Autarke Republik Transition Towns

 

„Witzenhausen erklärt sich zur autarken Republik.“ Eine Provokation oder nur eine Art Luftschutzübung, für den Fall, dass die alte Welt zusammenbricht? Die Bürgerbewegung Transition Town Witzenhausen lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem philosophisch-praktischen Gedankenexperiment ein. Man stelle sich vor: Witzenhausen, eine Kleinstadt in der Nähe von Kassel, knapp 20.000 Einwohner, Stadtfläche 11.000 Hektar, ist auf sich zurückgeworfen, abgeriegelt, außen herum eine Art Käseglocke. Nichts kommt mehr herein, nichts geht mehr hinaus.

Wie lebt es sich in einer solchen autarken Republik Witzenhausen? Haben die Witzenhausener genug Land, um sich von Feldern und Gärten zu ernähren, ihre Kleidung herzustellen, zu kochen, sich zu wärmen, Gassen und Häuser zu beleuchten? Wenn jedem Einwohner durchschnittlich 5.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, reicht das für ein gutes Leben?

Wie wollen sie sich verwalten, wie ihre Ressourcen, Wasser und Wald verteilen? Welche Art von Verfassung wollen sie sich geben, wenn sie erstmalig frei sind zu entscheiden, wenn es für sie kein Brüssel und keine Europäische Union, kein Berlin, keine Landeshauptstadt Wiesbaden gibt? Witzenhausen, eine autarke Republik, in eigener Verantwortung. Das ist mehr als eine Denksportaufgabe, wenn plötzlich das Leben und die Gemeinschaft davon abhängen. Doch so ganz ernst ist der Fall noch nicht. In der Einladung der Bürgerbewegung Transition Town Witzenhausen wird immerhin noch ein gemütliches Frühstück angeboten, „zu dem jeder eingeladen ist, wenn möglich etwas in der Region Produziertes mitzubringen“. Und die Einlader versprechen „genügend Raum für Diskussionen und Wissensaustausch, um uns für den Ernstfall vorzubereiten“. Im Rathaussaal, Dienstag 10:00 Uhr – 13:00 Uhr, mit Prof. Dr. Gerold Rahmann, Leiter des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau. Im Rahmen des Studiums fundamentale soll es in dem Kurs „Selbstversorgung“ schließlich vorerst nur um ein „philosophisch-praktisches Gedankenexperiment“ gehen.

Noch ist dies keine realistische Bedrohung, aber die Veranstaltung zeigt, dass die Vorbereitungen auf den Ernstfall schon ernsthafter laufen, als unbelastete Zeitgenossen denken. Und sie laufen nicht nur in Deutschland. „Werdet selbstverantwortlich“, das ist die Forderung, die sich rasch über Europa ausbreitet und darüber hinaus ihre Anhänger gefunden hat. Die Bewegung des Transition Towns Network steht für den Fall, dass die Zivilisation, so wie wir sie kennen, nicht mehr funktioniert. Wenn Selbstversorgung nicht nur für den Brotkorb gilt, sondern für alle Umstände des zivilisierten Lebens.[i]

Transition Towns ist ein Netzwerk, das sich weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit entwickelt. 2013 umfasst es rund 1.100 Städte und Initiativen in 43 Ländern. Rund 450 davon arbeiten bereits, 640 stecken noch in der Gründungsphase. So wie in Witzenhausen beschäftigen auch sie sich mit Grundsätzlichem: mit welchen alten Handwerks-, Ackerbau-, und Überlebenstechniken und mit welcher sozialen Organisation ihre autarken Republiken im 21. Jahrhundert Form und Halt finden könnten. Witzenhausen ist eine von 27 Transition-Town-Initiativen in Deutschland. Politisch prägend sind sie sicher nicht, aber sie stellen Fragen, auf die wir eines Tages vielleicht eine Antwort benötigen.

 

[i] http://www.transitionnetwork.org/.

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