

 

Eine Welt ohne Hunger - Ist das möglich?

IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert zu Gast bei Bayern 2 und ARD-alpha

 

IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert war als Gast bei Moderator Christoph Peerenboom zum Tagesgespräch "Eine Welt ohne Hunger - Ist das möglich?" auf Bayern 2 und ARD-alpha eingeladen.

 

Anlass der Sendung war eine G20-Konferenz in Berlin, zu der das deutsche Entwicklungsministerium vor dem Hintergrund der aktuellen Hungerkrise in Teilen Afrikas und Asiens eingeladen hatte.

 

Das Tagesgespräch ging den Fragen nach: Wie könnte sie aussehen, eine Welt ohne Hunger? Was müsste sich in der Landwirtschaft, in der Forschung, in der globalen wie lokalen Politik ändern, um ein solches Ziel zu erreichen?

 

Die Sendung zum Nachhören finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 03.05.2017

 

Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen

Radio-Feature-Reihe von Tanja Busse

 

Thomas Kohler/Flickr

Am Sonntag, den 23.4. startet die vierteilige Radio-Feature-Reihe „Tiefenblick: Landwirtschaft und die Folgen“ von Tanja Busse bei WDR5. Sie untersucht, wie konventionelle Landwirtschaft die Ressourcen gefährdet, die Grundlage unserer Nahrung sind und welche Spielräume Landwirte haben, die entgegen des Marktdrucks Ressourcen schonend produzieren wollen.

 

Jede Folge widmet sich einem thematischen Schwerpunkt - von "Von der Trübung des Wassers", das die Reihe eröffnet, über "Vom Sterben des Bodens" bis zu "Vom Schwinden der Arten" und "Von der Schärfe der Luft". Die jeweils 30-minütige Feature-Reihe wird an vier aufeinanderfolgenden Sonntagen morgens um 8.05 Uhr gesendet und abends um 22.30 Uhr wiederholt.

 

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 22.04.2017

 

Es geht voran – gemeinsam stark!

Bericht über die Veranstaltung "München auf dem Weg zur Ernährungswende"

 

v.l.: Maurice Attenberger (Regionalleiter GLS Bank München), Valentin Thurn (Ernährungsrat Köln), Anja Salewski (Moderation), Jürgen Müller (Kartoffelkombinat e.V.), Michael Böhm (Ecozept), Angela Hartmann (Kinderleicht e.V.), Agnes Streber (Projektleitun

„Wo steht München auf dem Weg zur Ernährungswende? Darüber diskutierten rund 80 Teilnehmer/innen, darunter Vertreter/innen von über 20 lokalen Umwelt- und Ernährungsinitiativen bei der Veranstaltung „Lokal statt  global- gutes Essen als lokale Politik“, zu der das Institut für Welternährung (IWE) am Donnerstag (30.03.2017) in München in die Räume der GLS-Bank geladen hatte.

 

Vorräte für maximal drei Tage
Dass eine Ernährungswende unumgänglich sei, daran ließ der Sprecher des Instituts für Welternährung Wilfried Bommert keinen Zweifel. Großstädte wie München besitzen kaum Ernährungssicherheit, ihre Vorräte reichen für maximal drei Tage. Hinzu kommt der Klimawandel, die Vernichtung von Boden, das Schrumpfen der Grundwasservorräte durch industrielle Landwirtschaft und weite Transporte der globalen Nahrungskette. Sein Fazit: „Unsere Ernährung ist nicht mehr sicher. Neue Ernährungskonzepte müssen her. Die Ernährung wird sich in Zukunft aus der Region speisen, bio und fair.“

 

IWE Berlin, 4.04.2017

 

Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern

Angela Schmid für Süddeutsche Zeitung

 

W***/Flickr

In Ihrem Beitrag "Mit Abwasser gezogenes Gemüse soll Ernährung sichern" für die Süddeutsche Zeitung schreibt Angela Schmid über die Vorteile der Hydroponik: Das Verfahren spare Wasser, Dünger und Pestizide und steigere die Erträge. 70 Prozent des globalen Trinkwassers werden in der Landwirtschaft verbraucht.

 

Wissenschaftler des Projekts HypoWave in der Nähe von Wolfsburg untersuchen nun, ob sich Gemüse statt in Trinkwasser auch in gereinigtem Abwasser ziehen ließe. Dies würde die Effizienz der Hydroponik noch einmal steigern und vor allem die weltweit zunehmend knappe Ressource Wasser schonen.

IWE Berlin, 21.3.2017

 

Lebensmittelverschwendung: Falsche Zahlen

Ernährungsminister Christian Schmidt schiebt Verbrauchern schwarzen Peter zu

 

Foodsharing unterstützt den Vorstoß der nordrhein-westfälischen Landesregierung im Bundesrat, und fordert die Bundesregierung auf, ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung auf den Weg zu bringen. Das haben bereits die EU-Länder Frankreich, Italien und Finnland erfolgreich getan.

 

87 % aller Deutschen wollen solch ein Gesetz, wie eine Umfrage von Abgeordnetenwatch zeigt. In diesem Sinne hat Foodsharing mit der Aktion “Leere Tonne” 50.000 Unterschriften gesammelt und dem Ernährungsministerium in Berlin übergeben.

 

Doch das will nichts tun und schiebt jetzt mit gezinkten Zahlen den schwarzen Peter dem Verbraucher zu: "Der Großteil unserer Lebensmittelabfälle entsteht in den Privathaushalten, da können wir mit einem Gesetz nichts erreichen", sagte Bundesernährungsminister Christian Schmidt der "Saarbrücker Zeitung". Sein Ministerium verweist darauf, dass eine Studie der Universität Stuttgart herausgefunden habe, der Müll stamme zu 61 Prozent vom Verbraucher.

 

Doch diese Zahl ist irreführend. Das Ministerium hatte diese Studie 2012 in Auftrag gegeben, mit der Auflage, dass die Forscher die Landwirtschaft nicht untersuchen sollten. “Wenn ein solch großer Bereich ausgeklammert wird, ist eine Prozentzahl unzulässig”, kritisiert Foodsharing-Vorstandsmitglied Valentin Thurn. “Jeder, der die Zahl liest, geht doch davon aus, dass der Anteil vom Gesamt-Müllberg gemeint ist.”

 

Der WWF geht in seiner Studie “Das große Wegschmeissen” von einem Verbraucher-Anteil von 39 % aus, Studien aus Nachbarländern liegen um 40 - 42 %. Valentin Thurn: “Immer noch viel, aber das heißt auch, dass der Anteil von Handel und Industrie vom Bundesernährungsminister bewusst kleingerechnet wird.” Unter dem Einfluss der Lobby sollen keine gesetzlichen Maßnahmen unternommen werden.

 

Das ist besonders schlimm, weil Gegenmaßnahmen hier besonders wirksam wären: Laut WWF-Studie sind bei Handel und Industrie 90 % der Abfälle vermeidbar. Beim Verbraucher hingegen liegt der vermeidbare Anteil bei vergleichsweise niedrigen 70%. Ein Gesetz sollte deshalb zuvorderst in der Wirtschaft ansetzen, sonst kann die Regierung in Berlin ihr Ziel, den Lebensmittelmüll bis 2030 zu halbieren, nie erreichen.

 

Mehr dazu hier.

