„Wir pflanzen, Sie ernten“

 

Weniger kulturell, weniger ideell, mehr auf den Nutzen und auf Wirtschaftlichkeit abgestellt ist das Gartenkonzept des Berliner Landwirts Max von Grafenstein. „Wir pflanzen, Sie ernten“ heißt sein Wahlspruch. Unter dem Label „Bauerngarten“ vermietet er Kleingärten an drei Standorten am Stadtrand Berlins.[i] Auch hier muss man nur seinen entschiedenen Willen mitbringen und ein Paar Gummistiefel, den Rest liefert der Bauer. Er pflanzt nicht in langen Beeten, sondern im Kreis. Wie eine Torte sehen seine Bauerngärten aus. Und diese Torte wiederum ist in Stücke von 50 Quadratmetern unterteilt. Darauf wachsen Kartoffeln und Möhren, Zwiebeln und Salat und was sich der Gemüsefreund sonst wünscht, es reicht aus für eine Familie. In der Mitte der Tortenlandschaft liegt ein Kräuterbeet, das von allen Tortenstücken mitbeerntet werden kann.

390 Euro kostet das Landstück von 45 Quadratmetern im Jahr. Das erscheint zunächst einmal viel, aber, so rechtfertigt Max von Grafenstein den Preis, dafür bekommt man 25 verschiedene Gemüsesorten, eine Rundumversorgung inklusive Bewässerung und Beratung, Grundlagen für Newcomer. Wer weiß schon, wodurch sich eine Möhre von einer Brennnessel unterschiedet, wenn sie gerade mal aus der Erde schaut. Gemessen am Komfort ist dies der „Mercedes“ unter den Bauerngärten und natürlich alles in Bioqualität.

Seinen Garten auf Bauernland kann man auch mit weniger Service buchen, zum Beispiel in der Nähe von Kassel auf der Staatsdomäne Frankenhausen. Es gibt abgezirkelte Rechtecke auf Feldern, die schon angesät sind, aber dann ganz ihrem Mieter überlassen werden. 170 Euro bis 300 Euro, je nach Parzellengröße, kostet das Gärtnerglück. Bis zum Herbst kann gehackt, gegossen und geerntet werden. Am Ende kommt Biogemüse im Wert von 500 bis 600 Euro dabei heraus. Aber das ist nicht alles, was mehr zählt, sind die Stunden in der Gemeinschaft der Gleichgesinnten. Nach den Erkenntnissen von Professor Jürgen Heß, Leiter des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau an der Universität Kassel, verbringen die Kleingärtner weit mehr Zeit zwischen ihren Beeten, als sie müssten.[ii] Ihr Motive: Gemeinschaftserleben und Naherholung auf „meinem Bauernhof“.

Anders gestaltet sich der Bodenkontakt im Süden der Republik. Dort können Gartenfreunde „leere“ Ackerstreifen mieten. Sie sind sozusagen der „Billige Jakob“ unter den Mietgärten. Hier bekommt der Selbstversorger einen „Bifang“ zugeteilt, das ist ein Erddamm von rund 100 Metern Länge, der dann nach Belieben selbstbestimmt beackert werden kann. Wer hier zuschlägt, der kommt mit 50 Euro aus. In dieser „Kaltmiete“ ist nur der Boden enthalten, den Rest muss man selbst mit auf den Acker bringen. Das Angebot steht unter dem Label der „Sonnenäcker“ im Internet. An 40 Standorten in Bayern verdienen sich Bauern mit dieser Dienstleistung ein Zubrot, zusammengeschlossen haben sie sich im bayrischen Netzwerk „Unser Land“.[iii]

Auch Handelsunternehmen wie der Fuldaer Biohändler Tegut engagieren sich im Gartengeschäft, auch sie vermitteln Parzellen an Hobbygärtner je nach Größe für 130 bis 240 Euro. Die Ernte soll für vier Personen reichen, so der Händler, und die Einsparungen gegenüber dem Ladenpreis seien erheblich. Laut eigener Darstellung können zwei Drittel eingespart werden.

Insgesamt registrierte die Stiftung Warentest im Jahr 2012 Mietgartenanlagen an mehr als 85 Standorten zwischen Flensburg und Passau zu Preisen von 40 bis 329 Euro je nach Servicepaket, Tendenz weiter steigend.[iv]

 

[i] http://www.bauerngarten.net/.

[ii] Jürgen Heß und Katharina Mittelstraß: Transparenz, Verantwortung, Gemeinschaft von der Gemüseernte zur dOCUMENTA (13).

[iii] http://www.unserland.info/.

[iv] http://www.test.de/Mietgaerten-Ein-Stueck-Feld-fuer-Staedter-4347393-0/.

 

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