Ernährungsräte und Ernährungssouveränität

 

 

 

 

News zu einzelnen aktuellen Aktivitäten der Ernährungsräte unter Food News

 

 

Die Anfänge: Food Policy Councils

Die Geschichte der Ernährungsräte beginnt vermutlich mit den Food Policy Councils in den USA und Kanada und dort wiederum 1982 in Knoxville, Tennessee, wo der erste Ernährungsrat entstanden sein soll.

 

Heute gibt es 278 Food Policy Councils (FPCs) in Nordamerika, davon 212 in den USA, 60 in Kanada, und 6 in Stämmen der amerikanischen indigenen Bevölkerung. 19 der Councils befinden sich noch im Entwicklungsstadium. Fast die Hälfte der nordamerikanischen Ernährungsräte sind unabhängig zivilgesellschaftlich organisiert und gehören teilweise einer Nichtregierungsorganisation an. 18% gehören der Regierung an. Allerdings hat ein Drittel der Organisationen Mitglieder, die auch Regierungsangestellte sind. Und genauso viele werden auch mit staatlichen Geldern unterstützt. (Vgl. Johns Hopkins Center for a Livable Future)

 

Food Policy Councils unterscheiden sich in ihrer Organisation oft stark. Oft haben sie ihre Wurzeln im Engagement der zivilen Bevölkerung und von Akteuren des Ernährungssystems im weitesten Sinne (Gastronomie, Landwirtschaft, Ökologie etc.). Ihnen gemeinsam ist allerdings der Wunsch nach Transparenz hinsichtlich der Herkunft und Zusammensetzung von Lebensmitteln und damit auch der Wunsch nach Ernährungssouveränität. 

 

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Was ist Ernährungssouveränität?

Ernährungssouveränität ist das Wissen und die Kontrolle über das, was wir täglich essen. Statt Etikettenschwindel, unverständliche chemische Zusätze und erschöpfte Ressourcen zu befürchten, sollten die Essenden wissen, welche Nähr- und welche Schadstoffe in Lebensmitteln stecken, wo und wie Lebensmittel produziert werden, welchen Weg sie bis zum Teller nehmen. Dazu gehören auch Fragen nach den Arbeitsbedingungen der ProduzentInnen. Und danach, wie mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden umgegangen wurde und welche Maßstäbe hinsichtlich Artenschutz angelegt werden. 

 

In den Worten der Initiative Nyéléni
„Das Ziel der Bewegung für Ernährungssouveränität ist, dass Menschen die Gestaltung ihres Lebensmittel- und Agrarsystems selbst in die Hand nehmen. Alle Menschen sollen das Recht auf und den Zugang zu gesunder, regionaler Nahrung, die ohne Ausbeutung von Natur und Menschen hergestellt und verteilt wird, haben.

 

Um Ernährungssouveränität umsetzen zu können, braucht es viele Menschen, die an vielen Orten viele kleine Dinge tun. Menschen, die in ihrem Umfeld die Idee von Ernährungssouveränität verbreiten und umsetzen wollen. Personen und Initiativen, die zusammen auch große Dinge bewegen können, die sich für eine Veränderung der Agrarpolitiken und der Wirtschaft einsetzen.“

 

Der Ernährungsrat Köln

Am 7. März 2016 wurde der Ernährungsrat für Köln und Umgebung offiziell gegründet. Dazu trafen Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Verein Taste of Heimat e. V. zusammen, um nach einjähriger Vorbereitungszeit die Grundsätze und Ziele des Ernährungsrates vorzustellen. 

 

Der Ernährungsrat ist ein beratendes Gremium, das eng mit der Kölner Stadtverwaltung zusammenarbeitet. In Ausschüssen zu verschiedenen stadtrelevanten Ernährungsthemen erarbeiten ExpertInnen und engagierte BürgerInnen Programme und Projekte, die eine gesunde und nachhaltige Ernährung ermöglichen sollen. Der Ernährungsrat hat folgende Ziele vereinbart:

  • Erarbeitung einer Ernährungsstrategie für die Stadt Köln und ihr Umland.
  • Entwicklung verbindlicher und messbarer Ziele, um die Umsetzung dieser Ernährungsstrategie voranzutreiben (z.B. Anzahl sowie Gesamtfläche der Schul- und Gemeinschaftsgärten, Anteil regionaler Produkte in Großküchen, etc.).
  • Stärkung regionaler Lebensmittelkreisläufe durch die „Ernährungs- und Agrarwende“.Aufklärung und Sensibilisierung der Kölner Bürgerinnen und Bürger jeden Alters.
  • Vernetzung relevanter Akteure zum regelmäßigen Austausch.

 

Bereits seit Mitte 2015 tagen themenspezifische Ausschüssen – Arbeitsgruppen, die sich in regelmäßigen Abständen treffen, um  inhaltlich folgende Themen zu diskutieren und entsprechende Projekte anzustoßen:

  • Veranstaltungen zum Thema regionale, nachhaltige Ernährung
  • Regionale Direktvermarktung
  • Ernährungsbildung und Schulverpflegung
  • Urbane Landwirtschaft/Essbare Stadt

 

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Rat für gutes Essen (Berlin)

Pressemitteilung: Im Rahmen der Wertewochen 2015 hat sich am 28.09.2015 in Berlin der „Rat für gutes Essen“ („food council berlin”) gegründet. Rund 30 Verbände, Organisationen und Unternehmen waren der Einladung von Verbraucherschutzstaatssekretärin Sabine Toepfer-Kataw zur konstituierenden ersten Sitzung gefolgt.