 

IWE Berlin, 2.03.2017

 

Studie: Viele Pestizide sind überflüssig

Kathrin Zinkant, Süddeutsche Zeitung

 

eLKayPics/Flickr

"Mehr als 46 000 Tonnen Ackergift wurden in Deutschland im Jahr 2014 abgesetzt, gut 10 000 Tonnen mehr als 2006. Schon lange fordern Umweltverbände und grüne Politiker, die Entwicklung umzukehren. Im Fokus stand zuletzt der Unkrautvernichter Glyphosat. Aber auch andere Herbizide sowie Insektengifte und Antipilzmittel werden kritisiert, weil sie sehr häufig auch Nützlinge töten und das ökologische Gleichgewicht zerstören. Flüchten konnte sich die Agrarwirtschaft da eigentlich nur noch in die Behauptung, ohne Pestizide ließen sich die Erträge nicht halten.

 

Bloß, ist das wirklich so? Aus der Wissenschaft ist jetzt ein ganz anderer Befund zu vernehmen. Wie französische Agrarökologen im Fachblatt Nature Plants schreiben, hat ein teilweiser Verzicht auf Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichter nur selten negative Folgen für die Ernte.

 

Das Team um Nicolas Munier-Jolain vom Institut Nationale de la Recherche Agronomique (INRA) in Dijon hatte Daten aus den Jahren 2009 bis 2011 analysiert. Fast 1000 französische Bauernhöfe wurden berücksichtigt. Das Fazit: Knapp 60 Prozent der Betriebe könnten ihren Pestizidverbrauch um durchschnittlich 42 Prozent senken - ohne Abstriche im Ertrag. Es ist die erste Analyse dieser Art. Und die erste, die in solcher Deutlichkeit dafür spricht, den Einsatz von Ackergiften drastisch zu reduzieren."

 

Zum vollständigen Artikel der Süddeutschen Zeitung geht es hier.

 

IWE Berlin, 1.03.2017

 

Time to put a Common Food Policy on the menu

Olivier De Schutter & Carlo Petrini, Politico

 

Hans Splinter/Flickr

The EU faces an employment, an environmental and a public health crisis, write Olivier De Schutter and Carlo Petrini in their article for Politico. In order to address these pressing problems "Europe doesn’t need an agricultural policy; it needs a food policy. Rather than focusing on what subsidies go to which farmers, the EU should be thinking much bigger." They argue that an ambitious reform of food and farming systems could provide the starting point to solve Europe’s multiple crises.

 

"Sustainable food systems can underpin a new economic vision, one in which creative solutions are provided to long-term problems, in which a circular economy and green jobs are more than just rhetoric, and in which the costs of supporting decent jobs and public health are weighed up against the price of inaction. European democracy can be re-energized by giving people a say in the things they most care about. We can start with what they put on their plates."

 

Read the full article here.

 

IWE 21.02.2017

 

Übergabe des "Memorandum" an Organisationen der Bundesregierung & der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Berlin, 23.01.2017

 

Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, die von der Bundesregierung Anfang Januar 2017 beschlossen wurde, läuft ins Leere, wenn sie keine solide Basis in der deutschen Forschungslandschaft erhält. Dies stellt das „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ fest, das heute von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen der Bundesregierung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft übergeben wird.

 

Die Regierung fordere in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie zwar den Ausbau der Ökologischen Landwirtschaft und eines gesunden Ernährungssystems. Bisher jedoch fließt der weitaus größte Teil der Forschungsförderung in Deutschland noch immer in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie.

 

„Die ist eine Fehlallokation von Steuergeldern und trägt nicht dazu bei, die in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Sie werden vielmehr gefährdet“, erklärt Dr. Wilfried Bommert, der Sprecher des Instituts für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin.

Forschungswende zur Sicherung der Welternährung

Breites Bündnis der Zivilgesellschaft fordert Paradigmenwechsel

 

Sind die öffentlichen Gelder, die in die Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung investiert werden, richtig investiert? Sie könnten sich als Fehlinvestitionen mit schwer wiegenden Konsequenzen erweisen. Darauf weist ein Bündnis von fünf zivilgesellschaftlichen Organisationen hin. Gemeinsam legen sie heute in Berlin ein „Memorandum für eine Forschungswende zur Sicherung der Welternährung“ vor. Getragen wird das Memorandum vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Germanwatch, Institut für Welternährung - World Food Institute (IWE), Naturfreunde Deutschland und Slow Food Deutschland.
 
Das Memorandum stellt fest: „Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden Menschen erfordert eine grundlegende Wende des Agrar- und Ernährungssystems und seiner Wissenschaften.“
 
Die Bundesregierung habe im Rahmen der Agenda 2030 gemeinsam mit der Staatengemeinschaft beschlossen, den Hunger auf der Welt bis 2030 zu beenden, eine gesunde  Ernährung der Weltbevölkerung zu gewährleisten und dies durch Förderung einer nachhaltigen ökologischen Landwirtschaft zu unterstützen. Bisher jedoch fließe der weitaus größte Teil der Forschungsmittel immer noch in den weiteren Ausbau der industrialisierten Landwirtschaft und der hochverarbeitenden Ernährungsindustrie, die dieses Ziel nicht erreichen können, es vielmehr gefährden. Hier müssten die Weichen neu gestellt werden.
 
„Wenn die Bundesregierung ernsthaft Fluchtursachen bekämpfen will“, betont Dr. Wilfried Bommert, Sprecher des Institut für Welternährung - World Food Institute e.V., „dann muss sie eine Neuverteilung der öffentlichen Fördermittel zur Erforschung einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Ernährung auf den Weg bringen. Nur so ist Hunger als Fluchtursache zu überwinden.“
 
Die Initiatoren verstehen das Memorandum als einen Anstoß zur notwendigen Veränderung von Förderungszielen und Auswahlprozessen. Sie erklären sich bereit, die Umorientierung in Forschung und Lehre zur Sicherung der Welternährung zu unterstützen.

 

IIWE Berlin, 15.12.2016

 

Memorandum-122016 .pdf
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Hamburg könnte sich regional und ökologisch ernähren

Nicolai Kwasniewski, Der Spiegel

 

André Hofmeister/Flickr

"Wenn es um unsere Lebensmittelversorgung geht, sind wir durchglobalisiert: Brasilianisches Soja wird an Schweine in Deutschland verfüttert. Lkw kutschieren Tomaten von Sizilien nach Dänemark, ägyptische Kartoffeln landen in deutschen Supermärkten. Mit dem Idealbild kleinbäuerlicher Landwirtschaft hat das nichts mehr zu tun - dabei wächst die Sehnsucht der Verbraucher nach regionaler Versorgung. Aber geht das überhaupt?

 

Eine Studie der Hamburger HafenCity Universität (HCU) hat das am Beispiel der Hansestadt jetzt untersucht. Das Ergebnis: Bauern aus einem Umkreis von 100 Kilometern können die Bewohner Hamburgs und seines Umlands vollständig versorgen - allerdings nur unter einer ganzen Reihe optimistischer Annahmen."

 

Lesen Sie den kompletten Artikel von Nicolai Kwasniewski für den Spiegel hier.

 

IWE Berlin, 12.12.2016

 

„Bloß keinen Marshallplan für Afrika!“

Kölner Memorandum für eine andere Entwicklungspolitik

 

Andrea Moroni/Flickr

Über den Stand der deutschen Entwicklungspolitik und die daraus zu ziehenden Konsequenzen  haben auf einer Tagung des „Bonner Aufrufs“ in Köln Wissenschaftler, Praktiker aus der Entwicklungszusammenarbeit, afrikaerfahrene Diplomaten und weitere Fachleute beraten.
 
