Europas Grassroots

 

In der Europäischen Union findet die Frage der Selbstversorgung der Städte je nach Land sehr unterschiedliche Resonanz. Historische Erfahrungen und politische Prioritäten entscheiden darüber, ob der Weg in den Garten oder zum Bauern des Vertrauens eingeschlagen wird oder nicht. Der europäischen Agrarpolitik entspricht das Konzept der regionalen Selbstversorgung jedoch nicht. Sie setzt seit mehr als 50 Jahren auf das Leitbild einer industriellen Agrar- und Ernährungswirtschaft, die sich im globalen Wettbewerb bewähren soll.

Lokale Wirtschaftsräume, regionale Kreisläufe und auch die Selbstversorgung der Städte spielen in diesem Konzept kaum eine Rolle. Im Gegenteil, wer dennoch an die Traditionen anknüpft und Regionalität herausstellt, der landet schnell in die Ecke der „Fortschrittsfeinde“. Dort, wo dennoch die Region aufscheint, wie auf dem Etikett für Schwarzwälder- oder Parma-Schinken, für Thüringer Rostbratwurst, Rheinischen Sauerbraten oder für Brüsseler Pralinen, dient sie als Marketinginstrument, als Alleinstellungsmerkmal im europäischen Wettbewerb. Mit regionaler Versorgung und Versorgungssicherheit hat dies nichts zu tun.

 

Die Balance auf den Märkten zwischen Bauern, Lebensmittel-Multis und Verbrauchern ist in Europa schon lange aus der Balance geraten. Während überall auf der Welt der größte Teil der Ernährung (80 Prozent) in der Region erzeugt wird, liegt dieser Anteil in Europa nur noch bei 20 Prozent. Diese Relation ist kein Zufall, sondern das Ergebnis europäischer Politik, die diese Flurbereinigung in den Regionen massiv gefördert hat und weiter mit mehr als 50 Milliarden Euro Subventionen im Jahr vorantreibt. Wachsen oder Weichen hieß und heißt die Parole. Doch die Zustimmung zu dieser bedingungslosen Industrialisierung, Monopolisierung und Globalisierung der Nahrungskette bröckelt.

Volksbefragungen lassen keinen Zweifel, die Europäer und Europäerinnen (92 Prozent) wollen, dass lokale Märkte stärker gefördert werden. Und viele wollen nicht mehr warten. Sie legen selbst Hand an und basteln an regionalen Versorgungsketten. Im Internet schlägt sich das Engagement der Bürger auf immer neuen Seiten und Foren nieder. Eine davon spiegelt das, was im Dunstkreis der großen Städte von Athen bis Oslo sprießt.[i] Setzlinge einer Bürgerbewegung, die schnell wächst und so zu einer politischen Kraft wird.

 

[i] http://www.sustainable-everyday-project.net/urbact-sustainable-food/2012/10/16/about/.

 

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

GLS Bank

IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

Ihre Spende kann steuerlich geltend gemacht werden

Empfehlungen

Wie Suffizienzpolitiken gelingen - eine Handreichung von Manfred Linz
Wuppertal Spezial Nr 52, Wuppertal Institut

Regional, innovativ und gesund

Nachhaltige Ernährung als Teil der Großen Transformation

Steven Engler, Oliver Stengel, Wilfried Bommert (Hg.)

1. Auflage 2016
Vandenhoeck & Ruprecht

 

 

 

 

 

 

 

Wie unser Essen produziert wird - Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt

Vorreiter einer globalen Ernährungswende - Ein Projekt des IWE

Forschung für die Ernährungwende

Kann das derzeitige Modell der Land- und Ernährungswirtschaft die Zukunft sichern?
Vor welchen Aufgaben stehen die Agrar- und Ernährungs-wissenschaften im 21. Jahrhundert?

Welche Forschung sollte vorrangig gefördert werden?
 
Mehr im Positionspapier des IWE 7/2014

Empfehlen Sie diese Seite auf:

Druckversion Druckversion | Sitemap
© World Food Institute - Institut für Welternährung e.V.
Impressum