 

Ziel des Rates ist es, eine nachhaltige Strategie rund um das Thema Ernährung in und für Berlin zu entwickeln. „Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme. Essen ist Kulturgut und natürlich ein Wirtschaftsfaktor“, erläutert Sabine Toepfer-Kataw. „In Großbritannien und den USA sind food councils in vielen Städten schon fest verankert. Mit dem Rat für gutes Essen holen wir die food-council-Idee nun erstmals nach Deutschland. Die Mitglieder beschäftigen sich mit Themen wie Urban Gardening, Qualitätsmanagement, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung oder Ernährungsbildung. Ich halte es für wichtig, die unterschiedlichen Player rund ums Essen an einen Tisch zu holen, um darüber zu beraten, wie wir mit dem Thema Ernährung mittel- und langfristig umgehen wollen.“

 

Angestoßen hat den Prozess die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, grundsätzlich versteht sich die Verwaltung aber als eine von vielen Beteiligten. Bei ihrem ersten Treffen einigten sich die Teilnehmer darauf, dass die Stiftung Zukunft Berlin die Beratungen moderierend und strukturierend begleitet. Zu den Gründungsteilnehmern gehören Konsumenten-Organisationen wie Slow Food ebenso wie die Fördergemeinschaft Ökologische Landwirtschaft, die IHK Berlin, der Handelsverband Berlin Brandenburg, der Bauernverband Brandenburg oder die Cooks Connection.

 

Leider gibt es seit der Gründung des Rates keine Neuigkeiten zu Aktivitäten der städtischen Initiative.

 

Ernährungsrat Berlin

Der Ernährungsrat Berlin ist mehr als nur die zivilgesellschaftliche Antwort auf den Rat für gutes Essen. Er ist – in eigenen Worten – ein breites Bündnis von BürgerInnen, dessen Ziel es ist, den zukunftsfähigen Wandel des Ernährungssystems in der Region aktiv voranzutreibe. Es bildet eine Plattform aller lokal und regional tätigen Akteure dieses angestrebten Wandels und dient beteiligten VerbraucherInnen, bäuerlichen ErzeugerInnen, StadtgärtnerInnen, LebensmittelretterInnen, VertreterInnen der lokalen Lebensmittelwirtschaft und Gastronomie, WissenschaftlerInnen, VertreterInnen von Verbänden, Vereinen und Bildungseinrichtungen u. a. m. zur Entwicklung gemeinsamer Ziele und Strategien und deren Umsetzung in politischen Aktivitäten und Aktionen.


Der Ernährungsrat versteht Ernährungssouveränität als Grundlage für ein gerechtes, zukunftsfähiges Ernährungssystem und engagiert sich für regionale Landwirtschaft, Umweltschutz, Vielfalt auf allen Ebenen (also um die natürliche Biodiversität ebenso wie um Berlins vielfältige Esskulturen) sowie für faire Marktstrukturen und vieles mehr.

 

Am 22. April 2016 hat sich der Ernährungsrat Berlin offiziell und feierlich gegründet und zu diesem Anlass über Gegenwart und Zukunft von Ernährung und Landwirtschaft in der Region diskutiert und den SprecherInnenkreis des Ernährungsrats Berlin gewählt. 

 

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Nyéléni

Im Jahr 2007 fand in Mali ein großes weltweites Treffen von Initiativen, die sich direkt oder indirekt für Ernährungssouveränität einsetzen, statt, das Nyéléni-Forum, um eine Bewegung für Ernährungssouveränität voranzutreiben. 2011 fand ein weiteres, europaweites Nyéléni-Forum  in Österreich statt, wo festgestellt wurde, dass Europa noch viele weitere regionale Nyéléni-Foren und Basisbewegungen braucht, um in einzelnen Regionen wichtige Prozesse zu initiieren.

 

Die Ziele der Nyéléni-Bewegung sind:

  • eine Bewegung für Ernährungssouveränität aufbauen bzw. verbreitern, d.h. schon bestehende Initiativen zusammenbringen und viele neue Personen und Initiativen mit einbinden
  • ein gemeinsames Verständnis von Ernährungssouveränität schaffen
  • gemeinsam erarbeiten, was die Herausforderungen für die Umsetzungen von Ernährungssouveränität in der jeweiligen Region sind und mit welchen Strategien und Aktionen wir dies erreichen können

 

Seit Mitte 2014 gibt es im deutschsprachigen Raum eine Gruppe, die zu Ernährungssouveränität arbeitet und sich als Teil der Nyéléni-Bewegung versteht. Das nächste internationale Nyéléni-Treffen ist für den Herbst 2016 in Cluj, Rumänien geplant.

 

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Ernährungsrat Hamburg

Auch in Hamburg befindet sich ein Ernährungsrat mitten in den Vorbereitungen zur Gründung. So findet beispielsweise am 02. Mai 2016 ein Brainstorming-Treffen statt. Dort wird über die grundlegende Struktur und Ausrichtung eines Ernährungsrates für Hamburg gesprochen, u. a. über Organisation, Zielsetzung und mögliche Projekte. Mehr

Clip: Unser Essen mitgestalten – Ernährungsräte überall!

Ernährungsräte sind ein wichtiger Bestandteil der globalen Bewegung für eine Agrar- und Ernährungs-wende. Als ernährungspolitische Vielkönner schaffen sie nicht nur Räume, in denen Ernährungsfragen wieder auf regionaler Ebene angegangen werden. Sie sind politische Werkzeuge, institutionelle Lückenfüller und Plattformen der Begegnung. Mehr dazu auch hier.

Eine (unvollständige) Liste einiger Akteure der Ernährungssouveränität

Spendenkonto

Institut für Welternährung e.V.

GLS Bank

IBAN: DE54 4306 0967 1138 5065 00 | BIC: GENODEM1GLS

 

Ihre Spende kann steuerlich geltend gemacht werden

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