Sie haben ein „Kölner Memorandum“ beschlossen, das aus einem knappen Katalog von Feststellungen und Forderungen besteht (Memorandum) sowie aus ausführlicheren Erläuterungen.
 
Zu den Autoren des Memorandums gehören unter anderen: Prof. Dr. Hans F. Illy, Prof. Dr. Peter Molt, Prof. Dr. Franz Nuscheler, Prof. Dr. Rainer Tetzlaff, Dr. Karl Addicks, ehem. entwicklungspolit. Sprecher der FDP im Bundestag, Klaus Thüsing, ehem. SPD-MdB, 15 Jahre DED-Landesdirektor in Afrika, Volker Seitz, 17 Jahre Diplomat in Afrika, Autor („Afrika wird armregiert“), Kurt Gerhardt, Bonner Aufruf, sowie Dr. Wilfried Bommert (IWE).

 

IWE Berlin, 07.12.2016

 

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Cities increasingly seen as key to strong food systems

Gregory Scruggs, Citiscope

 

Christopher Porter/Flickr

"To paraphrase a famous saying by Napoleon Bonaparte, a city marches on its stomach. That, at least, is the thinking of the United Nations’ food specialists, who argue that urban development is the new locus of action to solve hunger and nutrition.

 

They made their case in the run-up to last month’s Habitat III summit on urbanization, where nation states adopted a 20-year sustainability strategy known as the New Urban Agenda. The once-in-a-generation event caused some rethinking of long-held orthodoxies in the food-security community — namely, a belief that to tackle hunger, one must go back to the land."

 

Read full article here.

 

IWE Berlin, 28.11.2016

 

Zerstört die Landwirtschaft das Klima?

IWE-Dossier: 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt

 

Das Weltklima wird ohne eine drastische Veränderung der Landwirtschaft nicht zu retten sein. Das ist das Ergebnis des Dossiers: „Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren - Wege aus einem globalen Konflikt“, das das Institut für Welternährung - World Food Institute e.V., Berlin, IWE, anlässlich der Klimakonferenz in Marrakesch vorlegt.

 

Die Landwirtschaft trägt global zu einem Viertel zur Klimabelastung bei. Zu den stärksten Treibern im System der modernen Agrarwirtschaft zählt der synthetische Stickstoffdünger. „Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung wird sein Gebrauch in Zukunft weiter massiv steigen,“stellt der Sprecher des IWE Dr. Wilfried Bommert fest. Bisher gebe es für diesen Bereich jedoch weder klare Reduktionsziele noch eine wirksame Begrenzungsstrategie. Auch in ihrem Klimaschutzplan für Marrakesch habe sich die Bundesregierung nicht dazu durchringen können, den synthetischen Stickstoff als Klimaproblem anzusprechen.

 

Mehr Informationen sowie das Dossier "Zerstört die Landwirtschaft das Klima? 10 Milliarden Menschen ernähren ohne das Weltklima zu ruinieren – Wege aus einem globalen Konflikt" zum Download finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 15.11.2016

 

Demokratisierung des Saatgutmarkts

Open Source Lizenzen

 

Public Domain/US Departement of Agriculture

Im Rahmen ihres Dossiers zum Thema Welternährung interviewte die Redaktion der Bundeszentrale für politische Bildung Lisa Minkmar zu dem Ansatz mehrerer Initiativen, den Saatgutmarkt mittels Open Source zu demokratisieren.

 

Über die Idee von "Open Source Saatgut" sagte Lisa Minkmar der bpb: "Zum einen ist es die Vorstellung, dass Pflanzenzüchtung und das dazugehörige Saatgut Gemeingut sind und nicht mit Eigentumsrechten belegt sein sollten. Und es geht darum, die Pflanzenvielfalt zu erhalten. Vor allem in der Landwirtschaft ist diese schon stark zurückgegangen. Das hat verschiedene Gründe. Ein wichtiger ist die Privatisierung der Züchtung durch geistige Eigentumsrechte. Um die Vielfalt zu erhalten, gibt es also jetzt die Überlegung, das Saatgut, zumindest teilweise, wieder von Eigentumsrechten zu befreien.

 

International könnte es kleinbäuerliche Strukturen schützen, wenn man die Bauern von den Rechteinhabern unabhängig macht. Denn der Zugang zu Saatgut und das, was man damit machen darf, sind oft durch strenge Eigentumsrechte geregelt. Wenn man diese rechtlichen Strukturen aufweicht, könnte man vielen Kleinbauern die Arbeit erheblich erleichtern. Zudem ließen sich so die genetischen Ressourcen indigener Gruppen z.B. in Süd- und Mittelamerika, wo die Biodiversität besonders hoch ist, anerkennen und schützen. Das Saatgut und das zugehörige Wissen könnte nicht mehr von Unternehmen übernommen, für kommerzielle Sorten verwendet und dann mit Schutzrechten belegt werden, wenn ein Open Source System ähnlich dem bei Software bestehen würde."

 

Das vollständige Interview mit Lisa Minkmar finden Sie hier.
Zum bpb-Dossier zum Thema Welternährung geht es hier.

 

IWE Berlin, 26.09.2016

 

Versteckte Kosten in der industriellen Landwirtschaft

Studie der Uni Augsburg

 

Marcus Meissner/Flickr

Die vom Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ bei der Universität Augsburg in Auftrag gegebene Studie „Monetarisierung externer Effekte in der Landwirtschaft“ präsentiert deutliche Ergebnisse.

 

Viele Praktiken der industriellen Landwirtschaft verursachen immense „verdeckte Kosten“ aufgrund ihrer negativen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt, die aber in den Preisen, die wir für unsere Lebensmittel bezahlen, nicht oder nur ungenügend abgebildet werden.

 

In der Augsburger Studie wurden zwei von mindestens einem Dutzend Folgekosten-Faktoren der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft – Antibiotikaresistenzen und Nitrat-/Stickstoffbelastung – sowie ihre Auswirkung auf die Preisentwicklung von Lebensmitteln berechnet.

 

Über die gesellschaftlichen Folgekosten von Antibiotikaresistenzen aus der industriellen Intensivtierhaltung können die Wissenschaftler keine Aussage treffen - die Informationslage ist aufgrund fehlender Meldepflicht und Transparenz völlig unzureichend.

 

Durch die Nitrat-/Stickstoffbelastung ergeben sich den Berechnungen zufolge allein für Deutschland externe Folgekosten von über 10 Milliarden Euro jährlich. Darunter fallen zum Beispiel die Kosten für die Reinigung des Trinkwassers oder Kosten des Gesundheitssystems durch Folgeerkrankungen. Auf die Lebensmittelpreise umgelegt, entspräche das einem Preisaufschlag von fast zehn Prozent für konventionell-tierische Lebensmittel; für biologisch-tierische Nahrungsmittel lägen die Mehrkosten bei nur vier Prozent.

 

Zur vollständigen Pressemitteilung des Aktionsbündnisses Artgerechtes München geht es hier.

 

IWE Berlin, 22.09.2016

 

"Bayer kauft sich mit Monsanto einen schlechten Ruf"

Interview mit Wilfried Bommert im WDR 5 Morgenecho

 

WDR 5/Twitter Screenshot

Monsanto hat wegen seiner Saatgutstrategie und dem Fokus Genfood nicht unbedingt den besten Ruf. Daher glaubt Wilfried Bommert, Leiter des Instituts für Welternährung, an eine Strategieänderung der Bayer AG "Bayer wird Bayer über Monsanto kleben", um den schlechten Ruf zu verwischen.

