Prinzessinnengärten

 

Kies knirscht unter den Sohlen. Kinder, Frauen mit Kopftüchern, Männer mit „Blaumann“ und Bart sitzen an Tischen zwischen Sträuchern und Beeten. Serviert wird Tomatensuppe mit Kichererbsen, alles aus eigener Zucht, gekocht in einem Küchen-Container. Ein Junge hantiert mit einer Gartendusche über Salatkisten. Hier wächst nichts umsonst. Wer mitarbeitet, bekommt den Salat zu Herstellungskosten, und wer lediglich vorbeikommt, der zahlt den vollen Preis und vielleicht auch etwas mehr als im Supermarkt. Hinter dem Konzept stehen zwei Gartenfremde, der Dokumentarfilmer Robert Shaw und der Historiker Marco Clausen. Sie haben das Gelände 2009 von der Stadt Berlin gepachtet. Damals waren dies noch 6.000 Quadratmeter wilde Brachfläche, heute durchziehen Kieswege diese Gartenlandschaft der besonderen Art.

Hier wächst in Kisten und Kästen, Milchtüten und Kaffeekannen alles in allem, vor allem die Fantasie. Darauf sind die Gründer stolz, sie wollen die Vielfalt und sie wollen mobil bleiben. Deshalb haben sie ihren Garten erst gar nicht im Erdreich der Stadt eingegraben. Jederzeit bereit, den Platz wieder zu wechseln, nicht aus der Not, sondern aus der Lust heraus, der Idee neuen Raum zu verschaffen durch Ableger in einem der vielen Hinterhöfe Berlins oder auf einem anderen Platz der Stadt.

Hier wird mehr gelernt als nur Selbstversorgung. Den Gründern geht es um Erkenntnis und Erfahrung: erleben, wie eine Tomate wächst, mit welcher Mühe sie aufgezogen wird und wie sie sich in der Küche in eine Tomatensuppe verwandelt, die dann auf dem Tisch steht, duftet, den Magen wärmt, Gespräche in Gang setzt, was wiederum die Seele wärmt. Es geht um den ganzen Kreislauf, der begriffen werden will, nicht nur verstanden. Wer die Prinzessinnengärten verlässt, weiß, dass Gärtnern mehr bedeutet als pflanzen und ernten. Garten ist ein Stück Gemeinschaft, und die geht am Moritzplatz über die Grenzen hinaus bis zu den Republiken der ehemaligen UdSSR, bis nach Anatolien. Multikulti, damit sind die Prinzessinnengärtner nicht allein, auch in anderen Städten der Republik wird die kulturelle Vielfalt zur Triebfeder.

Dafür engagiert sich seit 2003 die private Stiftung Interkultur, die auf die Initiative des Wuppertaler Unternehmers Erich Mittelsten Scheid und seiner Frau Totti zurückgeht.[i] Ihre Projekte überziehen die Republik wie ein Flickenteppich. Im Jahr 2013 existieren rund 145 Interkulturelle Gärten in der Bundesrepublik. 85 weitere sind in Planung. Sie sollen den täglichen Frust der Einwanderer in einer fremdenfeindlichen Wohn- und Arbeitswelt abfangen. Wie in Göttingen-Geismar, wo Familien unterschiedlicher Herkunft 1995 den ersten Interkulturellen Garten gründeten. Ihren Ursprung haben diese Gärten im Bosnienkrieg, der bosnische Frauen nach Göttingen verschlug. Sie hatten Sehnsucht nach einem Stück Zuhause und fanden es in diesem Stück Garten. Wo sie wieder pflanzen und riechen konnten, was sie in ihrer Heimat zurücklassen mussten.

 

[i] http://www.stiftung-interkultur.de/.

 

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