 

 

Hören Sie das komplette Interview hier.

 

IWE Berlin, 16.09.2016

 

Bayer und Monsanto: Eine Ehe, zum Scheitern verurteilt

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Stephen Melkisethian/Flickr

Sie haben es also doch geschafft. Bayer heiratet Monsanto. Kosten: 66 Milliarden. Das Geld will verdient sein. Die Frage ist nur, wie. Denn das Geschäftsmodell, das dem Brautkauf zu Grunde liegt, ist brüchig.

Die industrielle Landwirtschaft mit Gentech-Hochleistungspflanzen und Pestiziden von Bayer und Monsanto könnte schon bald an ihre Grenzen kommen.

 

Nicht weil die Welt aufhört zu essen. Nein, die Weltbevölkerung wird wachsen und sie wird auch jeden Tag satt werden wollen. Sondern weil der Treibstoff dieser Form der Landwirtschaft, der synthetische Stickstoffdünger, ein massives Problem hat, ein Treibhausgasproblem.

 

Synthetischer Stickstoff ist einer der größten Treiber im Treibhaus Erde. Und wer die Welt vor dem Klimakollaps retten will, kommt nicht daran vorbei hier Grenzen zu setzen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird der Klimagasausstoß gegen Null gehen müssen, sonst ist das Klimaziel der Weltgemeinschaft von 2 Grad nicht zu halten. Und das wäre das Ende des synthetischen Stickstoffs.

 

Wenn aber der synthetische Stickstoff aus Klimagründen aus dem Verkehr gezogen werden muss, dann können sich auch die Gentech-Hochleistungspflanzen nicht mehr halten, denn sie sind auf ihn angewiesen. Was dann die Welt ernähren wird, ist eine Landwirtschaft, die ohne synthetischen Stickstoff auskommen muss. Es wird eine Ökologische sein. Und die verträgt sich überhaupt nicht mit dem zweiten Geschäftsfeld dieser Ehe, den Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden.

 

Was dann? Dann ist die Ehe gescheitert. Und die 66 Milliarden, die sie gekostet hat, in den Wind gesetzt? Auch wenn der Jubel über die Eheschließung laut ist, er wird nicht von Dauer sein.

 

IWE Berlin, 15.09.2016

 

TTIP und Ceta, „Gestern“ will keiner!

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Ines Meier

Am 17. September werden voraussichtlich 100.000 BürgerInnen in sieben deutschen Städten – in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart – auf die Straße gehen. Sie wollen die beiden großen Freihandelsabkommen TTIP und CETA stoppen. Sie stimmen dagegen und sie haben Recht.
Warum?

 


 

Der Kommentar von Wilfried Bommert

 

Diese Verträge tragen nichts zur Lösung der großen Weltprobleme bei.

Sie stammen aus einer Zeit, in der die westliche Welt unerschütterlich an den Segen freier Märkte glaubte, an das Recht des Stärkeren. Seit 2008 wissen wir, dass dies nichts war als Ideologie. Toröffner für hemmungslose Profitgier von Banken und Konzernen, die weltweit ein Werk der Zerstörung hinterlassen haben – besonders bei den Ärmsten der Armen.

 

TTIP und Ceta kümmern sich nicht um die existenziellen Sorgen der Menschheit im  21. Jahrhundert. Weder die Sicherung der Ernährung von zukünftig 10 Milliarden WeltbürgerInnen, noch der Kampf gegen Hunger und Armut und erst recht nicht der Klimawandel stehen auf ihrer Agenda.

 

Auch die Wünsche der Zivilbevölkerung nach mehr Lebensmitteln aus der Region, nach BIO und Fair stehen dem Denken der FreihändlerInnen diametral entgegen. Bäuerliche Betriebe, ökologische Bewirtschaftung und faire Bedingungen für Mensch und Tier gehören nicht zu den Zielen von TTIP und CETA, im Gegenteil. Ihr Kredo heißt industrielle Landwirtschaft und Gentechnik, ein Markt, an dem wenige Konzerne viel Geld verdienen – nichts, was die BürgerInnen sich wünschen würden.

 

Eins der wichtigsten Ziele der Völkergemeinschaft, den Hunger der Welt bis 2030 zu besiegen, steht außerhalb ihrer Erwägungen. Die Folgen des Freihandels für die Bäuerinnen und Bauern Afrikas werden billigend in Kauf genommen: weniger Chancen auf den Märkten der Reichen, mehr Armut, mehr Hunger und in der Konsequenz weitere Ursachen für Flucht und Migration.

 

Und schließlich der Klimawandel. Er ist Ausdruck einer Weltwirtschaft, die auf immer größere Warenströme setzt, und damit immer mehr Treibhausgase produziert. Seit 20 Jahren wissen wir, dass dieser Weg in den Abgrund einer Klimakatastrophe führt. Dürren, Hitzewellen, Fluten und Stürme, wir kennen das Arsenal der Vernichtung. Wir wissen mittlerweile, dass uns nur der Umstieg auf eine ökologische Wirtschaftsweise, auf „Weniger statt Mehr“ retten kann. Nichts von alledem wird mit TTIP und CETA angegangen.

 

Beide Handelsverträge sind Brandbeschleuniger in einer sowieso schon brandgefährlichen Welt. Und sie lenken uns nur von dem ab, was viel wichtiger zu lösen wäre: Die Ernährung von zukünftig 10 Milliarden und die Sicherung des Weltklimas. Auch dazu bedarf es globaler Verträge, Handel und Austausch von Ideen. Aber nicht solche vom Typ TTIP und CETA. Sie sind von Gestern und Gestern will keiner.

 

IWE Berlin, 14.09.2016

 

Gentechnik in der Landwirtschaft

Ohne Kennzeichnung in den Supermarkt?

 

M. Shattock/Flickr

In ihrem Beitrag "Gentechnik in der Landwirtschaft - Ohne Kennzeichnung in den Supermarkt?" beleuchtet Jantje Hannover für den Deutschlandfunk eines der neuen Verfahren der Gentechnik. Beim Genom-Editing greifen die Forscher direkt in die DNA-Doppelspirale ein. Die Erwartungen an die neue Technologie seien vor allem in der Medizin groß, so Hannover.

 

Aber sie ist auch für Agrar-Konzerne interessant, da sie laut Richard Breum, Sprecher von Bayer CropScience, im Vergleich mit klassischen gentechnischen Methoden enorm schnell, präzise und außerdem kostengünstig sei.

 

Das Gentechnikrecht wiederum hinke den aktuellen Entwicklungen hinterher - das deutsche Recht stammt aus dem Jahr 1993, die gültige EU-Richtlinie aus dem Jahr 2003. In Deutschland und vielen anderen EU-Ländern lehnen die Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Viele Konzerne sähen es deshalb gern, wenn das Genom-Editing nicht als Gentechnik eingestuft werden würde, so Hannover. In den USA etwa kann seit Mitte Juli ein geneditierter Raps verkauft werden, der mit dem Label "keine Gentechnik" beworben wird.

 

Den kompletten Beitrag des Deutschlandfunks können Sie hier lesen.

 

IWE Berlin, 13.09.2016

 

Agrarexperten fordern strengere Düngegesetze für Klimaschutz

Bisher kaum Sanktionsmechanismen

 

Barockschloss/Flickr

Wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen will, müsse sie strengere Gesetze gegen Überdüngung erlassen, so Agrarexperten. Seit 2004 sei der jährliche Stickstoff-Überschuss hierzulande kaum zurückgegangen, sagte der  Kieler Agrarwissenschaftler Friedhelm Taube der dpa. Er entspreche 250 000 LKW-Ladungen Stickstoff-Dünger.

 

Für Landwirte gebe es bisher kaum Sanktionsmechanismen. Deutschland sei "spät dran", sagte Taube und verwies auf Nachbarländer wie Dänemark, die ähnlich intensiv landwirtschaftlich genutzt würden, aber strengere Düngegesetze hätten und dadurch ihre Nitratbelastung senken konnten.

 

Die vollständige dpa-Mitteilung finden Sie u.a. hier.

 

IWE Berlin, 08.09.2016

 

Nachfolgestudie zum ökologischen Fußabdruck des Menschen

Landwirtschaft spielt dramatische Rolle

 

Roy Luck/Flickr

Die Studie "The Human Footprint and the last of the Wild" wurde erstmals 2002 veröffentlicht. Für die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks des Menschen griff sie auf Daten aus den frühen 1990er Jahren zurück. Jetzt liegt eine Nachfolgestudie vor, die die Jahre von 1993 bis 2009 abdeckt.

 

In einem Beitrag für den Deutschlandfunk fasst Volker Mrasek die Resultate zusammen: "Um mit dem positiven Ergebnis zu beginnen: Die Weltbevölkerung nahm in den 16 Jahren viel stärker zu als ihr ökologischer Fußabdruck, und zwar um fast 25 Prozent. Die menschlichen Eingriffe in die Natur dagegen nur um neun." Wo es einen starken Trend zur Urbanisierung gebe, sei der Fußabdruck des Menschen sogar schwächer geworden, entlastet würde die Natur zudem durch wirkungsvolle Umweltschutz-Gesetze.

 

Dem gegenüber stehe die Fortsetzung des Raubbaus an der Natur in besonders schätzenswerten und artenreichen Ökosystemen. Während die erste Studie zu dem Ergebnis kam, dass 15 Prozent der Biodiversitäts-Hot-Spots noch unberührt seien, zeige die neue Studie, dass diese Zahl inzwischen auf 3 Prozent geschrumpft sei. In den Tropen würden immer noch große Waldflächen gerodet und in Äcker und Weiden verwandelt. "Die Landwirtschaft spielt eine dramatische Rolle bei der Vergrößerung unseres ökologischen Fußabdrucks", zitiert Mrasek den wissenschaftlichen Direktor der Wildlife Conservation Society James Watson.

 

"Diese verbleibenden drei Prozent unberührter Naturgebiete sind die letzten auf der Erde mit einer extrem hohen Biodiversität. Wir müssen sie unbedingt schützen. Sie zu verlieren wäre eine Katastrophe", so die Autoren der Studie.

 

Lesen Sie den kompletten Beitrag von Volker Mrasek im Deutschlandfunk hier.

 

Die Studie "Sixteen years of change in the global terrestrial human footprint and implications for biodiversity conservation" finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 30.08.2016

 

The $1 Trillion Mountain

The Actual Cost Of Food Waste

 

Eli Duke/Flickr

"Imagine receiving just 60 percent of your pay. Or when you send email, 40 percent are never delivered. We don’t tolerate 40 percent inefficiency in anything, yet we’ve come to accept it with the major resource that sustains the human race: our food", schreibt John Mandyck, Chief Sustainability Officer der United Technologies Corporation in seinem Gastbeitrag "The $1 Trillion Mountain: The Actual Cost of Food Waste" für die Huffington Post.

 

Während ein Drittel unserer Lebensmittel nie auf den Tellern landen würde, gingen mehr als eine Milliarde Menschen täglich hungrig zu Bett, so Mandyck. Die direkten ökonomischen Kosten der Lebensmittelverschwendung seien ein stetig wachsender Berg, der dem Gegenwert von 1 Billion US-Dollar entspräche. Mandyck verweist in seinem Beitrag auf die aktuelle Studie "A Roadmap to Reduce Food Waste" von ReFED. Laut dieser gibt die USA jährlich 218 Milliarden Dollar – oder 1,3 Prozent des BIP – für die Verarbeitung und den Transport von Lebensmitteln aus, die nie gegessen werden.

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel von John Mandyck in der Huffington Post hier.

 

IWE Berlin, 29.08.2016

 

Gentechnik: Weniger effizient als erhofft?

Klaus Bachmann für GEO Magazin

 

Secretaria de Agricultura e Abastecimento/Flickr

"Bringt die Manipulation am Erbgut weniger als bisher erhofft?", fragt Klaus Bachmann im aktuellen GEO Magazin. Der Boom der „grünen Gentechnik“ habe der Forschung nur noch wenig Platz und Geld für die klassischen Methoden gelassen, der mühevollen Kreuzung und Selektion von Gewächsen mit gewünschten Eigenschaften.

 

Die Versuche mit manipuliertem Erbgut würden jedoch auch nach Jahren noch nicht die gewünschten Resultate liefern, da die Eigenschaften eines Organismus oft durch ein komplexes Netz aus Genen reguliert würden und das simplifizierende Ein-Gen-Konzept daher nur in seltenen Fällen funktioniere.


Die konventionellen Züchter hätten die Gentechnik inzwischen überholt, schreibt Bachmann und verweist auf neue Versuche. Mit den alten Zuchtmethoden konnte etwa das Wurzelwerk der Gartenbohne so optimiert werden, dass die Pflanzen Phosphor besser aufnehmen können. "Studien in Mosambik zufolge ernteten die Bauern dort dadurch dreimal so viele Bohnen wie bei herkömmlichen Sorten – 1500 Kilogramm pro Hektar statt 500." Es sei "immer eine gute Idee, vielfältige Ansätze zu verfolgen" statt in der Forschungsförderung zu sehr auf eine einzige Richtung zu setzen, folgert Bachmann.


Den vollständigen Artikel "Bringt die Manipulation am Erbgut weniger als bisher erhofft?" von Klaus Bachmann im GEO Magazin finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 26.08.2016

 

Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Kommentar von Wilfried Bommert zum Gesetzesentwurf von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung

 

Martin Abegglen/Flickr

Über den Umweg des Baurechts will die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Massentierhaltung in Deutschland eindämmen. Künftig sollen Kommunen selbst entscheiden können, ob sie den Bau von Megaställen zustimmen oder nicht. Zu den weiteren Plänen des Ministeriums gehört die Beseitigung eines Schlupflochs, das es Investoren ermöglicht, einen Megastall auf dem Papier in viele kleine Ställe aufzuteilen. Verschärft werden sollen für die Großbetriebe außerdem die Anforderungen an die Luftreinigung.  

 

Eine Notbremse, die nicht ausreicht

Kommentar von Wilfried Bommert

 

"Barbara Hendricks will dem weiteren Ausbau der Massentierhaltung nicht mehr tatenlos zusehen. Die Bundesumweltministerin zieht die Notbremse. Das ehrt sie. Doch auf dem Weg in eine klimaverträgliche, nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft ist das nur ein erster Schritt. Eine Notbremse verhindert. In Zukunft aber geht es um Gestalten.

 

Es geht um ein neues Modell für eine Land- und Ernährungswirtschaft im 21. Jahrhundert, die wieder innerhalb der planetüren Grenzen operiert. Die weder den Klimawandel weiter anheizt, noch die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserreserven vernichtet. Die zur Stabilität der Welternährung durch Vielfalt und regionale Kreisläufe beiträgt. Die Bauern und Bäuerinnen wieder stolz sein lässt auf die Produkte ihrer Hände Arbeit. Die Anerkennung genießt, wegen ihrer Leistungen für das Wohl der Tiere und die Erhaltung unserer Landschaften.

 

Die Umweltministerin versucht mit ihrem Pfiff, die Politik ihres Kabinettskollegen publikumswirksam auszubremsen. Doch wenn sie die Landwirtschaft für das 21. Jahrhundert fit machen will, dann kommt sie an einer Agrar- und Ernährungswende nicht vorbei. Der Wahlkampf hat begonnen. Das wäre ein Thema, um das es sich zu kämpfen lohnte."

 

Das Video-Statement von Barbara Hendricks zur Massentierhaltung und die "Informationspapiere zur Intensivtierhaltung" des BMUB finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 25.08.2016

 

Wer ernährt uns eigentlich?

Beitrag von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung 

 

Alan Levine, Flickr

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) widmet sich aktuell mit einem Dossier dem Thema Welternährung. Der Themenschwerpunkt startete mit einem Beitrag von IWE-Vorstandssprecher Wilfried Bommert unter dem Titel "Wer ernährt uns eigentlich?". Derzeit leben sieben Milliarden Menschen auf der Welt, im Jahr 2050 könnten es bereits 10 Milliarden sein. In seinem Beitrag gibt Wilfried Bommert einen Überblick darüber, woher unsere Nahrungsmittel kommen, wie sie gehandelt werden und wer die Regeln macht.

 

"Zwischen Köln und Kapstadt, New York und New Delhi leben derzeit mehr als sieben Milliarden Menschen. Ihre Mehrzahl wird heute noch von Kleinbauern, genauer gesagt von Kleinbäuerinnen ernährt. Sie leben auf Höfen von weniger als zwei Hektar Größe (in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 60 Hektar), aber sie produzieren über 70 Prozent der Nahrung weltweit. Das meiste Farmland bewirtschaften jedoch große Betriebe mit mehr als 50 Hektar. Obwohl diese nur ein Prozent der Farmer ausmachen, bearbeiten sie 65 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Welt. Die industrielle Landwirtschaft, die das Agrarsystem in den Industrie- und Schwellenländern prägt, trägt bisher noch deutlich weniger zur Welternährung bei. Sie sorgt jedoch mit hohem Einsatz von Energie, Wasser, Dünger und Hochleistungspflanzen für Überschüsse, die exportiert werden können."

 

Den vollständigen Artikel von Wilfried Bommert für die Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie hier, das bpb-Dossier "Welternährung" hier.

 

IWE Berlin, 15.08.2016

 

Nach dem Brexit der Rumexit?

Kommentar von Wilfried Bommert

 

Das Parlament in Rumänien hat beschlossen, dass 51 % aller Äpfel, Salatköpfe, Koteletts, Butterstücke, Brote, Weine und Biere aus der Region kommen sollen. Das Gesetz zielt auf die großen Supermärkte des Landes. 


Nun ist das Geschrei groß. 51 % Protektionismus, Abkehr vom freien europäischen Markt, rufen die einen. Eine riesige Chance für die Kleinbauern und Bäcker und Metzger, für den Aufbau einer starken lokalen Ernährungswirtschaft im Land, jubeln die anderen


Und was sagen Sie? 

Nach dem Brexit der Rumexit?

Dem weiteren Zerfall Europas wird auf rumänischen Boden der Boden bereitet? 


Oder: Wer Kleinbauern in Europa wieder eine Chance gibt, das lokale Gewerbe, Mühlen, Metzger, Bäcker, Brauer, Winzer stärkt, die Wertschöpfung und die Gewinne in die Städte und Gemeinden lenkt, der schafft Arbeit, Einkommen und Investitionen... Und nicht nur das: Eine stärkere regionale Wirtschaft könnte die Flüchtlingsströme aus Rumänien bremsen, die Klimabelastung durch immer weiter wachsende europäische Lastwagenflotten verringern und zu einer größeren Stabilität in einer Region Europas beitragen, die wirtschaftlich auf sehr schwankendem Boden steht. 

 

51 % Protektionismus, so wie er vom rumänischen Parlament beschlossen wurde, sind nicht der Anfang vom Exit, sondern der Beginn eines Europas, das erkennt, wo seine Fundamente liegen. Und das sich eingesteht, dass eine saubere, gesunde und nachhaltige Ernährung auf Dauer nur durch starke Ernährungskreisläufe zu sichern sein wird. Dies nicht nur in Rumänien, sondern in allen Regionen der Europäischen Union.

 

IWE Berlin, 27.07.2016

 

Wie wirkungsvoll ist klimasmarte Landwirtschaft?

Helfen agrartechnologische Innovationen gegen Auswirkungen des Klimawandels?

 

aene gespinst/Flickr

Wie wirkungsvoll und wie sinnvoll ist klimasmarte Landwirtschaft wirklich? Also jene Landwirtschaft, die "smart" mit technologischen Innovationen die Landwirtschaft gegen die Auswirkungen des Klimawandels wappnen will. "Gegen ausgelaugte Böden, Wassermangel und Extremwetter versuchen Agrarexperten weltweit mit neuen Technologien anzukommen." schreibt Susanne Schwarz in der Frankfurter Rundschau und erklärt am Beispiel Äthiopiens die Idee der CSA (Climate Smart Agriculture).

 

Doch: "Der Anbau der Super-Samen funktioniere oft nur mit teuren chemischen Düngern," spätestens nach drei Jahren sei es dann aus mit der guten Ernte und man müsse neue Samen kaufen. "Eine Falle für eine Agrarwirtschaft wie die afrikanische, die zu 85 Prozent von Kleinbauern betrieben wird." Zudem werden die vermeintlich klimasmarten Samen von Agrarkonzernen patentiert, während dagegen "Pflanzensorten, die für die global agierenden Konzerne keine Gewinne versprechen, vom Markt verschwinden." Sorten, die es braucht für Biodiversität, die wiederum Ökosysteme anpassungsfähiger gegenüber Wetterextreme macht.

 

Inkota und andere NGOs formulierten bereits im Juni das Postionspapier Klimasmarte Landwirtchaft - nein Danke! Darin heißt es u. a. "CSA fungiert als trojanisches Pferd für die Fortführung der Grünen Revolution, da es vielfach auf input-basierte, technische „Lösungen“ und mehr Ressourceneffizienz reduziert wird."

 

Doch in Afrika regt sich Widerstand und Organisationen wie die Alliance for Food Sovereignty in Africa oder regionale Bündnisse wie das kenianische African Biodiversity Network schließen sich zusammen, um ein nachhaltiges Gegenkonzept mit traditionellen Methoden zu stärken.

 

IWE Berlin, 22.07.216

 

Ökolandbau: Mehr Betriebe, größere Fläche

BMEL veröffentlicht Strukturdaten zum ökologischen Landbau in Deutschland 2015 

 

Langsam, aber stetig: Der ökologische Landbau in Deutschland ist 2015 weiter gewachsen. Das geht aus den Jahresmeldungen der Länder hervor. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe betrug demnach 24.736 (5,7% mehr als im Vorjahr, 2014: 23.398). Die ökologisch bewirtschaftete Fläche von 1.088.838 Hektar wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 3,9% (2014: 1.047.633 ha).

 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erklärte hierzu: "Die Zahl der Betriebe und der Fläche im Ökolandbau steigen stabil. Auch der Markt wächst, 2015 erwirtschaftete der Biomarkt in Deutschland mehr als acht Milliarden Euro Umsatz, Tendenz stark steigend. Diese Zahlen zeigen: Bio wird bei Verbrauchern immer beliebter, der Ökolandbau ist neben dem konventionellen Landbau inzwischen eine wichtige Säule der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft. Mein Ziel ist es, den Ökolandbau in Deutschland weiter voranzubringen. Auch aus diesem Grund habe ich die Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau initiiert, und deshalb setzte ich mich in Brüssel für eine zügige Revision der EU-Öko-Verordnung ein, mit der wir das Vertrauen der Verbraucher und der ökologischen Lebensmittelwirtschaft stärken. Auf eines müssen sich die Käufer dabei verlassen können: Wo Bio draufsteht, muss auch Bio drin sein."

 

An dieser Stelle könnten VerbraucherInnen sich in die konkrete Umsetzung einbringen, zum Beispiel mit Engagement bei einem Ernährungsrat.

 

Insgesamt betrug der Anteil der Bio-Betriebe an der Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im vergangenen Jahr 8,7% (2014: 8,3%), der an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche 6,5% (2014: 6,3%). Insgesamt waren 2015 im Bio-Sektor 38.259 ErzeugerInnen, VerarbeiterInnen/AufbereiterInnen, Importeure und Handelsunternehmen tätig. 

 

Die Strukturdaten zum ökologischen Landbau von 2009 bis 2015 finden Sie hier.

 

IWE Berlin, 12.07.2016

 

Über Saat und Macht

DLF-Buchbesprechung "Saatgut" von Anja Banzhaf

 

Mit einer Buchbesprechung rekonstruiert der Deutschlandfunk den Kontext von Anja Banzhafs Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen. Das im Oekom-Verlag erschienene Buch gibt einen verständlichen und gründlichen Einblick, wie die Agrarindustrie versucht weltweit die Kontrolle über die Saat zu übernehmen. Gerade vor dem Hintergund von Kaufverhandlungen zwischen Monsanto und Bayer sowie der Glyphosat-Zulassungsdebatte bekommt das Buch neue Brisanz.

 

"Konzerne kaufen sich in verschiedene Bereiche entlang der Saatgut-Wertschöpfungskette ein. Insbesondere die Verquickung zwischen Chemie- und Saatgutkonzernen hat sich für diese als äußerst fruchtbar erwiesen: Fünf der sechs größten Pestizidhersteller gehören heute zugleich zu den zehn größten Saatgutkonzernen." so Banzhaf in ihrem Buch. 

 

"Die globale Vereinheitlichung in der Landwirtschaft hat aus komplexen Anbausystemen Monokulturen gemacht. Hierbei gingen nicht nur verschiedenste bäuerliche Anbaumethoden und kleinteilige Strukturen verloren, sondern auch die Sorten, die in diesen Systemen genutzt wurden. Schätzungen zufolge sind in den letzten 100 Jahren etwa 75 Prozent der Kulturpflanzenvielfalt (...) vernichtet worden."

 

Britta Fecke, Deutschlandfunk, urteilt: "Diese wissenschaftlichen Exkurse sind allgemeinverständlich und dennoch präzise formuliert. Gelingt viel zu selten, hier aber sehr gut. Und was noch schöner ist: wer keine Zeit für einen Fachexkurs hat, versteht das nächste Kapitel trotzdem."

 

IWE Berlin, 10.07.2016

 

Klimaschutz: Geht es den Deutschen ans Fleisch?

Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 empfiehlt Halbierung des Fleischkonsums

 

Der Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 sorgt für Irritationen: Der Kohleausstieg ist auf eine hülsenhafte Andeutung reduziert. Immerhin wird indirekt eine Halbierung des Fleischkonsums vorgeschlagen (S. 50). Auch das stößt auf wenig Gegenliebe.

 

1,1 kg Fleisch pro Woche essen die Deutschen im Durchschnitt. Im Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 wurde nun die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DEG) als Richtlinie eingefügt: Demnach sollten nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche gegessen werden – auch aus gesundheitlichen Gründen. Wie dies umgesetzt werden würde, bleibt unklar – von einer Fleischsteuer ist im Entwurf jedenfalls nicht die Rede.

 

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt lehnt die Pläne ab und kontert mit einer Milchjungenrechnung: „Die Landwirtschaft mag zwar acht Prozent der Emissionen erzeugen, sie ernährt aber auch 100 Prozent der Bevölkerung." Vielleicht sollte Schmidt den einzigen verfügbaren Planeten, die Temperaturdifferenz von 1,5°C und die zukünftig 10 Milliarden zu ernährenden Menschen in seine Berechnungen einbeziehen. Weitere relevante Zahlen zu Emissionen durch Landwirtschaft bzw- Nutztierhaltung: Methan ist 25-fach, Lachgas 298-fach klimaschädlicher als Kohlendioxid, so das Umweltbundesamt.

 

Das Ziel des Klimaschutzplans 2050 des BMUB ist es, mit konkreten Maßnahmen an die international vereinbarten Ziele der Klimakonferenz 2015 in Paris anzuknüpfen, darunter in erster Linie die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 °C v. a. durch die Reduktion von Treibhausgasen, die zu einem gewichtigen Teil auch durch Nutztierhaltung entstehen. 

 

IWE Berlin, 02.07.2016

 

Ernährungsräte in Köln und Berlin nehmen Arbeit auf

Köln verabschiedet Geschäftsordnung, Berlin lädt zur Vollversammlung ein

 

Nach ihrer offiziellen Gründung in im März (Köln) und April (Berlin) haben die Akteure hinter den Kulissen weiteran der Feinjustierung gearbeitet: 

 

Der Berliner Sprecher*innenkreis hat seine Arbeit aufgenommen. Am Montag 4. Juli (17-20 Uhr) findet die nächste Vollversammlung statt. Eingeladen sind wie immer alle, die den zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in der Region mitgestalten wollen.

 

Auch der Kölner Ernährungsrat hat am 30. Juni seine Arbeit aufgenommen. Zunächst hatten die Mitglieder in nichtöffentlicher Sitzung die Geschäftsordnung geprüft. Sie sieht unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit der Verwaltung vor. Stadt und Ernährungsrat sollen Hand in Hand arbeiten, damit künftig „alle Kölner Bürgerinnen und Bürger über das Wissen und die Möglichkeit verfügen, gesunde, bezahlbare Lebensmittel selbst anzubauen oder zu kaufen“, heißt es darin.

 

„Was wir planen ist nicht weniger als ein Masterplan für eine Kölner Ernährungspolitik“, führte Valentin Thurn aus, einer der Initiatoren des Ernährungsrates und Mitgründer des Vereins Taste of Heimat.

 

Derzeit zählt das Gremium 28 Mitglieder, davon zehn aus der Zivilgesellschaft, zehn aus der Wirtschaft und acht aus Verwaltung und Politik aus dem Regierungsbezirk Köln. Zu den Mitgliedern zählen u.a. Landwirte, Gastronomen, Verbandsvertreter, Köche, Metzger, Kirchenvertreter und Urban-Gardening-Aktivisten. 

 

Der Kölner Ernährungsrat soll von nun an viermal im Jahr zusammentreten, um Empfehlungen an Politik und Verwaltung zu verabschieden.

 

In Berlin wird der Sprecher*innenkreis davon berichten, was sich tut – z.B. die Pläne zur Formulierung von Wahlprüfsteinen für die Berliner Wahlen im September, die Entwicklungen im Forum für gutes Essen und die nationale und internationale Vernetzung. Ausgehend vom bereits verabschiedeten Positionspapier sollen konkrete Forderungen hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Stadt formuliert werden.

 

IWE Berlin, 01.07.2016

 

Spektrum: Tradition schlägt Gentechnik

Natasha Gilbert über die Erfolgschancen altmodischer Züchtungsmethoden

 

Foto: Toby Hudson, CC BY-SA 3.0

"Jonathan Lynch [...] möchte herausfinden, warum einige Pflanzenexemplare dem Boden so außergewöhnlich gut Nährstoffe entziehen können. Mit diesem Wissen wäre er in der Lage, Pflanzen mit besonders effizienten Wurzeln zu züchten – Nutzpflanzen etwa, die auf den nährstoff-verarmten Böden der Entwicklungsländer gut gedeihen oder mit deren Hilfe man den Düngemitteleinsatz in reicheren Ländern erheblich reduzieren könnte.

 

[...] Seine Arbeit hebt sich dabei in besonderer Weise ab, denn der Wissenschaftler bedient sich einer Methode der alten Schule. Damit läutet er die Renaissance konventioneller Zücht-ungsverfahren ein, bei denen zunächst die physischen Merkmale einer Pflanze aufwändig untersucht werden, um dann nach wünschenswerten Eigenschaften, wie beispielsweise Wachstum oder Länge der Feinwurzeln, zu selektieren.

 

[...] Bis heute ist noch keine transgene Nutzpflanze auf den Markt gekommen, die nur wenig bis gar keinen Dünger benötigt – eine Tatsache, die viele landwirtschaftliche Organisationen auf der ganzen Welt gerade zum Anlass nehmen, um ihre biotechnologischen Forschungsan-sätze auf diesem Gebiet noch einmal neu zu überdenken."

 

Dem gegenüber stellt Gilbert aber auch die (Teil-)Erfolge bei der Entwicklung widerstands-fähiger transgener Nutzpflanzen. Dennoch: "Bei transgenen Versuchsansätzen besteht eine wesentliche Herausforderung darin, dass Eigenschaften, wie zum Beispiel die effiziente Nährstoffverwertung, von einem komplexen Netzwerk unterschiedlicher Gene gesteuert werden, die sowohl untereinander als auch mit der Umwelt in Wechselwirkung stehen."

 

 

IWE Berlin, 29.06.2016

 

Altes Wissen macht Afrikas Erde fruchtbar

"Schwarze Erde" gegen Klimawandel 

 

Foto: Global Justice Now/Flickr

"Im Westen Afrikas nutzen Bauern jahrhundertealtes Wissen, um nährstoffarme Böden auf Dauer fruchtbar zu machen. Forscher haben die Zutaten für den natürlichen Dünger gefunden und sind überzeugt: Mit der "Schwarzen Erde" lässt sich die Landwirtschaft im ganzen Kontinent vor den Folgen des Klimawandels schützen. 

 

In Liberia und Ghana bedienen sich die Bauern seit rund 700 Jahren einer bewährten Technik: Sie mischen Asche, Knochen, Holzkohlereste und Bioabfälle wie Reisstroh und Palmblätter in ausgelaugte Böden und wandeln sie so in extrem speicherfähige, fruchtbare Äcker um. Die Details dieser Kultivierungstechnik hat nun der Anthropologe James Fairhead von der University of Sussex in Dörfern der beiden westafrikanischen Staaten untersucht."

 

Der ganze Artikel in bild der wissenschaft.

 

IWE Berlin, 21.06.2016

 

Die Zukunft der Landwirtschaft

Megamonopolisierung oder Paradigmenwechsel?

 

Foto: Markus Reimann

Während Bayer und Monsanto vor dem Hintergrund der Glyphosat-Zulassungsdebatte ihre Mega-Fusion verhandeln, veröffentlicht das International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (iPES-Food) einen Bericht, der die Grundlage eines Paradigmenwechsels sein könnte: From Uniformity to Diversity.

 

Bayer, Monsanto, Glyphosat - das sind Namen, die für intensive Landwirtschaft und viele Probleme stehen. Glyphosat steht nicht nur im Verdacht, Krebs zu erregen. Auch der Verlust von Artenvielfalt und Bodenerschöpfung werden mit dem Unkrautvernichter in Zusammenhang gebracht. Monsanto wiederum ist nicht nur der Hersteller dieses fragwürdigen Produkts, sie sind auch bekannt für dubiose Patent-Politik, gentechnisch verändertes Saatgut und teure Klagen, in denen Kleinbauern in der Regel das Nachsehen haben. Das hat in den letzten Jahren vor allem der Aktienwertsteigerung, ganz sicher aber nicht einer nachhaltigen Sicherung der Welternährung geholfen. 

 

Alternativen müssen dringender denn je diskutiert werden. Mehr und mehr Studien weisen die Erschöpfung der Böden, den Rückgang der Artenvielfalt und das Ungleichgewicht von Mangelernährung im globalen Süden gegenüber Lebensmittelverschwendung, Fehlernährung und Übergewicht im globalen Norden nach.

 

Die Studie From Uniformity to Diversity fasst zusammen:

  • Lebensmittelsysteme und Landwirtschaft verursachen 30% der Treibhausgase.
  • 20% der landwirtschaftlich nutzbaren Böden weltweit sind erschöpft.
  • Mehr als 50% der pflanzlichen Lebensmittel für Menschen basieren auf den drei Erzeugnissen Reis, Mais und Weizen; 20% der Nutztierrassen sind vom Aussterben bedroht.
  • Der Rückgang von Bestäubern, u. a. durch die Anwendung von Insektiziden, bedroht 35% der Nutzpflanzen, die von Bestäubung abhängig sind.
  • Etwa 2 Millionen Menschen leiden unter Symptomen von Mikronährstoffmangel (Fehlernährung). Gegenwertig werden v. a. Nutzpflanzen angebaut, die reich an Energie, aber arm an weiteren Nährstoffen sind.

 

Dem gegenüber stehen Auswertungen diversifizierter ökologischer Landwirtschaft:

  • Langzeitstudien weisen gleichwertige Erträge von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft nach, wobei die ökologische Landwirtschaft in Trockenperioden einen Ausgleich durch 30% mehr Erträge erzielt.
  • Ressourcen werden in kleinen ökologischen Landwirtschaftsbetrieben zwei- bis vierfach effizienter genutzt.
  • In der ökologischen Landwirtschaft wurde ein Mehrwert der Artenvielfalt um 50% nachgewiesen.
  • In ökologischen Milch- und Fleischprodukten wurden 50% mehr Omega-3-Fettsäuren nachgewiesen.

 

SZ, 07.06.2016:  Die Agrar-Monopole gefährden die Ernährung der Welt
Weltagrarbericht, 06.06.2016: Experten fordern Umstellung auf vielfältige agrarökologische Systeme
iPES Food, 02.06.2016:  How to leave industrial agriculture behind: Food systems experts urge global shift towards agroecology 

 

IWE Berlin, 08.06.2016

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1. Auflage 2016
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Vorreiter einer globalen Ernährungswende - Ein Projekt des IWE

Forschung für die Ernährungwende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?
Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-wissenschaften im 21. Jahrhundert?

Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden?
 
Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

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